Datenschutz im Internet: Wir geben zu viel preis!

Mit der Datensicherheit im Internet nehmen es viele nicht so genau…

Wir kaufen im Internet ein, pflegen unsere Freundschaften, buchen Reisen – und geben dabei meist unbewusst jede Menge sehr persönliche Informationen über uns preis. Null Datenschutz im Internet? Internet und Sicherheit – zwei Begriffe, die sich ausschließen? Das muss nicht sein!

Mal ehrlich: Haben Sie je die AGBs, die Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Facebook, Google & Co. studiert? Wenn nicht, sind Sie in guter Gesellschaft: In einer Umfrage von Statista gaben nur sieben Prozent an, die langen, komplizierten Richtlinien immer zu lesen. Kaum jemand weiß, in welchem Ausmaß Internet-Firmen Informationen über unsere Gewohnheiten und Vorlieben an Dritte im In- und Ausland verkaufen. Dass sie das tun, ist klar. Davon leben sie ja.

Eine, die sich auskennt, ist Rena Tangens. Ihr Verein Digitalcourage e. V. vergibt einmal im Jahr die „Big Brother Awards“ – einen Negativpreis für Personen und Organisationen, die die Privatsphäre von Menschen in besonderer Weise schädigen. Der wichtigste Tipp der Expertin: „Seien Sie immer kritisch und verschwiegen, veröffentlichen Sie nie mehr Privates als nötig.“

Wo lauern Gefahren bei der Nutzung sozialer Medien?

Das größte Problem ist die fehlende Datensouveränität. Wir haben keinen Einfluss darauf, was Firmen mit Informationen über uns anstellen. Diese werden jahrelang in großem Stil gesammelt, Netzwerke und Suchmaschinen haben auf alles Zugriff. Jeder Klick, jede Suche, jeder Post wird gespeichert und ausgewertet – selbst Fotos, die wir längst gelöscht haben.

Sollte man die Bestimmungen zum Datenschutz im Internet kennen?

Das ist sicher nicht verkehrt – aber schützt vor nichts, weil Unternehmen sich oft hinter Juristensprache verstecken. Heißt es darin etwa, die Firma gebe „grundsätzlich“ keine Daten an „unberechtigte Dritte“ weiter, kann „grundsätzlich“ meinen, dass es Ausnahmen gibt, und dennoch Daten an „berechtigte Dritte“ weitergegeben werden.

Was veranstalten Facebook und Co. mit unseren Daten?

Sie erstellen ein möglichst genaues Nutzerprofil von uns und verkaufen es an Unternehmen, damit diese gezielter Werbung einsetzen können. Die Einflussnahme geht aber weit über Werbung hinaus. Aufgrund unserer Daten ziehen Firmen Schlussfolgerungen über uns, die gravierende Konsequenzen haben können. Ein Beispiel: Gibt jemand bei Facebook an, dass er am liebsten Hip-Hop hört, sinkt sein so genannter Score-Wert. Gemeint ist damit, dass Firmen einen Nutzer, der Hip-Hop hört, pauschal für weniger zahlungsfähig einstufen. Es kann also sein, dass ich keinen günstigen Kredit bekomme oder mir beim Online-Kauf die Zahlung auf Rechnung untersagt wird, weil ich die falsche Musik höre. Auch wichtig: Sobald man einer App erlaubt, seine Kontakte zu synchronisieren, kommt der Betreiber auch an die Namen und Mailadressen von Freunden, die in dem Netzwerk nicht einmal angemeldet sind. Um Freunde zu schützen, sollte man den Zugriff auf sein Adressbuch nie zulassen.

Was könnte da in Zukunft noch auf uns zukommen?

Schon heute haben wir mit dem Smartphone einen ständigen Überwacher bei uns. Es hört, was wir sagen, weiß, wo wir sind und wie wir uns bewegen – und verpetzt uns an jeden, der die App-Entwickler dafür bezahlt. Nehmen wir das Beispiel Fitness-Apps: Womöglich geben Krankenkassen eines Tages nur Personen günstige Tarife, die sich überwachen lassen und gute Werte haben. Das schürt Ungerechtigkeit – und Unfreiheit. Es könnte sein, dass wir uns irgendwann rechtfertigen müssen, wenn wir später als sonst schlafen gegangen sind. Das ist schließlich ungesund…