Herzinfarkt: Erkennen und sofort handeln ist überlebenswichtig

Bei Herzinfarkt zählt jede Minute

Einen Herzinfarkt zu erkennen, ist nicht immer einfach. Und so vergehen im Schnitt noch immer deutlich mehr als 60 Minuten, bis die Rettungsstelle angerufen wird. Das senkt die Überlebenschancen für Patienten massiv, denn die Behandlung eines Herzinfarktes muss bestenfalls binnen weniger Minuten erfolgen — je früher, desto besser. Und daher gilt bei Verdacht auf Herzinfarkt: Nicht den Hausarzt rufen, sondern die 112! Im Fall von Petra ist es ihrer Schwester zu verdanken, dass sie überlebt hat.

Petra (54) ist mit ihrer Boutique gerade in eine bessere Lage gezogen und will für die Geschäftseröffnung am Freitag alles in die neuen Regale räumen. Da spürt sie plötzlich unbekannt heftige Schmerzen im Oberbauch. Sie hat einen starken Schweißausbruch, und ihr wird so übel, dass sie sich übergeben muss. Sie vermutet eine Lebensmittelvergiftung und ruft ihre Schwester Anne an, damit diese sie heimfährt. Als Anne zehn Minuten später vor der Ladentür steht, erschrickt sie: Petra ist totenblass.

Anne handelt richtig: Als Arzthelferin weiß sie einen Herzinfarkt zu erkennen. Die Beschwerden ihrer Schwester deuten drauf hin. Denn bei Frauen zeigen sich keineswegs immer die typischen Beschwerden wie ein starker Schmerz in der Brust. Also drückt sie auf ihrem Handy die 112, um den Notarzt zu rufen. Petra kann rechtzeitig in eine Klinik eingeliefert werden, wo sofort mit der Behandlung des Herzinfarktes begonnen wird.

Zu oft wird mit dem Anruf gezögert

In Deutschland erleiden jedes Jahr rund 290 000 Menschen einen Herzinfarkt. Fast jeder Dritte stirbt, bevor er das Krankenhaus erreicht. Der Grund: Zu viele Menschen deuten die Symptome des Herzinfarktes falsch und zögern, den Notarzt zu rufen. So vergeht zu viel Zeit bis zur Behandlung des Infarktes.

Immer noch wissen zu viele Menschen in unserem Lande nicht, dass beim Herzinfarkt jede Minute zählt und warten zu lange: Aber je schneller der Patient in der Klinik behandelt wird, desto besser sind die Überlebenschancen und umso geringer das Risiko einer schwerwiegenden Schädigung des Herzens bis hin zur Herzmuskelschwäche mit erheblichen Einbußen an Lebensqualität,

erklärt Herzspezialist Prof. Dr. Heribert Schunkert vom Deutschen Herzzentrum München und Beiratsmitglied der Deutschen Herzstiftung.

Darum ist es so wichtig, dass bei Verdacht auf Herzinfarkt gleich der Notarzt und nicht erst der Hausarzt gerufen wird.

Herzmuskelgewebe geht verloren

Bei einem Herzinfarkt ist eines der Herzkranzgefäße, die für die Versorgung des Herzens mit Sauerstoff und Nährstoffen zuständig sind, durch ein Blutgerinnsel („Thrombus“) verschlossen. Ein Teil des Herzmuskels ist dann von der Sauerstoffzufuhr abgeschnitten. Es kann dadurch unter anderem zu einer bedrohlichen Herzrhythmusstörung, dem Kammerflimmern, kommen, die zum totalen Kreislaufversagen führen kann. Je länger ein Herzinfarkt dauert, desto mehr Herzmuskelgewebe geht unwiderbringlich verloren.

Ist das Notarztteam aber schnell zur Stelle, kann die Behandlung des Herzinfarktes sofort beginnen und der Patient – eventuell nachdem sein Herz-Kreislauf-System einigermaßen stabilisiert wurde – wird in eine Klinik mit Akutversorgung gebracht.

Sie sollten also bei einem der folgenden Alarmzeichen immer den Notruf 112 wählen:

● Der Betroffene verspürt schwere, länger als fünf Minuten anhaltende Schmerzen im Brustkorb, die in Arme, Schulterblätter, Hals, Kiefer ausstrahlen
können oder im Oberbauch lokalisiert sind.
● Es besteht ein starkes Engegefühl, heftiger Druck, Brennen im Brustkorb, der Betroffene leidet an Atemnot
● Zusätzlich sind Übelkeit, Brechreiz, Angst möglich.
● Vielleicht verspürt der Betroffene ein Schwächegefühl (auch ohne Schmerz) oder ist eventuell bewusstlos.
● Der Betroffene hat eine blasse, fahle Gesichtsfarbe, ihm bricht kalter Schweiß aus.
● Ein besonderes Alarmzeichen ist es, wenn jemand nachts mit Schmerzen im Brustkorb erwacht.
● Auch ausgeprägte Atemnot ist ein Alarmzeichen.

Bei Frauen sind die Alarmzeichen oft anders ausgeprägt. Darum wird ein Herzinfarkt bei ihnen häufig zu spät erkannt.

● Bei Frauen sind Atemnot, Übelkeit, Rückenschmerzen, Schmerzen im Oberbauch, Brechreiz und Erbrechen häufiger als bei Männern alleinige Alarmzeichen.
●  Wenn Brustschmerzen – bei Frauen wie Männern – bei minimaler Belastung oder in Ruhe auftreten, muss genauso schnell wie beim Herzinfarkt gehandelt werden.

Bis das Rettungsteam eintrifft, sollte der Patient sich in halbsitzender Position auf ein Sofa oder einen bequemen Sessel legen. Angehörige sollten das Fenster öffnen, um für viel Luft zu sorgen, und den Patienten beruhigen, bis das Rettungsteam mit der Behandlung des Herzinfarktes beginnen kann.

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