Ahnenforschung: Wie gehe ich am besten vor?

Auf der Suche nach unseren Wurzeln

Gerade in hektischen Zeiten, wenn wir das Gefühl haben, dass viele Werte und Traditionen verloren gehen, suchen wir nach etwas Dauerhaftem, nach etwas das bleibt – und das sind nicht zuletzt die Vorfahren. Was wir bei der Suche nach unseren Wurzeln beachten sollten, erklärt die Expertin Rieke Weykopf.

Warum ist es sinnvoll, auf Spurensuche zu gehen?

„Seine Wurzeln zu kennen, kann identitätsstiftend sein. Es gibt Sicherheit, zu erfahren, woher man kommt, was die Vorfahren geleistet haben, was sie beschäftigt hat oder was ihr Schicksal gewesen ist. Neue Forschungen zeigen zudem, dass es scheinbar eine Art ‚Familiengedächtnis‘ gibt, wir also in unserem Handeln von unseren Vorfahren geprägt werden. Das Wissen um die eigene Geschichte kann uns so auch in der Gegenwart helfen.“

Wie erfahre ich mehr über meine Vorfahren?

„Nehmen Sie ein Diktiergerät oder Smartphone, und zeichnen Sie Gespräche mit älteren Verwandten über ‚Damals‘ auf. Fragen Sie nach allen vorhandenen Unterlagen wie Geburtsurkunden, Stammbüchern und Fotos. Sortieren Sie die Dokumente, erstellen Sie vielleicht auch eine Ahnentafel. Dann beginnen Sie mit Ihrer Recherche an der ältesten schriftlich belegten Stelle eines Ereignisses und arbeiten sich von da in die Vergangenheit.“

Welche Anlaufstellen für meine Forschung gibt es? 

„Personenstandsdaten finden Sie in den Standesämtern – meist ab 1874. Ältere Daten sind in den örtlichen Kirchenbüchern verzeichnet. Weitere Dokumente finden Sie auch in Stadt- und Staatsarchiven.“

Wo finde ich Hilfe, wenn ich nicht weiterkomme?

„Es gibt zahlreiche genealogische Vereine und Verbände, in den meisten helfen sich die Mitglieder gegenseitig. Adressen findet man im Internet, genauso wie von professionellen Recherchediensten und Berufsgenealogen. Bei kommerziellen Portalen wie Ancestry kann man direkt nach Urkunden seiner Vorfahren suchen. Qualität und Preis-Leistungs-Verhältnis dieser Seiten sind aber sehr unterschiedlich, ich würde mich nicht ausschließlich darauf verlassen.“

Wie erfasse und verwalte ich die Daten am besten?

„Notieren Sie sich alle Schritte, auch die erfolglosen. Sonst machen Sie sich eventuell doppelte Arbeit. Sie können alles handschriftlich festhalten, es gibt aber auch für den Computer zahlreiche Programme, mit denen Sie Ihre Daten inklusive Quellenermittlung und Fotos ganz leicht verwalten können. Eine Übersicht der Anbieter gibt es im Internet unter www.compgen.de

Wie kontaktiere ich bislang unbekannte Verwandte?

„Schreiben Sie am besten ganz altmodisch einen Brief. Erklären Sie, wer Sie sind, warum Sie sich an die Person wenden und wie Sie sie ausfindig gemacht haben. Belegen Sie Ihre Behauptungen mit Ihren Forschungen, fügen Sie Ihre Kontaktdaten bei, und lassen Sie der Person genügend Zeit, sich zu melden.“

Wie bewahre ich Erinnerungen?

Wenn Sie möchten, dass Ihre Nachfahren später einmal möglichst viel über Sie und Ihre Vorfahren herausfinden können, schreiben Sie doch eine Familienchronik. Das kann alles von einer handschriftlichen Kladde bis hin zur verlegten Print-Version sein. Veröffentlichen Sie Ihre Nachforschungen dann ganz einfach auf Portalen wie Compgen, Ancestry und Familysearch oder auf einer eigenen Familien-Website. Suchen Sie sich einen jüngeren Verwandten, der Interesse an dem Thema hat, als nachfolgenden Familienforscher aus. Organisieren Sie Familientreffen, bei denen Sie Ihre Arbeit vorstellen und um weitere Mithilfe bitten.