Flirtfaktor Hund: Was ist dran?

Treuer Freund oder auch Eisbrecher beim Flirten?

Als ich vor knapp dreizehn Jahren nach einer langen Beziehung auf den Hund kam, erntete ich ungläubige Blicke. „Du mit einem Hund? Das kann ja nur schiefgehen!“ Ja, danke, sehr aufmunternd. Aber gut, ich war bis dahin auch nicht gerade durch eine ausgeprägte Liebe zu irgendwelchen Vierbeinern aufgefallen. Ich galt eher als die Anti-Liebhaberin. Aber ich fühlte mich allein und brauchte Gesellschaft von einem, der nicht über meine Figur meckerte und mich einfach nur hingebungsvoll liebte. 

Deswegen ein Hund. Und ich muss sagen, meine Labradordame hat meine Erwartungen in dieser Hinsicht voll und ganz erfüllt und noch weit darüber hinaus. Ich hörte auch davon, dass ein Hund ein großartiger Flirtfaktor sei und ich bestimmt sehr schnell einen neuen Mann kennen lernen würde. Erst recht mit einem so reizenden Tier. 

Heute, dreizehn Jahre später, kann ich rückblickend sagen: Ein Hund zieht wirklich die unterschiedlichsten Menschen an. Kein Spaziergang quer durch Hamburg, in dem ich nicht mit irgendwem ins Gespräch komme. Sei es wegen des Alters („Ach, wie süß, ein Welpe!“ oder „Der ist aber schon alt, oder?!“), wegen des Streichelfaktors („Darf ich den anfassen?“) oder wegen eines Hundehaufens („Das machen Sie doch weg, oder?!“ „Ja, wie Sie sehen, suche ich gerade den Beutel“). Aber potentielle Liebhaber habe ich nie getroffen. Die Liebhaber allerdings, die ich hatte, waren nach anfänglicher Skepsis durchweg begeistert von diesem zutraulichen Fellmonster. Tolle Menschen kennenlernen, ja. Liebschaften, nein. Woran kann das liegen, wo ein Hund doch so gern als Flirtfaktor empfohlen wird?

Wie sehen wir aus, wenn wir mit dem Hund unsere Runden drehen?

Wer glücklicher Hundebesitzer oder glückliche Hundebesitzerin ist, kennt die Freuden des Gassigehens. Bei Wind und Wetter müssen wir raus, ohne Erbarmen. Früh am Morgen gern in Jogginghose verbunden mit dem Besuch beim Bäcker. Am Wochenende zerknittert nach einer langen Nacht. Der ausgedehnte Spaziergang im Park in Regenjacke und Gummistiefeln oder wenigstens festen Laufschuhen. Schließlich legen wir ordentliche Strecken zurück. Hübsch machen und in Pumps los? Fehlanzeige. Wenn nicht unser eigener, dann springt uns mit Sicherheit ein anderer Hund fröhlich an und hinterlässt seine Spuren in Strumpfhosen und auf hellen Mänteln. „Och, das kennen Sie ja, Sie haben ja selber einen Hund“! Grrrr. Sommer, Sonne, Sonnenschein? Nichts wie raus an die Elbe und am Elbstrand hinlegen. Nicht nur ein Mal, nein mehrmals wurde meine Tasche dabei von herumlaufenden Rüden markiert. Markieren bedeutet anders ausgedrückt anpinkeln. So richtig entspannt und in Flirtlaune bin ich dann nicht mehr. 

Geht es etwa nur um die richtige Hunderasse?

Ein Männermagazin gibt Tipps, welche Hunderassen den höchsten Flirtfaktor haben, wenn Mann Frau kennenlernen will. Besonders beliebt sei der Mops, dieser kleine röchelnde Glubschaugen-Hund. Ganz ehrlich, wenn da ein Kerl von einem Mann auf mich zu kommt und einen Mops tief unten an der Leine hält, sieht das schon lustig aus. Ich persönlich denke allerdings sofort, dass diese armen Hunde völlig überzüchtet sind, kaum Luft bekommen und warum der sich nicht lieber einen vernünftigen Hund zulegt. Da spricht die unterschwellige Überheblichkeit der Große-Hund-Besitzerin aus mir. Die Deutsche Dogge wiederum wäre mir zu groß. Wie sollen wir denn da zu dritt auf das Sofa passen? Also das mit der Hunderasse ist auf jeden Fall eine reine Geschmackssache. Mein Labrador führt als Retriever jedenfalls die Liste der beliebtesten Flirthunde an, gefolgt von Schäferhund, Yorkshire Terrier, Dackel, Pudel und dem Mops. Pudel??? Die sieht man doch kaum noch. Ich weiß nicht, woher die Daten stammen. Ein Kampfhund übrigens sei ein absolutes No-Go. Aber ich würde sagen, das hängt ganz davon ab, in welchem Umfeld wir uns befinden.

Männer sind eindeutig im Vorteil

Wieder einmal sind die Fronten klar: Frauen stehen eher auf Männer mit Hund als Männer auf Frauen mit Hund. Das hat eine Parship-Studie von 2016 ergeben. Kann es so einfach sein? Es hat gar nichts mit meinem Outfit, meiner Laune oder meinem Labrador zu tun? Es liegt schlichtweg daran, dass ich eine Frau bin? Jede dritte Single-Frau sieht den Besitz eines Haustiers bei Männern positiv, während es umgekehrt nur knapp jeder vierte ist. Dabei komme es allerdings zusätzlich auch noch auf die Art des Tieres an. Ich vermute, Vogelspinnen-HalterInnen oder AquariumbesitzerInnen müssen da weit mehr zurückstecken als Katzen- und vor allem Hunde-Mamis und –Papis. Ich habe meinen Hund übrigens schon einmal zum Frauenkennenlernen an einen männlichen Kollegen ausgeliehen. Er ging auf die Hundewiese, ich in die Saune. Herrlich! Es schien aber nicht gut bei den Frauen anzukommen, als er leicht panisch nach dem Hund brüllte, der bereits seelenruhig hinter ihm saß.

Ein Hund ist ein Türöffner für Freundschaften

In einer Umfrage des Forschungskreises „Heimtiere in der Gesellschaft“ gaben 77 Prozent der befragten Hundebesitzer an, durch ihren Hund häufiger angesprochen zu werden. Oh ja, das kann ich bestätigen. Ohne Hund bin ich regelrecht unsichtbar, während ich mit Hund wie ein aus dem Meer herausragender Leuchtturm alle Menschen anziehe, die sich einsam fühlen, selber einen Hund haben, gerade in Kuschellaune sind oder einen Gesprächspartner- oder partnerin suchen. Mal ist das gut und mal möchte auch ich einfach nur meine Ruhe haben. Aber da hätte ich mir einen anderen Hund zulegen müssen. Einen, der gefährlich aussieht und nicht einen, der wildfremde Menschen anstupst und zum Streicheln auffordert. So ein zutraulicher Hund wiederum lässt die Vorschusslorbeeren in die Höhe schnellen und wirkt wie ein Weichzeichner. Denn mit so einem Hund scheine ich gar kein schlechter Mensch sein zu können. Das ist mir in meiner Arbeit in all den Jahren durchaus zugutegekommen. Und ich habe auch tatsächlich richtig gute Freunde über den Hund gewonnen.

Hund ja, Flirtfaktor unwichtig

Was schließe ich also daraus? Einen Hund zu haben, ist toll und so kann ich die Anschaffung nur jedem nahelegen. Vor allem jedem Single. Denn er öffnet Euer Herz, steigert Eure Empathiefähigkeit ins Unermessliche und wird Euch ein treuer Begleiter sein. Ihr fühlt Euch weniger allein und habt immer einen Grund, aus dem Haus zu gehen. Damit wiederum tut Ihr Eurem Körper und Eurer Seele mit Sonne, frischer Luft und Bewegung etwas Gutes. Einen Hund anzuschaffen, um einen Partner oder eine Partnerin kennen zu lernen, wäre dem Tier gegenüber allerdings verantwortungslos. Und bringt letztlich auch nichts. Aber mit dem Hund im Herzen strahlt Ihr gleich viel mehr Zuversicht, Zufriedenheit und Ausgeglichenheit aus. Und mit dieser inneren Einstellung bringt Ihr tatsächlich jeden Flirt in Schwung!

Anja Drews – Diplom-Sexualpädagogin für ORION

Orion-Katalog