Sexflaute? Nicht mit mir!

Warum Sex in langen Beziehungen oft auf der Strecke bleibt und was Sie dagegen tun können

Wie schön das ist, frisch verliebt zu sein und die Finger nicht vom anderen lassen zu können! Am liebsten möchte man mit der oder dem Liebsten verschmelzen und jede freie Minute im Bett verbringen. Das lässt sich in der Regel so nicht umsetzen, aber zumindest in Gedanken sind wir komplett auf diese eine Sache fixiert. Die Hormone haben uns voll im Griff und die rosarote Brille lässt nicht nur den anderen sondern gleich die ganze Welt in einem strahlenden Licht erscheinen. Sex, Sex, Sex – wir befinden uns in einem Dauerrausch, unsere Gedanken sind vernebelt. Aber irgendwann lässt dieser Zustand nach, lassen uns die Hormone aus ihren Klauen, schleicht sich die Routine ein. 

Wir können wieder klar denken, stellen fest, dass es auch noch andere wichtige Dinge mit oder ohne den Partner zu erleben und zu erledigen gibt. Und der Sex, der uns am Anfang als das Wichtigste auf der Welt erschien, mutiert plötzlich zur Nebensache. Irgendwann merken wir vielleicht sogar, dass das letzte Mal schon eine viel zu lange Weile her ist, ohne dass wir das überhaupt bemerkt haben. Ist das normal? Und was kann man dagegen machen? 

Wenn aus Verliebtheit Liebe wird

Ja, das ist tatsächlich völlig normal! Und gleich zur Beruhigung: Wir können auch etwas dagegen unternehmen. Dazu komme ich später. Beziehungen verändern sich im Laufe der Zeit. Das kennen wir alle. Aus der anfänglichen Verliebtheit kann ein tiefes Gefühl der Nähe und Verbundenheit entstehen. Wir beginnen, den anderen wirklich zu lieben. Am Anfang stellen wir über Sex Nähe und Intimität her. Und es ist auch so aufregend, den anderen kennenzulernen, zu riechen, zu schmecken, zu ertasten und zu streicheln. Das Bedürfnis nach Zärtlichkeit und körperlicher Nähe ist entsprechend stark ausgeprägt. Die Lust lebt sozusagen von Luft und Liebe. Sex zu haben ist auch etwas, dass die Beziehung von einer Freundschaft unterscheidet, er definiert also die Beziehung. 

Im Laufe der Zeit lernen wir uns besser kennen. Wir entdecken, was den anderen beschäftigt, was seine Vorlieben und Interessen sind. Wir kommen uns auch auf der emotionalen und mentalen Ebene näher. Der Sex bekommt dadurch einen anderen Stellenwert, ist als Bindemittel nicht mehr so notwendig wie am Anfang. Wir entscheiden uns, zusammen zu bleiben, zusammen zu ziehen und vielleicht sogar, eine Familie zu gründen. Wir bauen uns damit ein gemeinsames Leben auf. Dadurch entsteht ein tiefes Gefühl der Verbundenheit. Sex ist immer noch wichtig, ist aber nicht mehr nötig, um darüber die Beziehung zu definieren. 

Weniger Sex muss nicht schlechter sein

Offizielle Zahlen habe ich zu dieser Entwicklung auch: Der Hamburger Sexualforscher Gunter Schmidt hat in einer Studie festgestellt, dass die sexuelle Aktivität in den ersten sechs Jahren einer Beziehung abnimmt, danach aber die nächsten 25 Jahre stabil auf diesem Niveau bleibt. „Die Koitusfrequenz ist besonders hoch in der Paarbildungsphase (in den ersten beiden Jahren), deutlich niedriger, aber konstant, in etablierten Partnerschaften (6-30 Jahre).“ Und manchmal kann der Sex auch ganz einschlafen. Solange das für beide Partner ok ist, stellt das kein Problem dar. Erst dann, wenn der oder die eine sich vernachlässigt fühlt, besteht Handlungsbedarf. Dazu kommt, dass zwar die Frequenz der sexuellen Kontakte abnimmt, die Qualität der Begegnungen im Idealfall dafür aber steigt. Denn immerhin kennt man sich mittlerweile wesentlich besser, weiß, worauf der andere steht und welche Berührungen gut tun. Sex geht über die reine Lusterfüllung hinaus. Wir lieben den anderen im körperlichen Sinne und „machen Liebe“. Die befragten Männer und Frauen der Hamburger Studie formulierten es folgendermaßen: „Verloren haben wir die emotionale Lebendigkeit und Leichtigkeit des Anfangs, gewonnen haben wir Bindung.“

Lust lässt sich auch planen

Wir sollten die Sache andersherum betrachten: Nicht die Anfangsphase der Verliebtheit ist die Normalität. Die ist vielmehr der totale Ausnahmezustand, der sich nicht auf Dauer halten lässt. Auch wenn sich das viele so wünschen. Normal ist das, was nachher kommt. Wenn man sich diesen Sachverhalt vor Augen hält, ist es viel einfacher, damit umzugehen. Aus der Normalität lässt sich aber auch noch so einiges machen. Sie sollten sich wirklich Auszeiten füreinander nehmen. Nehmen Sie sich Zeit füreinander. Planen Sie gemeinsame Wochenenden, auf denen Sie sich miteinander beschäftigen und Zeit zum Reden haben. Verabreden Sie sich zum Sex. Spontaneität ist etwas für Anfänger. Erfahrene Liebespaare wissen, wie sie sich sozusagen auf Kommando erregen können. Legen Sie einfach los, denn die Lust wird schon kommen, frei nach dem Motto: Erregung führt zur Lust, Nähe aber auch zur Erregung. Stimmen Sie sich ein mit erotischen Ritualen wie einem gemeinsamen Bad oder einer wohltuenden Massage.

Anja Drews – Diplom-Sexualpädagogin für ORION

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