Besonderer Genuss: Ist der Eiswein in Gefahr?

Die Weinlese bei Minustemperaturen verspricht ganz besondere Aromen

25. Februar 2016

Eine eisige Köstlichkeit, die in Weinkreisen zuletzt heiß diskutiert wurde, ist der Eiswein. Doch warum eigentlich? vinoa.de bringt ein wenig Licht in die besonders kühle Erfrischung...

Warum eigentlich „Eis“wein?

Seinen Namen verdient sich der Eiswein nicht etwa durch eine eisige Trinktemperatur - hier gelten je nach Geschmack zwischen neun und zwölf Grad Celsius als empfehlenswert. Je wärmer er genossen wird, desto mehr Aromen umschmeicheln Nase und Gaumen. Warum aber dann „Eis“wein? Die Namensgebung findet ihren Ursprung in den frostigen Temperaturen, bei denen die Trauben eines echten Eisweins gelesen werden. Für ihr Meisterwerk nehmen die Winzer einen ungemütlichen Morgen in Kauf, denn bei nicht mehr als minus 7 Grad Celsius (idealerweise minus 10 bis minus 12 Grad Celsius) durchkämmen sie in den frühen, dunklen Morgenstunden ihre Weinberge und sammeln handverlesen die wertvollen Trauben.

Doch die kalten Hände und Füße sind ein gerne bezahlter Preis für den gesammelten „Schatz“. Die gefrorenen Trauben werden noch am selben Morgen gekeltert. Nur in diesem Zustand bleibt das in den Trauben enthaltene Wasser gefroren. Das gepresste Resultat ist ein hochkonzentrierter Most, da der süßeste Saft der Traube einen niedrigeren Gefrierpunkt als Wasser aufweist. 

Deutsches Traditionsprodukt „Eis"wein

Auch wenn uns bei dem Gedanken an die morgendliche Lese bei gefühlt arktischen Temperaturen ein kalter Schauer über den Rücken läuft, können wir Deutsche uns ausnahmsweise mal nicht über unsere geografisch bedingten Klimaverhältnisse beklagen. In nur wenigen Ländern unterschreiten die winterlichen Temperaturen die unerlässlichen minus 7 Grad Celsius.

Auch wenn der römische Schriftsteller Plinius bereits 44 nach Christus erstmalig von Weinen berichtete, die aus gefrorenen Trauben gekeltert werden, blickt Deutschland inzwischen auf eine nicht minder stolze, bald 200-jährige Eisweintradition zurück: 1829 bot als Weinjahr nur ein trauriges Bild. Als die frustrierten Winzer Dromersheims sich im Winter dennoch aufmachten, um die gefrorenen Trauben zumindest als Futter für die Tiere zu ernten, entdeckten sie dabei erstmals die außergewöhnliche Süße. Der erfolgreiche weitere Verlauf der Geschichte ist schnell erzählt: heute kann sich Deutschland als eine der wichtigsten Nationen der Eisweinproduktion bezeichnen, übertroffen nur noch von Kanada. Ehre, wem Ehre gebührt: 1982 erlangte der Eiswein im Rahmen einer Novellierung des deutschen Weingesetzes auch eine eigenständige Prädikatsstufe. es wurde ein Mindestmostgewicht festgelegt, welches mindestens dem einer Beerenauslese entsprechen muss und je nach Anbaugebiet variiert.

Die aktuelle Ernte stand auf Messers Schneide

Viele trauerten 2015 (wieder einmal) der Schönheit einer weißen Weihnacht hinterher. Die deutschen Winzer hingegen sorgten sich vielmehr (erneut) um ihren Eiswein. Aufgrund der ungewöhnlich hohen Temperaturen im Dezember fürchten beispielsweise die Rheingauer Winzer bereits den dritten Winter in Folge ohne Eisweinlese. Warum das so außergewöhnlich ist, zeigt ein kleiner historischer Vergleich: Die Ausfälle im Rheingau in 2013 und 2014 waren erst Nummer 2 und 3 seit 80 Jahren. Nie zuvor hat es einen Ausfall in zwei aufeinanderfolgenden Jahren gegeben. Und nun stand sogar der dritte kurz bevor.

Die Eisweinernte für den Jahrgang 2015 drohte wiederholt auszufallen. Nach einem überaus milden Winterbeginn, ist es einigen geduldigen Winzern doch noch gelungen die begehrten Trauben zu ernten. Der jähe Frost im Januar bescherte den Winzern rekordverdächtig spät, zwischen dem 18. und 19. Januar 2016 wider Erwarten, die Lese.

Ein delikater Tropfen

Sowohl als Aperitif als auch begleitend zum Dessert, macht der Eiswein immer eine gute Figur. Besonders empfehlenswert ist dabei eine Kombination mit fruchtigen Desserts oder Eis. Etwas gewagter, aber nicht weniger eindrucksvoll ist, die Kombination mit Edelschimmelkäse. Salzig und bitter vermischen sich in einer außergewöhnlichen Komposition mit süß und fruchtig – eine wahre Gaumenfreude!