Die Schilddrüse: Das völlig unterschätzte Organ

Der Schilddrüse kommen im Körper so einige wichtige Aufgaben zu

Die Schilddrüse ist ganz entscheidend, wenn es um unser Wohlbefinden geht. Jeder dritte Deutsche hat eine Fehlfunktion - ob Schilddrüsenunterfunktion oder Schilddrüsenüberfunktion. Frauen häufiger als Männer – und die meisten wissen es noch nicht einmal. Wir klären die wichtigsten Fragen rund um das oftmals unterschätzte Organ.

Probleme mit der Schilddrüse werden selten sofort als jene erkannt. Sie nehmen zu, obwohl Sie nicht mehr essen – oder verlieren plötzlich an Gewicht? Sie sind hektisch und nervös, oder leiden Sie eher an Antriebslosigkeit? Hinter diesen Symptomen kann ein und dasselbe Problem stecken: eine Fehlfunktion der Schilddrüse. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Wozu brauchen wir die Schilddrüse eigentlich so dringend?
Antwort: Die Hormone der Schilddrüse regulieren unseren Stoffwechsel, entscheiden darüber, ob das Herz normal schlägt oder rast, ob Magen und Darm gut arbeiten, ob unser Nervenkostüm stabil ist und sogar wie gut unsere Haare und Nägel wachsen. Patienten, bei denen die Schilddrüse – zum Beispiel wegen eines Tumors – entfernt wurde, müssen lebenslang Medikamente nehmen.

Sind Probleme mit der Schilddrüsen eher Frauensache?
Antwort: Ja, Frauen leiden tatsächlich öfter unter Schilddrüsenunterfunktion oder Schilddrüsenüberfunktion als Männer. Experten vermuten, dass dies am weiblichen Hormonhaushalt liegt. Er ist häufiger Schwankungen unterworfen. Schwangerschaft und Wechseljahre, aber auch die Hormoneinnahme zur Verhütung setzen den Körper wechselnden hormonellen Einflüssen aus. Und da alle diese körpereigenen Botenstoffe, also auch Schilddrüsen und Sexualhormone, zusammenarbeiten, treten Störungen besonders oft während oder nach solchen Umstellungen auf.

Kommt es mit über 40 eher zu Schilddrüsen-Problemen?
Antwort: Ja, neben dem Geschlecht spielt auch das Alter eine große Rolle für die Schilddrüsengesundheit. Denn das kleine Organ altert früh. Der Umwandlungsprozess beginnt schon zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr: Das Drüsengewebe schrumpft und degeneriert. Folge: Es können sich Knoten, Zysten und Verkalkungen bilden. Zudem verändert sich die Konzentration der Hormone aus der Hirnanhangdrüse und der Schilddrüse.

Und was, wenn wirklich eine Störung vorliegt?
Antwort: Patienten mit Kropf, Schilddrüsenunterfunktion oder Schilddrüsenüberfunktion lassen sich medikamentös gut behandeln.

Muss man bei der Tabletten- Einnahme etwas beachten?
Antwort: Ja. Die Hormone für die Schilddrüse sollten morgens eine halbe Stunde vor dem Frühstück auf leeren Magen mit Leitungswasser genommen werden. Hält man sich nicht daran, kann die Wirkung um 30 Prozent niedriger ausfallen als erwünscht. Zudem muss man mit bestimmten Mineralstoffen aufpassen: Kalzium, was häufig für die Stärkung der Knochen verordnet wird, darf erst zwei Stunden nach den Hormonen eingenommen werden. Vorsichtshalber wird der Abstand von zwei Stunden auch für Magnesium empfohlen, auch wenn dazu noch keine wissenschaftlichen Studien vorliegen.

Machen diese Hormone für die Schilddrüse wirklich schlank?
Antwort: Nein. Wer wegen einer Schilddrüsenunterfunktion ein paar Pfunde zu viel auf die Waage bringt, kann sein Gewicht durch die Einnahme von Schilddrüsenhormonen zwar wieder auf Normalmaß bringen. Aber Vorsicht: auf keinen Fall die Wirkstoffdosis auf eigene Faust erhöhen. Damit riskiert man Herzrhythmusstörungen.

Ich mag keine Rollkragenpullover – kann das an der Schilddrüse liegen?
Antwort: Tatsächlich kann die Wahl der Kleidung mit Problemen mit der Schilddrüse zusammenhängen. Wer weder Rollkragenpullover noch Schals oder Ketten gerne anzieht, weil er das Gefühl hat, es schnüre ihm die Kehle zu, hat womöglich eine vergrößerte Drüse. Der Arzt kann das oft schon durch Abtasten erkennen. Ultraschall und ein Bluttest bringen dann endgültige Gewissheit, ob man eventuell an einer Schilddrüsenunterfunktion oder einer Schilddrüsenüberfunktion leidet.

Was genau ist das Hashimoto-Syndrom?
Antwort: Eine Immunerkrankung der Schilddrüse, die zehn Mal häufiger bei Frauen als bei Männern auftritt – oft zwischen 25 und 45 Jahren. Das Immunsystem bildet Antikörper gegen die Schilddrüse. Diese Erkrankung lässt sich aber auch medikamentös behandeln.

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