Volkskrankheit Nr. 1: Was tun bei Kopfschmerzen?

11 Fragen an den Experten und wertvolle SOS-Tipps

Das kennt wirklich jeder: Kopfschmerzen, den dumpf-ziehenden Schmerz in der Stirn, im Nacken oder auch an den Schläfen. Nach Angaben der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) leiden 70 Prozent der Deutschen manchmal oder sogar an mindestens 15 Tagen im Monat an Kopfweh. Dabei handelt es sich zu 90 Prozent um Migräne oder Spannungskopfschmerz. Wir sprachen mit dem Neurologen und Schmerztherapeuten Dr. Andreas Böger über Vorbeugung und Therapie.

Kopfschmerzen gehören für viele Menschen mittlerweile zum Alltag. Das muss aber nicht sein. Unser Experte Dr. Andreas Böger klärt auf:

Wie entstehen Kopfschmerzen überhaupt?

„Die moderne Vorstellung von uns Experten ist, dass es zu einer Entzündungsreaktion der Gefäße der Hirnhäute kommt. Dabei werden Entzündungs- und Schmerz-Botenstoffe freigesetzt, zum Beispiel Calcitonin Gene-Related Peptide, kurz CGRP. Diese Botenstoffe übertragen Signale von einer Nervenzelle an eine andere und können nach neuesten Erkenntnissen Migräne auslösen.“

Werden Kopfschmerzen unterschätzt?

„Ja, denn die Betroffenen werden oft nicht ernst genommen, weil man ihnen ihre Schmerzen nicht ansieht. Es handelt sich dabei aber um ein Problem von wirklich erheblicher Wichtigkeit.“

Kann denn auch Stress Kopfweh auslösen?

„Ja. Deswegen sind Stressmanagement und Entspannung sehr wichtig und ein Teil der Therapie.“

Warum leiden immer mehr Kinder und Jugendliche?

„Sie sind nicht mehr so oft draußen, sie bewegen sich viel weniger als noch vor zehn, 20 Jahren, und sie haben obendrein ein hohes Medienkonsumverhalten – das Starren auf einen Bildschirm kann Kopfschmerzen auslösen. Dazu kommt noch der so genannte Handy-Nacken. Die häufige Nutzung des Smartphones wirkt sich negativ auf die Halswirbelsäule aus, kann Kopfschmerzen verursachen.“

Ist Kopfweh hauptsächlich ein Frauenleiden?

„Bei Migräne ist das Verhältnis zwei zu eins, bei den Cluster-Kopfschmerzen ist es andersherum. Grund für die überwiegend weiblichen Migräne-Patienten könnten die Sexualhormone sein.“

Gibt es Gewohnheiten, die den Schmerz fördern?

„Definitiv! Gerade mangelnde Bewegung und schlechte Ernährung fördern den Schmerz. Man sollte sich regelmäßig bewegen, täglich einen ausgedehnten Spaziergang machen oder Sport im Fitness-Studio. Zu einer guten Ernährung gehören Obst, Gemüse, Vollkornprodukte und wenig Zucker.“

Kann man Kopfschmerzen überhaupt vorbeugen?

„Das kann man, mit einer Lebensumstellung. Das bedeutet: gesund essen, ausreichend Bewegung. Es gibt natürlich auch Medikamente für Migräne-Patienten, die vorbeugend wirken und gut verträglich sind, unter anderem auch Botox.“

Soll man besser gleich eine Tablette nehmen?

„Man muss den Schmerz nicht aussitzen, und wenn es nicht zu oft vorkommt, dann kann man ruhig eine Schmerztablette nehmen. Als Faustregel gilt, dass maximal an zehn Tagen im Monat eine Akuttablette genommen werden sollte.“

Ist denn eigentlich jeder Kopfschmerz gleich?

„Es gibt 263 Kopfschmerzarten nach der International Classification of Headache diseases.“

Können die Kopfschmerzen auch ein Alarmzeichen sein? 

„Ja, man sollte zum Arzt gehen, wenn der Schmerz chronisch wird – also öfter als 15 Tage im Monat auftritt. Alarmsignale sind auch plötzlich einsetzender Schmerz, begleitende Nackensteifigkeit, Schwindel. Da können ein Schlaganfall oder eine Gehirnhautentzündung dahinterstecken, manchmal auch eine Erkrankung der Leber.“

Warum werden Kopfschmerzen chronisch?

„Kopfschmerzen können zum Beispiel durch einen übermäßigen Medikamentengebrauch chronisch werden. In diesem Fall kann der Spezialist am besten helfen.“

SOS-Tipps

Bei den ersten Anzeichen von Spannungskopfschmerzen probieren Sie mal das aus...

Magnesium

Ein Magnesiummangel macht sich durch häufige Muskelkrämpfe, aber eben auch oft durch Kopfschmerzen bemerkbar. Der Mineralstoff ist unter anderem enthalten in Kakao, Erdnüssen, Vollkornbrot und Haferflocken. Kalzium, etwa aus Milch, hemmt seine Aufnahme. Einfacher: man nimmt Magnesium aus der Drogerie oder Apotheke ein.

Koffein

Koffein blockiert die Bildung von Prostaglandinen. Diese Stoffe sind an der Entstehung von Migräne und Kopfschmerzen beteiligt.

Pfefferminzöl

Minze hindert den Körper daran, Schmerzsignale an das zentrale Nervensystem zu senden. Das Öl sanft in die Schläfen massieren. Frische Luft Fenster auf und tief durchatmen: Sauerstoff regt die Durchblutung an, die Adern weiten sich – die Schmerzen verschwinden.

Vanille

Das Gewürz enthält Eugenol. Das ist ein ätherisches Öl – es macht verstopfte Blutgefäße wieder frei. und: Es lindert Schmerzen. Zimt Einen Teelöffel Zimt mit einem Teelöffel Wasser mischen und auf die Stirn geben. Das kurbelt die Durchblutung an.

Aufs Sofa

Ruhe ist manchmal die beste Medizin: für ein halbes Stündchen aufs Sofa legen und entspannen.