Schulterschmerzen: Beschwerden durch Sport sollten ernst genommen werden

Sportlern, die regelmäßig intensiv trainieren, sind schmerzende Muskeln und Gelenke nicht fremd. Nicht immer sind überlastete und deshalb verhärtete Muskelpartien die Ursache. Handelt es sich um Beschwerden, die kommen und gehen, neigen viele Sportler dazu, die Schmerzen und ihre Ursache nicht ärztlich abklären zu lassen. Das kann allerdings gefährlich werden, denn wiederkehrende Schmerzen haben meist eine Ursache, die unbehandelt langfristig zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen kann. Je nach Art und Ausprägung des Schmerzes können sogar Schädigungen zugrunde liegen, die das Aus für die sportliche Laufbahn bedeuten können. 

Die Schulter gehört zu den Bereichen, an denen durch sportliche Belastung besonders häufig Beschwerden auftreten. Häufig wiederkehrende oder sogar chronische Schulterschmerzen sind ein Warnsignal und sollten ernst genommen werden. 

Die Schulter als Dreh- und Angelpunkt unserer Beweglichkeit

Das Schultergelenk erfüllt eine wichtige Funktion im menschlichen Bewegungsapparat. Sie ist dafür verantwortlich, dass die Arme gehoben und gesenkt und um das Schultergelenk herum gedreht werden können. Tätigkeiten über Kopf wären ohne ein gesundes Schultergelenk nicht möglich. Entsprechend komplex ist der strukturelle Aufbau der Schulter:

„Die Schulter wird von verschiedenen Knochen gebildet. Am Aufbau sind der Oberarmknochen (Humerus), das Schulterblatt (Scapula) und das Schlüsselbein (Clavicula) beteiligt. Diese Knochen bilden auch die Verschiedenen Gelenke der Schulter.

  1. Das Gleno-Humeral-Gelenk: Es ist das Gelenk zwichen Oberarmkopf und der Gelenkpfanne des Schulterblattes auch Glenoid genannt.
  2. Das Acromio-Claviclar-Gelenk: Das Schultereckgelenk, das von Schulterdach (Acromion) und Schlüsselbein (Clavicula) gebildet wird.
  3. Das Sterno-Clavicular-Gelenk: Das Gelenk zwischen Schlüsselbein und Brustbein (Sternum).
  4. Die Scapulo-Thorakale Gleitfläche: Ein nicht sofort zu erkennendes Gelenk zwischen dem Schulterblatt und der Rückseite des Brustkorbes (Thorax).“

Die Pfanne ist sehr klein im Vergleich zum Oberarmkopf. Dieser steht nur seitlich an der Gelenkpfanne und wird von dieser nicht umschlossen. Das heißt, wir haben keinerlei knöcherne Führung des Gelenkes.
(Quelle: Orthopädie und Sportmedizin im Saarlouis Medical Center Dr. Holger Groß)

Der Aufbau der Schulter ist nicht nur komplex, sondern im Verhältnis zu anderen Gelenken auch anfällig für Schädigungen und funktionale Störungen. Die Belastung im Sport ist eine häufige Ursache für Beschwerden im Bereich des Schultergelenks. 

Sportarten, die Schulterprobleme begünstigen können

Jede Sportart belastet den Körper auf unterschiedliche Weise. Es gibt Sportarten, bei denen weite Teile des Körpers auf sanfte Art belastet werden, wie zum Beispiel Schwimmen oder Nordic Walking. Andere Sportarten sind mit einer einseitigen Belastung einzelner Muskelpartien und Gelenke verbunden. In der Sportmedizin sind verschiedene Sportarten bekannt, die aufgrund ihrer Bewegungsabläufe und ihrer Belastung besonders häufig zu Schulterschmerzen führen:

1.    Sportarten, deren Hauptbelastung bei Überkopfbewegungen entsteht
Bei Bewegungen, die über Kopf ausgeführt werden, wird das Schultergelenk besonders stark beansprucht. Kommt dann noch eine immer wiederkehrende starke Belastung in dieser Haltung hinzu, kann das Schultergelenk überlastet werden und mit Schmerzen reagieren. 

Tennis ist die Sportart, bei der die Schulter besonders stark über Kopf belastet wird. In einem einzelnen Tennismatch ist die Schulter ungefähr 250-mal extremen Belastungen ausgesetzt. Bei den typischen Schlagbewegungen von oben werden die Gelenkkapsel und die sie umgebenden Bänder überdehnt. Auf Dauer schwächt das die Gesamtstruktur und die Schulter kann nicht mehr ausreichend stabilisiert werden. 

Sportarten, bei denen die Schulter große Beschleunigung leisten muss
Ebenso belastend für die Struktur der Schulter sind Sportarten, bei denen die Schulter einen hohen Impuls erzeugen muss. Das gilt besonders für Ballsportarten wie Basketball oder Handball. Der Ball muss mit großer Beschleunigung nach vorne oder nach oben geworfen werden, was bei jedem Wurf mit einer starken Dehnung der Schulter einhergeht. 

Kommt es sehr häufig zu dieser Überlastung, ohne dass die Struktur aus Muskeln und Bändern ausreichend Zeit hat, um sich zu regenerieren, kann es zu einer Überlastung kommen und damit zu einer Instabilität der Schulter. 

2.    Spezielle Schwimmstile
Grundsätzlich ist Schwimmen eine sehr gelenkschonende Sportart, weil die Gelenke im Wasser deutlich weniger vom eigenen Körpergewicht belastet werden. Es gibt allerdings Schwimmstile, die aufgrund ihrer besonderen Bewegungsabläufe die Schulter stark belasten. 

Vor allem im Freistilschwimmen und beim Schmetterlingsstil wird die Schulter bei jedem Schwimmzug überdehnt, um die maximale Reichweite des Armstoßes auszuschöpfen. Dabei wird auch die Brustmuskulatur stark beansprucht, die zum Stützapparat des Schultergelenkes gehört. Werden diese besonderen Schwimmstile häufig praktiziert, kann es zu einer starken Abnutzung der Schulter kommen. Ein erhöhtes Verletzungsrisiko ist die Folge. 

3.    Krafttraining und Bodybuilding
Beim Kraftraining und Bodybuilding geht es darum, Muskulatur aufzubauen, indem große Gewichte bewegt werden. Die Schulter ist für diese Form der Belastung nicht ausgelegt. Beim Gewichtheben wird die Belastung außerdem in einem für die Struktur der Schulter sehr ungünstigen Winkel ausgeübt. Schmerzen im Schulterbereich sind eine häufige Folge. Diese Beschwerden sollten von Anfang an ernst genommen werden. 

Muskuläre Dysbalance kann langfristige Schäden hervorrufen 

Treten während des Sports oder in Trainingspausen Schmerzen im Schulterbereich auf, sollten sie von Anfang an ernst genommen werden. Häufig ist eine muskuläre Dysbalance die Ursache, die unbehandelt zu chronischen Funktionsstörungen des Schultergelenks führen kann. 

Eine muskuläre Dysbalance entsteht durch einseitige Belastung. Vor allem beim Sport wird der Deltamuskel an der Oberseite der Schulter und die Brustmuskulatur im vorderen Stützapparat stärker beansprucht und ist deshalb besser trainiert. Die schwächeren Muskelpartien, die so genannten Außenrotatoren der Rotatorenmanschette, die sich an der Schulterrückseite befinden, werden weniger gefordert und bauen immer weiter ab. 

Die Folge ist eine Instabilität in der Struktur aus Muskeln du Bändern, die die Schulter bei ihrer Tätigkeit unterstützen. Eine typische Erkrankung, die daraus resultieren kann, ist das so genannte Impingementsyndrom, das vielen Sportlern gut bekannt ist. Dabei werden die weichen Bestandteile der Schulter, Muskeln, Sehnen und Bänder, bei vielen Bewegungsabläufen in der Knochenstruktur des Schultergelenks eingeklemmt. Starke Schmerzen beim Anheben der Arme sind ein klassisches Symptom. Es kann zu einer chronischen und sehr schmerzhaften Abnutzung der weichen Strukturen in der Schulter kommen, die in schweren Fällen zu gravierenden Bewegungseinschränkungen führen. 

Eine Überlastung oder falsche Belastung von Muskeln und Gelenken ist grundsätzlich von Schmerzen und Beschwerden begleitet. Wer langfristige Folgen vermeiden möchte, sollte deshalb jegliche Form von Beschwerden während und nach dem Sport von Anfang an ernst nehmen und der Ursache mit ärztlicher Unterstützung auf den Grund gehen. So können Bewegungsabläufe und Belastungsmodalitäten angepasst und schwerwiegende gesundheitliche Folgen vermieden werden.