125 Jahre Kneipp: Warum sein Naturheilverfahren nie aus der Mode kommt

Die Natur-Medizin gehört jetzt zum Weltkulturerbe

Es klingt fast wie ein Wunder: Als der junge Theologe Sebastian Kneipp an Tuberkulose erkrankte, badete er mehrfach kurz in der eiskalten Donau – und wurde wieder gesund. Der Grundstein für das nach dem Pfarrer benannte Heilverfahren war gelegt.

Natürlich durch und durch

Wenn es für mich ein Heilmittel gibt, so wird es das Wasser sein,

war Sebastian Kneipp schon damals überzeugt. Beharrlich verfeinerte er seine Kur, half damit unzähligen Patienten. Und belehrte manchen Mediziner, der ihn als Kurpfuscher bezeichnete.

Kneipp: Noch heute aktuell

Die Wirkung des Kneippens ist längst bewiesen, die Methode aktueller als je zuvor. Denn eine Kneipp-Kur wirkt ganzheitlich, bringt Körper, Geist und Seele in Einklang. Bei vielen Leiden, etwa Venenproblemen, hohem Blutdruck, Arthrose, Rheuma, Migräne oder Allergien erzielt man damit erstaunliche Erfolge.

Wasser ist als Heilmittel wieder populär,

sagt Christiane-Maria Rapp, Leiterin des Kneippianums und des Sebastianeums in Bad Wörishofen im Allgäu.

Über 130 Anwendungen stehen zur Wahl

Vor 120, bzw. 125 Jahren hat der Pfarrer beide Einrichtungen selbst gegründet, in diesem Jahr feiern sie stolze Jubiläen. Bis heute wird man dort und in vielen anderen Kneipp-Einrichtungen nach den fünf Säulen behandelt, die Pfarrer Kneipp selbst entwickelt hat: Über 130 Wasser-Anwendungen gibt es, vom Blitzguss bis zum feuchten Wickel. Bei der Bewegungstherapie werden vor allem Laufen, Schwimmen und lange Spaziergänge verordnet. Bei der Ernährung steht maßvolles Essen bis hin zum Heilfasten im Vordergrund. Heilpflanzen wie Melisse, Thymian und Kamille spielen als Zusätze zu den Bädern eine Rolle, aber auch in Kräutertees. Die Säule Lebensordnung schließlich soll zu Rücksicht auf die innere Uhr und genügend Ruhepausen erziehen.

Kneippen hilft auch bei Stress und Burnout

Vielleicht ist dieser Punkt in unserer Zeit voller Stress und Hektik der wichtigste. „Kaum ein Umstand kann schädlicher auf die Gesundheit wirken als die Lebensweise unserer Tage“, sagte Pfarrer Kneipp schon damals und mahnte: „Es muss ein Ausgleich gefunden werden.“

Gut zu wissen: Vom Arzt verordnete Anwendungen werden von den Krankenkassen bezahlt.