Geistig fit im Alter: Training fürs Gehirn

Wie wir unsere grauen Zellen auf Trab halten

Die Intelligenz ist ein komplexes Unterfangen. Es gibt den Intelligenzquotienten, die emotionale Intelligenz, die kristalline und fluide Intelligenz. Könnten Sie den jeweiligen Unterschied definieren? Und stimmt der Mythos der Altersweisheit? Werden Sie also tatsächlich mit zunehmendem Alter klüger? Hier finden Sie die Antworten auf die wichtigsten Fragen sowie Tipps, um Ihre grauen Zellen (nicht nur) mit steigendem Lebensalter auf Trab zu halten.

Was sind „graue Zellen“ und was haben sie mit Stress zu tun?

Der Begriff der grauen Zellen ist übrigens wörtlich zu nehmen. Bezeichnet wird damit nämlich die sogenannte „graue Substanz“ beziehungsweise „graue Materie“ im Gehirn. Dieses besteht aus dem Hirnstamm, dem Klein-, Zwischen- und Großhirn mit jeweils unterschiedlichen Funktionalitäten. Der Hirnstamm wiederum verfügt – vereinfacht ausgedrückt – über sowohl weiße als auch graue Substanz. Letztere ist im lebendigen Zustand allerdings nicht grau, sondern leicht rosa gefärbt. Im toten Zustand und damit beispielsweise bei Obduktionen kann sie aber an ihrer grauen Farbe erkannt werden und hat dadurch ihren Namen erhalten. Nun wissen Sie also, woher die Redewendungen „graues Kügelchen“ oder „graue Zellen“ kommen. Und genau hier, in der grauen Substanz, sitzt das zentrale Nervensystem und damit auch die Eigenschaft eines Menschen, welche gemeinhin als Intelligenz betitelt werden. Demnach hängt die Intelligenz einer Person unmittelbar mit dem Zustand der grauen Zellen im Gehirn zusammen – was allerdings nicht bedeutet, die weiße Hirnmasse sei unwichtig. Während in den grauen Zellen vor allem die mentalen Verrechnungsprozesse stattfinden und das Gedächtnis sitzt, ist die weiße Substanz beispielsweise für die Vernetzung der Hirnareale untereinander zuständig, wie sie für das Lernen im Allgemeinen oder auch das Klavierspielen benötigt wird. 

Doch um zu den grauen Zellen zurückzukommen: Ihr Zustand ist auch, aber längst nicht nur, vom Alter einer Person abhängig. Stattdessen konnte in einer Studie an der Yale University nachgewiesen werden, dass anhaltender Stress die graue Materie in den für die Intelligenz zuständigen Gehirnregionen schrumpfen lässt. Das gilt sowohl für negativen als auch für positiven Stress. Das führt tatsächlich zu einem Intelligenzverlust bis hin zu psychischen oder auch physischen Beschwerden – da die für die physiologischen Funktionen zuständigen Regionen ebenfalls betroffen sind – oder chronischen Erkrankungen. Doch keine Sorge: So weit kommt es nur, wenn der Stress über lange Zeit auf einem hohen Level anhält. Die gute Nachricht lautet zudem: Die graue Masse kann sich auch regenerieren und dadurch neue graue Substanz aufbauen. Ein bewährtes Mittel hierfür ist zum Beispiel regelmäßige Meditation. Es ist also durchaus möglich, seine Intelligenz aktiv zu beeinflussen – durch die Reduktion von Stress in Kombination mit ausreichend Entspannungszeiträumen. Aber gilt das auch für das Alter?

Definition: Intelligenz kann „kristallin“ oder „fluid“ sein

Das menschliche Gehirn ist sehr komplex. Foto: fotolia – Siarhei

Zu Beantwortung dieser Frage lohnt sich ein zweiter Blick in die Biologie: Hier wird zwischen der kristallinen und der fluiden Intelligenz unterschieden. Bei der kristallinen Intelligenz handelt es sich laut Intelligenztheorie um alle Informationen sowie Fähigkeiten, welche ein Mensch im Laufe seines Lebens erwirbt. Dazu gehört zum Beispiel das in der Schule erworbene Wissen ebenso wie Lebenserfahrungen im Allgemeinen. Die kristalline Intelligenz wird deshalb umgangssprachlich auch als Altersweisheit betitelt und nimmt tatsächlich im Laufe des Lebens stetig zu. Sie wirkt sich in erster Linie auf die finanziellen sowie sozialen Erfolge eines Menschen aus und differiert je nach Kultur. Sie umfasst daher auch die häufig erwähnte emotionale Intelligenz eines Menschen. Die fluide Intelligenz hingegen ist der angeborene Intelligenzquotient (IQ) und damit das, was im gesellschaftlichen Kontext häufig als Intelligenz definiert wird. 

Fluide Intelligenz bezeichnet demnach in den Genen verankerte und damit angeborene Fähigkeiten wie jene zur Problemlösung, Flexibilität, Kreativität, zum Ideenreichtum oder die Verarbeitungsgeschwindigkeit neuer Informationen. Letzterer Punkt macht direkt deutlich: Bei Kindern ist die fluide Intelligenz zumeist noch stärker ausgeprägt, deshalb lernen sie neue Dinge deutlich schneller als beispielsweise ihre Großeltern. Tatsächlich ist die fluide Intelligenz bereits ab etwa dem 25. Lebensjahr rückläufig, die kristalline hingegen erst ab durchschnittlich dem 65. – beispielsweise im Rahmen einer Demenzerkrankung. Auf der einen Seite sind die fluide und die kristalline Intelligenz als Gegenspieler, auf der anderen Seite aber auch untrennbar miteinander verbunden: Die fluide Intelligenz gilt als Grundlage für den Aufbau der kristallinen Intelligenz, denn sie stellt die Voraussetzung dar, dass ein Mensch überhaupt lernen und damit eine kristalline Intelligenz entwickeln kann. Wer also bis ins hohe Alter geistig fit bleiben möchte, sollte bereits frühzeitig seine fluide Intelligenz trainieren und dadurch auch seine Altersweisheit erhöhen. Es ist nämlich durchaus möglich, den Abbau der fluiden Intelligenz im Gehirn zu verlangsamen oder sogar zeitweise vollständig aufzuhalten. 

Tipps & Tricks: So können Sie Ihr Gehirn (im Alter) trainieren

Es ist ein Thema, das also nicht nur ältere Personen angeht: Sein Gehirn im Sinne der fluiden Intelligenz gezielt zu trainieren ist sinnvoll. Das hält nicht nur bis ins hohe Alter geistig fit, sondern macht auch schlichtweg Spaß und kann Ihnen helfen, das Beste aus sich herauszuholen – und damit beispielsweise auch aus Ihrer Karriere. Dabei sollten die grauen Zellen nicht nur auf eine, sondern auf verschiedene Weisen trainiert werden: das Gedächtnis zum Beispiel, die Auffassungsgabe sowie die Schnelligkeit der Informationsverarbeitung. Aber wie?

Ob Sport, digitale Spiele oder Ernährung: Die geistige Fitness wird durch viele Faktoren beeinflusst. fotolia – Photographee.eu

  • Apps: Senioren haben oft noch wenig Erfahrung mit digitalen Anwendungen oder Spielen. Viele verbinden damit typische Unterhaltungsspiele, bei denen jüngere Generationen Stunden vor der Konsole verbringen. Dabei haben sich diese im Laufe der Zeit stark verändert. Heute existieren neben den vielen Unterhaltungsspielen zahlreiche Apps, die gezielt auf das geistige Training abzielen. Sie werden als Gehirnjogging bezeichnet und können sowohl online als auch via App direkt auf dem Smartphone gespielt werden. In der Regel arbeiten Sie sich Level für Level nach oben, was die Motivation auf einem hohen Niveau hält und Ihnen direkt Ihre Fortschritte vor Augen führt. Für viele ältere Menschen ist es zudem bereits Training an sich, sich mit der digitalen Technik auseinanderzusetzen und dadurch etwas Neues zu lernen. 
     
  • Neues lernen: Dieser ist nämlich ebenfalls ein wichtiger Tipp, um die grauen Zellen auf Trab zu halten. Lernen Sie so oft es geht etwas Neues, sei es eine Sprache, eine Sportart oder Sie nehmen noch einmal ein Studium auf, welches Sie schon immer interessiert hat. Wieso auch nicht?! Sie kennen gewiss das Sprichwort: Wer rastet, der rostet. 
     
  • Ernährung: Auch der körperliche Gesundheitszustand entscheidet zu großen Teilen über die geistige Fitness eines Menschen. Dazu gehört beispielsweise die bereits erwähnte Reduktion von Stress, jedoch auch die Ernährung. Nachgewiesen ist, dass Gewürze wie Rosmarin, Oregano oder Zimt Demenz entgegenwirken können, die Konzentration steigern und die Erinnerungsfähigkeit erhöhen. Sellerie fördert zudem die Bildung neuer Gehirnzellen und Knoblauch verbessert die Gehirndurchblutung – aber bitte nicht übertreiben!
     
  • Sport: Ebenfalls Einfluss auf den körperlichen Gesundheitszustand hat natürlich neben der Ernährung auch Sport. Bleiben Sie so lange wie möglich so viel wie möglich in Bewegung. Beginnen Sie vielleicht noch einmal die eine oder andere neue Sportart und legen Sie machbare Strecken zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurück. Auch Yoga eignet sich bestens, um nicht nur Ihre grauen Zellen in Schwung zu bringen, sondern Ihre gesamte Fitness zu verbessern. 
     
  • Soziale Kontakte: Wichtig ist auch im Alter der Austausch mit anderen Menschen. Viele Senioren vereinsamen zunehmend und beschleunigen dadurch die Abbauprozesse im Gehirn. Gehen Sie wieder unter Leute, seien es Freunde beim Sport, Nachbarn, die Familie oder Sie verbringen Zeit mit Ihren Enkelkindern. 
     
  • Spaß: Letztere können Ihnen gewiss noch viel beibringen, denn von kaum jemandem können Sie so viel über Neugierde, Lernbereitschaft und Spaß erlernen wie von Kindern. Lassen Sie sich also auf Ihre Enkel ein, spielen Sie mit ihnen und fordern Sie sich selbst heraus. Putzen Sie einfach heute Abend mit der anderen Hand die Zähne, lesen Sie die Zeitung rückwärts und gehen Sie mit offenen Augen durch die Welt. Werden Sie (wieder) kreativ und neugierig. So können Sie spielerisch Neues lernen und mit Spaß geistig fit bleiben!