Mit Yoga die Leidenschaft erwecken

Die richtigen Yogaübungen haben eine große Wirkung auf das Liebesleben

31. Oktober 2016

Sinnliche Zweisamkeit, romantische Stunden und heißer Sex: Yoga kann die Leidenschaft entfesseln – nicht nur im eigenen Körper. Katharina Goßmann erklärt, wie die alte indische Kunst unsere Liebesfähigkeit verbessert. Lassen Sie sich fallen!

Yoga und zwischenmenschliche Leidenschaft: Bei diesem Thema gehen die Meinungen auseinander. Die einen meinen, dass fleischliche Belange beim Yoga nichts zu suchen haben. Denn traditionell geht es dabei um spirituelle Entwicklung mit dem Ziel der Erleuchtung. Also um die Befreiung von allen irdischen Belangen. Und damit definitiv nicht um das irdischste aller Verlangen. Anderen kann es beim Yoga gar nicht sinnlich genug sein. Heutzutage haben viele flexible Schönheiten in engen Lycra-Outfits vor Augen, die ihren knackigen Körper bei akrobatischen Verrenkungen präsentieren – und damit nicht nur Neid erregen.

Die Wahrheit liegt wie so oft irgendwo in der Mitte. Die meisten Yogis sind weder Mönche noch Models und gehen zu ihrem Kurs, weil Yoga ihnen einfach gut tut. Denn die Jahrhunderte alten, subtilen Übungen haben bei regelmäßiger Anwendung eine ungeheure Wirkung, auch auf unser Liebesleben.

Stress adé

Es gibt kaum einen schlimmeren Lust-Killer als Stress. Abgehetzte Menschen werfen beim Abendessen dem Partner vor, dass er nicht an neue Milch gedacht hat, und kriechen dann müde ins Bett, um von den unerledigten Punkten ihrer To-Do-Liste zu träumen. Im Duell „Stress gegen Romantik“ hat letztere kaum eine Chance.
Stress entsteht aber nicht durch die Menge an Anforderungen, denen wir täglich gegenüber stehen. Vielmehr sind wir gestresst, wenn wir uns unseren Aufgaben nicht mehr gewachsen fühlen, wenn uns die Energie ausgeht, wir den Blick für das große Ganze verlieren. Wenn das Leben uns lebt.

Dann hilft Yoga! 

Es wirkt Stress auf vielfältige Art entgegen: Die speziellen Körperhaltungen bauen Spannungen ab. Die tiefe Atmung beruhigt, indem sie den Parasympathikus des Nervensystems aktiviert. Die Meditationen und das Bemühen um den Einklang von Bewegung und Atem verhelfen dem gestressten Geist zu einer Pause und bringen das Gedankenkarussell (vorübergehend) zum Stillstand. Wer sich nach einer Yoga-Stunde aus einer wunderschönen Schlussentspannung hoch räkelt, der sieht wieder klar, fühlt sich stark und wohl in seinem Körper. Und plötzlich stehen die Chancen auf einen romantischen Abend gar nicht mehr so schlecht.

Schmerzfrei und fit

Zwar ist Sex keine Turnübung. Wenn aber Nacken und Schultern dauerverspannt sind, der Rücken schmerzt oder die Hüfte bei der kleinsten Bewegung knackt, fördert das nicht gerade die Freude an der Zweisamkeit. Ein schmerzfreier, fitter Körper ebnet also durchaus den Weg für leidenschaftliche Liebe – auch wenn er keine Voraussetzung dafür ist.
Regelmäßiges Yoga verbessert nicht nur die allgemeine Fitness, baut Muskeln auf und erhöht die Beweglichkeit. Es lindert auch effektiv Verspannungen und Rückenschmerzen.
Ein fitter Körper erhöht die Chance auf sinnliche Stunden zu zweit – ganz ohne Schmerzensschreie und Erholungspausen …

Neue Haltung, frische Energie

Wir alle freuen uns, wenn der Blick in den Spiegel einen gesunden, entspannten Menschen voller Energie zeigt. Wer anfängt, regelmäßig Yoga zu üben, wird sich schnell über äußerliche Veränderungen freuen. Denn Yoga sorgt nicht nur für eine verbesserte Durchblutung, die eine sinnliche Röte auf die Wangen zaubert und sogar graue Haare verhindern kann. Die Übungen entgiften auch durch tiefe Atmung, spezielle Atemübungen und Haltungen. Zudem verhelfen sie zu einem aufrechten Körper und entspannten Bewegungen. Viele Yoga-Praktizierende berichten zudem, dass sie sich gesünder ernähren, seit sie Yoga machen, und dadurch abgenommen haben.

Wer aufrechter, entspannter und voller Energie durchs Leben geht und endlich die überschüssigen Pfunde los wird, fühlt sich nicht nur attraktiver. Er ist es auch.

Den Körper kennenlernen ...

Yoga ist wie ein Reiseführer für den Körper: Durch regelmäßige Übungen erkunden wir ihn Schritt für Schritt und lernen ihn im Laufe der Zeit besser kennenlernen. Sogar Menschen, die ihren Körper bisher nur als praktisches Nutzobjekt gesehen und ihm nie viel Aufmerksamkeit und Liebe geschenkt haben, werden selbst kleinste Muskeln spüren, unbewusste Verspannungen entdecken und vielleicht sogar jeden Zeh einzeln fühlen und bewegen können.
Wer sinnliche Freude erfahren will, für den ist der Körper das wichtigste Instrument. Wenn man ihn spüren kann und weiß, was er mag und was nicht, dann kann man auch das leidenschaftliche Zusammensein mit einem anderen Menschen viel mehr genießen. Und nicht nur das: Wer dem eigenen Körper gegenüber sensibel ist und dessen Signale erkennt, wird sich auch in den Körper des Partners besser einfühlen können – die ideale Voraussetzung für wunderbare Stunden in der Horizontalen.

... und akzeptieren

Yoga hat häufig einen erstaunlichen Nebeneffekt: Man beginnt, sich selbst mehr zu mögen. Vielleicht liegt es daran, dass Yoga einen ständig in Kontakt mit dem eigenen Körper bringt – an dem man eigentlich ständig etwas auszusetzen hatte. Durch Yoga wird er zu einem guten Freund. Es geht darum, sich selbst zu spüren, nicht um den Vergleich mit anderen. Yogis glauben, dass jeder Mensch perfekt ist, so wie er ist. Diese Idee sorgt nach einer Weile für mehr Selbstliebe. Menschen, die sich und ihren Körper mögen, sind auch im Bett glücklicher. Schließlich müssen sie die vermeintliche Cellulite, den zu kleinen Busen oder das Bäuchlein nicht verstecken. Müssen sich nicht schämen für ihre Bedürfnisse, ihr Verlangen und ihre Wünsche. Denn wer sich wirklich mag, wer sich so akzeptiert, wie er ist, kann sich auch in intimen Situationen entspannen und fallen lassen. Kann darauf vertrauen, dass er angenommen wird, sich öffnen und hingeben. Kann sich lieben lassen und selber Liebe geben. Das ist sicher die wichtigste Voraussetzung für wahre Leidenschaft.

In seiner wunderbaren Vielfalt spricht Yoga nicht nur den Körper an, sondern macht auch den Geist klar und öffnet das Herz. Es gibt wohl kaum eine Methode, die besser geeignet ist, die Leidenschaft für den Partner und die gemeinsame Sinnlichkeit wieder zu erwecken. Also, auf zum Yoga und danach schnell nach Hause zum Liebsten!

Unsere Autorin Katharina Goßmann ist Yogini und Redakteurin bei YogaEasy.

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