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Neue Studie: ADHS-Erkrankte viermal so häufig in Verkehrsunfälle verwickelt

Leben mit erhöhtem Risiko

30. Oktober 2020

Manche Menschen scheinen Unglück und Schwierigkeiten geradezu anzuziehen. Unfälle passieren ihnen häufiger als anderen. Neue Studien bringen in diesem Zusammenhang Folgendes zutage: Gerade bei Unfallverursachern und bei Verletzten in Notaufnahmen finden sich überproportional viele Personen, die bei näherem Hinsehen unter ADHS leiden, einem Aufmerksamkeits-Defizit Syndrom. Und es zeigt sich, wie deutlich eine entsprechende medikamentöse Therapie mit Methylphenidat (MPH) risikosenkend wirken kann.

ADHS bei Erwachsenen greift tief in das Leben ein. Eine der erfahrensten ADHS-Expertinnen, die Psychiaterin und Psychotherapeutin Dr. med. Jana Engel aus Riedstadt bei Darmstadt, betont die Tragweite: „Wir wissen inzwischen, dass ADHS-Erkrankte viermal so häufig in Verkehrsunfälle verwickelt sind, dass sie schneller, riskanter sowie wesentlich impulsiver und aggressiver fahren. Und dass auch das Risiko für Alkohol- oder Drogeneinfluss steigt.“

ADHS-Erkrankte sind drei- bis viermal stärker gefährdet, sich zu verletzen

Doch nicht nur im Straßenverkehr steigt das Unfallrisiko. Forschende der Universitätsklinik Frankfurt/M. untersuchten den Anteil ADHS-Betroffener an Patienten der Notaufnahme. Unter den Verletzten waren etwa 8% ADHS-Erkrankte, deren Unfälle sich bei Sport, im Haus oder im Straßenverkehr auf Selbstüberschätzung, Ablenkung oder auf ein „in Gedanken sein“ zurückführen ließen. Damit sind sie drei- bis viermal stärker gefährdet, als Nicht-Erkrankte. Zusätzlich befanden sich diese Patienten nicht selten zum wiederholten Mal in ärztlicher Behandlung. Viele hatten sich schon mehrfach verletzt und gehörten zu einem risikobereiten Personenkreis. Vereinfacht gesagt führen ADHS Patienten ein Leben mit erhöhtem Risiko.

Selbsttest ADHS: Bin ich gefährdet?

Fehlende Versorgung, späte Diagnose
: Das Bewusstsein für die Bedeutung dieser Krankheit wächst in der Gesellschaft und vielfach auch unter Ärzten nur langsam. Dabei liegt inzwischen sogar ein einfacher, von der WHO entwickelter Selbsttest vor, mit dessen Hilfe sich eine erste Risikoeinschätzung vornehmen lässt. Der Weg zu einem Therapeuten ist dann bei einem vorliegenden Verdacht die einzig richtige Entscheidung. Denn ADHS lässt sich durch eine Behandlung mit Methylphenidat (MPH) und einer gegebenenfalls begleitenden Psychotherapie vielfach erfolgversprechend therapieren. Dies eröffnet für die Erkrankten einen Weg, ihr Leben endlich besser in den Griff zu bekommen. „Als hätte jemand einen Vorhang beiseite gezogen“, so beschreiben viele zufriedene Patienten ihre Gefühle nach Therapiebeginn. Kein Grund also, sich mit einem Leben im Risikobereich abzufinden, zumal die Therapie auch gut für eine langfristige Behandlung geeignet ist.


Sie möchten wissen, ob Sie gefährdet sind? Zum Selbsttest geht es hier >>

Lesen Sie hierzu unser ausführliches Interview mit Dr. med. Jana Engel!