Beruf, Freizeit & Familie: Wie sieht Ihr Work-Life-Balance Konzept aus?

So finden Sie die richtige Mischung

Haben Sie ein Work-Life-Balance Konzept? Arbeiten, Kinder versorgen, Haushalt schmeißen, einkaufen, Zeit für den Partner haben – aber keine mehr für sich selbst. Zeit, in der Sie tun und lassen können, was Sie wollen? Ist bei Ihnen auch Fehlanzeige? Dann sind Sie – leider – in guter Gesellschaft. Alles unter einen Hut bringen und dabei ganz ausgeglichen sein, das ist schon eine Kunst. Aber Sie können es schaffen. Alle Infos und tolle Tipps finden Sie hier. 

Zahlen und Fakten

2016 waren es 1,2 Millionen Arbeitnehmer, die lieber weniger Zeit im Job verbringen  und ein neues Work-Life-Balance Konzept wollten. Zumindest ist durch flexiblere Arbeitszeitmodelle Land in Sicht. Die IG Metall hat gerade einen neuen Tarifvertrag abgeschlossen, nach dem die Arbeitnehmer ihre Stundenzahl selbst wählen können. Und die Gewerkschaft Verdi fordert die 28-Stunden-Woche. Doch das gilt vor allem für große Firmen, weiß unsere Expertin Julia Scharnhorst. In den kleinen und mittelständischen herrscht meist das klassische Arbeitsmodell. Hilfreich kann da die junge Generation sein, die viel mehr Wert auf Freizeit, Reisen, Urlaube statt auf Karriere legt. Darauf werden sich Arbeitgeber einstellen müssen.

Was gilt in anderen Ländern

Es lohnt ein Blick nach Dänemark, wo Überstunden verpönt sind und es ganz selbstverständlich ist, dass sogar Führungskräfte – egal, ob männlich oder weiblich – pünktlich Feierabend machen, um etwa die Kinder aus der Kita abzuholen. Hygge ist eben nicht nur ein Einrichtungsstil, sondern eine Lebenseinstellung. Und macht die Dänen zum Sieger in Sachen Work-Life-Balance Konzept. Bei uns dagegen schieben Arbeitgeber Flexibilität noch in hohem Maße auf die Mitarbeiter ab, wie unsere Expertin erläutert. Manche erwarten ständige Erreichbarkeit, sogar im Urlaub. Auch Angst vor Jobverlust oder davor, von Jüngeren verdrängt zu werden, hält viele in der Tretmühle. Wir haben für Sie Wissenswertes rund um die Work-Life-Balance zusammengestellt und Tipps, wie Sie Ihr Leben in allen Bereichen in Einklang bringen. Und wenn alles nichts nützt: Wie wäre es mit Dänemark?

Das Experten-Interview

mit Julia Scharnhorst, Psychologin mit dem Schwerpunkt psychische Gesundheit am Arbeitsplatz. Mehr erfahren Sie unter: www.health-professional-plus.de

„Man muss sich immer fragen: Wo stehe ich? Was brauche ich?“

Sie mag den Begriff Work-Life-Balance gar nicht so gern. Das klinge wie zwei Gegensätze, die man vereinbaren müsse. „Aber beides gehört doch auch zusammen, und es gibt einen fließenden Übergang“, sagt die Psychologin. Sie spricht gern von Life-Balance. Menschen möchten doch, dass ihr Leben ausgewogen ist.

Bleibt das Ausbalancieren allein am Arbeitnehmer hängen?

„Nicht nur, aber ein großer Teil davon. Es wird den Angestellten sehr viel zugeschoben, denn es gibt kaum noch Jobs, bei denen nach Stechuhr gearbeitet wird. Das erhöht den Druck auf die Arbeitnehmer. wie viel sie bereit sind, zu arbeiten. Das heißt also, man braucht heute ein sehr gutes Selbstmanagement.“

Hat die jüngere Generation eine andere Einstellung zu „Work & Life“?

„Auf jeden Fall. Die jungen Leute legen mehr Wert auf Urlaub, Freizeit und wollen flexiblere Arbeitsmodelle. Es stört sie nicht, abends oder am Wochenende zu arbeiten und dafür während des klassischen Arbeitstags mehr Freizeit zu haben. Sie sind im digitalen Zeitalter aufgewachsen, und daher ist es für sie völlig normal, jederzeit erreichbar zu sein.“

Aber die ständige Erreichbarkeit kann auch ein Problem sein?

„Genau. Sie müssen sich abgrenzen und ihre Zeit einteilen. Wenn der Chef sonntags morgens anruft, sollte ich gut überlegen, ob ich ans Telefon gehe. Dasselbe gilt beim Home-Office. Das kann nicht jeder. Wenn zum Beispiel die Freundin anruft, muss man wissen, ob man drangeht und die Arbeitszeit anhängt oder jetzt nicht abnimmt und später zurückruft.“

Wird es überall in Richtung Home-Office gehen?

„In vielen Bereichen sicherlich. Doch es gibt Berufe, die werden immer Anwesenheit brauchen. Aber die Arbeit wird flexibler, zum Beispiel müssen Schichtsysteme überdacht werden. In der Pflege etwa ist morgens viel mehr zu tun.“

Haben Sie einen ultimativen Tipp für eine gute Balance im Leben?

„Man muss wissen, was einem wichtig ist. Arbeit, Freizeit, Geld? Den Weg sollte man gehen und sich nicht von anderen beirren lassen.“

8 Tipps für die optimale Ausgewogenheit

Das Wichtigste vorweg: Es muss nicht immer alles perfekt sein – und auch Nein sagen gehört unbedingt dazu.

1. Das Wesentliche
Trennen Sie Wichtiges von Unwichtigem. Was nicht der Rede wert ist, bleibt erst mal liegen – und verschafft Ihnen wertvolle Zeit für sich oder mit anderen.

2. Stress und Erholung:
Außergewöhnlich hektische, arbeitsreiche Tage sind ganz normal. Wichtig ist, dass sie nur eine Phase bilden. Jeder braucht eine Zeit des Entspannens. Dauerstress führt zu körperlich-geistiger Erschöpfung. Wer nicht abschalten kann, wird öfter krank.

3. Ordnung muss sein: 
Tatsächlich ist es enorm hilfreich, Ordnung zu halten. Nehmen Sie sich jeden Tag ein paar Minuten, um Papiere zu sortieren oder bei der Arbeit den
Schreibtisch kurz aufzuräumen. Dadurch stehen Sie nicht irgendwann vor einem riesigen Berg.

4. Unangenehmes zuerst:
Schieben Sie die unangenehmen Dinge nicht auf – egal, ob zu Hause oder bei der Arbeit. Je länger man sie vor sich her schiebt, desto belastender setzen sie sich als Gedanken im Hinterkopf fest.

5. Ziele setzen: 
Machen Sie sich klar, was Sie wollen, und formulieren Sie diese Ziele klar und präzise. Schwammige Vorhaben sind viel schneller vergessen. Statt „Ich muss mehr Sport machen“ sollte es besser heißen: „Ich fahre ab sofort jeden Samstag eine Stunde Fahrrad.“

6. Arbeit delegieren: 
Erledigen Sie nicht immer alles selbst, weil es angeblich schneller geht oder aus der Angst heraus, andere könnten es falsch machen. Kollegen und Familienmitglieder können genauso gut mit anpacken – auch wenn sie es vielleicht erst üben müssen.

7. Nicht alles auf einmal:
Oft ist weniger wirklich mehr. Verplanen Sie nicht Ihre gesamte Zeit bis auf die Minute. Ein lockerer Zeitplan schafft Raum für Kreativität und Spontanität.

8. Reflexion ist alles: 
Ziehen Sie von Zeit zu Zeit eine Bilanz. Was mache ich gerade? Wo stehe ich? Was brauche ich? Bin ich glücklich? Wenn alles passt, ist das toll, wenn nicht, sollten Sie Ihr Leben neu aurichten.