Warum sind Männer eigentlich solche Sportfanatiker?

Wenn sich auch im bravsten Hausmann noch der Höhlenmensch zeigt

Männer und Sport. Das ist selbst in den heutigen Zeiten, in denen die Geschlechtertrennung nicht mehr ganz so streng ist, irgendwie immer noch klischeehafte Realität – ob nun von der Couch aus oder selbst aktiv, überdurchschnittlich viele Männer sind Sportfanatiker, zumindest aber Fans. Doch warum? Die Antworten sind echt urmenschlich - und wir zeigen sie. 

1. Uga, Uga, Höhlenteam gut

Der erste und vielleicht wichtigste Grund liegt in grauer Vorzeit. Damals war das urzeitliche Leben von Menschengruppen, nennen wir sie Clans, bestimmt. Ein absolut lebensnotwendiger Zustand. Denn die Welt war gefährlich. Der Mensch bzw. seine Vorfahren standen noch lange nicht so unangefochten an der Spitze der Nahrungskette, wie es heute der Fall ist. 

Ein starker Clan:

  • hatte bessere Chancen bei Jagd und Sammeln (= mehr Nahrung)
  • hatte Vorteile im Kampf (= Recht des Stärkeren)
  • konnte Lager und Clan besser bewachen (= mehr Sicherheit)
  • konnte pro Tag vielschichtigere Aufgaben erledigen (= Verbesserung der Lebensqualität)

Damals war der Mann unangefochtener Tonangeber; die Geschlechterrollen klar verteilt. Frauen waren zwar für das Überleben der Gruppe ebenso wichtig, Verteidigung und Jagd oblagen jedoch dem Mann. Und wer alleine umherstreifte, hatte die geringsten Lebenschancen – weshalb bis weit in unsere Zeit die Verbannung aus einer Familiengruppe, einer Dorfgemeinschaft auch häufig einem Todesurteil gleichkam. 

Für unsere urmenschlich-männlichen Vorfahren war Teambuilding lebensnotwendig – im Sport lebt das heute evolutionär fort. Fotocredit: Fotolia ©procy_ab

Und hier kommt der Sprung zum heutigen männlichen Sportfan. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht, funktioniert das Wirkprinzip dahinter immer noch ziemlich steinzeitmäßig. Der Mann schließt sich einem Team an, entweder als Fan einer Sportmannschaft oder gleich Teilnehmer. Dadurch hat er Gleichgesinnte um sich. Mit denen muss er zwar keine Mammuts mehr erlegen (das tun wir dann, indem wir Fußball-Torten backen), aber spätestens am nächsten Spieltag ähnelt das Verhalten, zumindest für professionelle Verhaltensforscher, noch ganz stark dem, was dereinst passierte, wenn Stamm A auf Stamm B traf: Ursprünglichstes „wir gegen die“-Denken. 

2. Der hat doch nichts drauf

Sport ist mehr als nur Fitness, es ist ein enorm wichtiges Vergleichsmedium. Auch das lässt sich wiederum mit einem Blick auf die Urgeschichte erklären. Denn Sport ist so alt wie die Menschheit. Abermals von den Steinzeitlern wird angenommen, dass dort Männer außerhalb der Jagdsaison ihre Fähigkeiten in Speerwerfen und Co. miteinander maßen. Für die damalige Gruppendynamik hatte das gleich mehrere entscheidend wichtige Punkte:

  • Die gesamte Gruppe schulte gleichzeitig ihre jagdlichen Fähigkeiten. Das sorgte dafür, dass dann, wenn diese wirklich benötigt wurden, alle auf einem gewissen Mindestniveau agierten
  • Der einzelne Mann lernte durch den sportlichen Vergleich, seine potenziellen Gegner/Konkurrenten besser einzuschätzen, teilweise auch über die Clan-Grenzen hinaus
  • Es entstand die Möglichkeit, Rangfolgen auszufechten, ohne dass es dabei zu Blutvergießen kam – ein oftmals unterschätzter, aber enorm wichtiger Schritt der Zivilisationsgründung. Bei ähnlichen Revierstreitigkeiten unter Tieren geht es nämlich immer um körperliche Gewalt.

Auch das findet sich so nahtlos im heutigen Sport wieder und sogar an prominenter Stelle. Betrachten wir beispielsweise eine der liebsten männlichen Kicker-Großveranstaltungen, die Champions League, dann geht alles davon auf einen einzelnen Mann zurück, den französischen Journalisten Gabriel Hanot. Der wollte den Engländern, die ihren Fußball-Landesmeister gerne zum Weltmeister deklarierten, zeigen, dass sie tatsächlich gegen andere europäische Spitzenteams den Kürzeren zogen. Damit ist bereits Punkt 3 der obigen Auflistung erfüllt, das unblutige Ausfechten einer Hackordnung. Und zudem auch noch Punkt 1 und 2, denn immer sorgt auch heute noch Sport für seine Teilnehmer dafür, dass sie alle auf einem gleichen Mindestniveau agieren und sich (bei der Champions League auch über die Landesgrenzen) vergleichen und anpassen müssen.

3. Wir einfühlsamen Egoschmeichler

Nicht alle, aber doch sehr viele Männer lieben es, wenn ihr eigenes Ego gestreichelt wird. Das hat weniger urzeitliche Wurzeln wie generell menschliche. Doch auch hier kommt Sport ins Spiel – sowohl wenn Mann ihn selbst ausübt, wie wenn er nur zuschaut. 

Ob man selbst siegt oder nur jemand, mit dem man sich identifiziert, ist dem Ego egal. Und bei Sport geht es immer nur ums Siegen. Fotocredit: Fotolia © Thaut Images

Wer selbst Sport treibt, bekommt durch den Wettkampf, den Sieg auf direktem Weg einen schönen Boost für sein Ego. Dabei arbeitet das gleiche Prinzip von Belohnungsstoffen im männlichen Gehirn, wie in dem der Frauen. 

Und es funktioniert auch dann, wenn man nicht selbst am Sieg beteiligt war, sondern nur seinem Team zugejubelt hat. Dahinter steckt die Fähigkeit des Menschen, sich mit anderen sehr stark zu identifizieren, sich für gemeinsame Ziele (hier den Sieg) auch dann zu begeistern, wenn man selbst gar nichts aktiv dazu beitragen kann. Wenn der Frankfurt-Fan samstags das ganze Haus zusammenbrüllt, weil „sein“ Team den Sieg errungen hat, zeigt er dieses Einfühlungsvermögen in Reinform.

4. Einfach mal „Birne aus“ 

An diesem Punkt muss der Artikel mit einem Irrglauben aufräumen: Keine Sportart ist so kompliziert, wie sie aussieht. Nehmen wir Fußball. Ja, auch die berühmt-berüchtigte Abseitsregel. Das, was man wissen muss, um dem Sport folgen zu können, ist arg wenig. Die Regeln sind tatsächlich sehr einfach. Da ist das Tor, da muss der Ball rein, dies und jenes ist verboten. Wenn man das einmal verinnerlicht hat, ist es wie mit dem Radfahren. Und bei vielen anderen Sportarten ist es noch viel einfacher. Da muss man einfach nur am weitesten werfen, am schnellsten in die Pedale treten, am höchsten springen. 

5. Schön folgenlos eskalieren

Unsere Kultur ist zivilisiert. Herumschreien empfinden wir als störend. Schweißflecken verstecken wir verschämt. Und besonders im deutschen Kulturkreis gilt es als unfein, sich in seinem eigenen Erfolg zu sonnen.

Das alles mögen zwar durchaus Errungenschaften sein. Sie sind jedoch nur eine dünne Farbschicht, die das dahinterliegende urmenschliche Verhalten nur gerade eben überdecken kann. Der Steinzeitmensch, der ein Duell gewonnen hatte, zeigte seinen Erfolg überdeutlich. Dem war es egal, ob er seinen Gegner damit demütigte. Und gegen die, die ihm den Erfolg neideten, trat er eben gleich nochmal an. Wenn diesem Vorfahren etwas nicht passte, dann sagte er das auch überdeutlich – wenn er nicht gleich handgreiflich wurde. Und dieses kleine nagende Schamgefühl? Das wurde erst im Laufe der Aufklärung so richtig ausgeprägt. 

Auftritt Sport: Nur hierbei ist es auch heute noch völlig akzeptiert, diesen zivilisierten Mantel für eine klar festgelegte Dauer abzuwerfen. Als Zuschauer darf man unflätige Worte mit einer Lautstärke in die Runde werfen, die einem im restlichen Alltag schnellstens mehrere Anzeigen einbrächten. Der siegreiche Sportler darf hemmungslos feiern – und wirklich niemanden schert es, ob er dabei gut aussieht oder wie ein schweißtriefendes Bündel. 

Auch das ist evolutionär männlich: Durch ihre „Voreinstellung“ waren und sind sie genetisch meist die größeren „Rabauken“ als Frauen. Müssen sich viel mehr am Riemen reißen, um unsere heutigen zivilisatorischen Standards einzuhalten. Schauen Sie einfach mal ihrem Mann beim nächsten Pokalendspiel zu. Da glüht auch im Gesicht des harmlosen Büroarbeiters noch das ungezügelte Feuer des Steinzeitmenschen.