Zeit zu leben Teil 4: Öfter mal ein „Nein" wagen

… und öfter mal raus aus der Nettigkeits-Falle!

Können Sie Freunden, Familie und Kollegen auch schlecht etwas abschlagen? Anderen zu helfen ist toll, klar. Aber wir sollten uns dabei keinesfalls selbst aus den Augen verlieren.

Eigentlich doch schön, so ein Leben ohne Streit, ohne Misstöne. Oder? Ist es nicht toll, wenn wir scheinbar mit allen anderen klarkommen und nirgendwo anecken? Nein, denn hinter unserem Wunsch nach dauerhafter Harmonie steckt oft auch etwas Negatives: unsere Angst vor Ablehnung und Verletzungen. Wir geben den Wünschen und Bitten anderer häufig nur deshalb nach, weil wir glauben, fremden Erwartungen gerecht werden zu müssen. Unsere eigenen Bedürfnisse bleiben dabei oft auf der Strecke. Zeit zum Umdenken!

Diskussionen als Chance erkennen
Für Albert Einstein war ein Abend, an dem sich alle völlig einig sind, ein „verlorener“ Abend. In dem Sinne, dass man zwar niemanden überzeugen muss, aber auch nichts dazulernt, sich also nicht weiterentwickelt. Schade um die Chance.

Für Abwechslung statt für Stillstand sorgen
Das Streben nach ewig anhaltender Harmonie bedeutet leider auch Passivität und Langeweile: Wir wagen keinerlei Experimente, da sie die Balance gefährden könnten. Und wir klammern uns an täglich gleiche Verhaltensweisen, ohne zu überprüfen, ob sie uns glücklich machen. Wenn wir nicht wollen, dass andere uns als bloße Ja-Sager abstempeln, müssen wir aktiv werden, ehrgeizig – und auch kritisch.

Schlechtes Gewissen nicht gewinnen lassen
Es stimmt: Jemanden zurückzuweisen, hat immer einen faden Beigeschmack. Gerade, wenn der andere enttäuscht ist, plagt uns schnell das schlechte Gewissen. Hier hilft nur: aushalten! Solange wir gut begründen, weshalb wir zu einer Bitte Nein sagen – zum Beispiel, weil wir zu wenig Zeit haben oder uns das Know-How fehlt –, wird unser Gegenüber auch Verständnis haben, dass wir dieses Mal nicht einspringen können. Umgekehrt beenden wir schließlich auch keine Freundschaften, nur weil wir mal ein „Nein“ zu hören bekommen.

Verantwortlich handeln, statt nur zu gehorchen
Ob Vorgesetzte, Lehrer oder Trainer: Auch Autoritätspersonen haben nicht immer recht – trotzdem befolgen wir manchmal sogar unsinnige Anweisungen, nur weil sie von „oben“ kommen. Damit machen wir uns klein und abhängig von den Wünschen anderer. Viel besser: Vorgaben hinterfragen, für das eigene Handeln verantwortlich bleiben – und daraus lernen.

Sich und die eigene Meinung durchsetzen
Anderen grundsätzlich zuzustimmen und alles abzunicken, was von ihnen kommt, ist praktisch: Es geht schnell und wir brauchen keine Angst vor Konflikten zu haben. Aber verschafft uns so ein Verhalten auch Respekt? Eher nicht. Deshalb sollten wir versuchen, ab sofort konsequent für das einzutreten, was uns wirklich wichtig ist. Haben wir mehr Mut zur eigenen Meinung!

Auftreten mit mehr Selbstsicherheit
Wenn wir uns klein machen und eine unsichere Körperhaltung haben, werden wir leichter von anderen ausgenutzt. Schon ein aufrechter Gang und ein erhobener Kopf sorgen hingegen dafür, dass Freunde und Kollegen ein Nein leichter akzeptieren. Natürlich kann es trotzdem auch mal passieren, dass wir mit einem selbstbewussten Auftreten schlechte Erfahrungen machen. Dann gilt: Nicht einfach zurückziehen. Denn Gestern ist nicht Heute. Geben wir uns selbst die Chance, Tag für Tag stärker, klüger und auch mutiger zu werden.

Dem anderen eine Alternative bieten
Das Gegenteil von „Ja“ muss nicht immer automatisch „Nein“ heißen. Manchmal ist auch ein Kompromiss die beste Lösung. Überlegen wir deshalb gemeinsam mit unserem Gegenüber, wie wir die Sache am besten angehen. Damit zeigen wir: „Auch wenn ich deinen konkreten Wunsch nicht genauso erfüllen kann – mir liegt es am Herzen, dass es dir gut geht und dass du mit dem Ergebnis zufrieden bist.“

Auch öfter mal zu sich selbst Nein sagen
Wenn es uns schwerfällt, anderen etwas abzuschlagen: Fangen wir doch einfach mal bei uns selbst an! Denn wenn wir uns öfter selbst ausbremsen, klappt das auch bei anderen besser. Stoppen wir zwischendurch immer mal wieder unseren Perfektionismus, etwa so: „Es wäre toll, wenn ich jetzt noch das Bad putzen würde. Aber nein! Ich hatte einen langen Tag und habe es verdient, mich jetzt auszuruhen.“ Wenn wir auf diesem Wege lernen, zu erkennen, was uns guttut und uns unsere inneren Grenzen stärker wahrnehmen, können wir diese auch leichter nach außen vertreten.

Keine Angst haben, etwas zu verpassen
Es geht nicht immer nur um einen Gefallen, den wir jemandem tun sollen. Oft lassen wir uns auch zu Terminen oder Veranstaltungen überreden, zu denen wir eigentlich keine Lust haben – aus Angst, etwas zu verpassen und nicht mehr mitreden zu können. Doch jeder von uns braucht auch mal Zeit für sich alleine, braucht Ruhe. Sonst brennen wir schnell aus. Wichtig ist deshalb, dass wir immer mal wieder in uns hineinhorchen und uns fragen, wonach uns wirklich ist. Und wenn es dann nur ein ruhiger Abend auf dem Sofa wird? Völlig in Ordnung!

Das Ich immer wieder neu wachsen lassen
Stellen wir uns einmal einen Stuhl mit vier Beinen vor. Ein Bein steht für den Job, einer für Familie und Freunde, der dritte für feste Freizeittermine und der vierte für uns selbst. Ist dieses letzte Bein genauso lang und stabil wie die anderen? Nehmen wir genauso viel Raum ein? Es ist sinnvoll, dass wir das immer wieder überprüfen – sonst kann unser Stuhl nicht mehr lange stehen. Nur wenn wir uns selbst die Möglichkeit geben, zu wachsen, haben wir auch die Kraft, anderen etwas zu geben, zu helfen und zu unterstützen. Und nein, das hat nichts mit Egoismus zu tun.

Für uns einstehen, mehr Zufriedenheit spüren
Unser Ziel für die Zukunft? Mehr Durchsetzungsvermögen. Das bedeutet nicht, sich immer im Recht zu fühlen und Interessen anderer zu ignorieren. Es heißt, die eigenen Bedürfnisse zu erkennen und anderen gegenüber begründen zu können. Es heißt auch, ausgewogene Entscheidungen zu treffen – und somit ein erfülltes Leben zu führen.

5 Strategien für mehr Eigensinn

In vielen Situationen lassen wir uns zu Dingen überreden, die wir eigentlich nicht wollen. Ab jetzt ist damit Schluss!

1 Die Verkäuferin lässt nicht locker, drängt das teure Kleid auf? Ein „aufschiebendes Nein“ („Ich muss darüber erst nachdenken“) verhindert Fehlkäufe.

2 Die Schwiegereltern haben am Sonntag zum großen Brunch eingeladen, Sie brauchen aber dringend eine Auszeit? Dann hilft Ein „Notlügen-Nein“ („Im Haushalt ist leider zu viel zu tun“).

3 Die Kollegin hat selbstgebackene Torte mitgebracht, Sie versuchen aber gerade, sich gesünder zu ernähren? Ein „lobendes Nein“ („Das sieht ja wirklich toll aus!“) lenkt von Ihrem Verzicht ab.

4 Die Freundin will sich – mal wieder – Schmuck von Ihnen ausleihen? Ein „Problem-Nein“ („Ich hänge sehr an dem Stück, fühle mich nicht wohl dabei, es aus der Hand zu geben“) schafft Verständnis.

5 Mann, Kinder, Chef – ständig will jemand was von Ihnen? Hier beugt nur ein „konkretes Nein“ („Dafür habe ich jetzt gar keine Zeit“) Widerspruch vor.
 

Das könnte Sie auch interessieren:
Zeit zu leben Teil 1: Wer wagt, gewinnt!
Zeit zu leben Teil 2: Vom Zauber des Neuanfangs
Zeit zu leben Teil 3: „Ich bin großartig!“
Zeit zu leben Teil 5: Achtsamkeit lernen
Zeit zu leben Teil 6: Vom Glücklichsein
Zeit zu leben Teil 7: Loslassen lernen
Zeit zu leben Teil 8: Das Geheimnis der Gelassenheit
Zeit zu leben Teil 9: Mehr Ich-Zeit, bitte!
Zeit zu leben Teil 10: Die Liebe stärken!
Zeit zu leben Teil 11: Werden Sie zur Optimistin!
Zeit zu leben Teil 12: 15 Sätze fürs Leben
Zeit zu leben Teil 13: Rituale erleichtern unser Leben
Zeit zu leben Teil 14: Einfach mal abschalten