Aus dem Leben: Verliebt in einen Heiratsschwindler

Doro war blind vor Liebe

Christine (40) freut sich sehr mit ihrer Freundin Doro, als die sich verliebt. Doch dann kommen durch diesen Mann viele schlimme Erinnerungen hoch. Christine hofft, dass sie ihrer Freundin noch rechtzeitig die Augen öffnen und sie vor dem Schlimmsten bewahren kann. 

Wenn sich eine liebe Freundin neu verliebt, freuen wir uns und fiebern mit. Doch was, wenn der neue Traummann sich schlagartig zum Albtraum entwickelt. Lesen Sie jetzt, wie es Christine und ihrer Freundin mit dem vermeintlichen Traummann ergangen ist:

„Doro strahlte übers ganze Gesicht und wirkt glücklicher denn je. Und schon sprudelte sie heraus, was sie so schön machte:

„Ich bin total verliebt, Christine.“

Ich freute mich riesig mit ihr. Denn Dorothee ist nicht nur meine beste Freundin, sondern eine ungewöhnlich liebenswerte Frau, klug, sanft und warmherzig. Hoffentlich wusste ihr neuer Freund sein Glück zu schätzen. Einige Wochen schien es so zu sein. Dann lud mich meine Freundin zu einem Essen zu dritt ein. „Ach, Tine“, rief sie am Telefon aufgeregt, „ich bin so gespannt, wie du Ulli findest.“ Das war ich auch.

Die Freude hält nicht lange an

Doch am Tag vor dem geplanten Essen sah ich Doro und Ulli zufällig vor dem Supermarkt. Mir blieb fast das Herz stehen. Diesen Mann kannte ich gut, allerdings als Carsten! Wir trafen uns vor einigen Jahren nach meiner Scheidung. Auch ich war damals sehr verliebt in ihn. Aber nach wenigen Wochen erwischte ich ihn, als er meine EC-Karte aus meiner Handtasche nahm. Er bestritt nicht einmal, dass er mich bestehlen wollte. Ich warf ihn damals sofort hinaus, unternahm aber weiter nichts. Denn ich schämte mich, weil ich auf einen Schwindler hereingefallen war. Nun überschlugen sich die Gedanken in meinem Kopf. Was sollte ich tun? Doro die Wahrheit sagen? Eigentlich ja, unbedingt sogar. Aber würde sie mir glauben, so verliebt, wie sie war? Auf jeden Fall sagte ich abends das Essen ab. „Mich hat ein Virus erwischt, ich kann leider nicht kommen“, schwindelte ich am Telefon. „Du Arme“, rief sie mitfühlend. „Kurier dich gründlich aus. Wir holen das Treffen bald nach!“ Ich verbrachte einen ruhelosen Abend. Was stand jetzt an? Sollte ich mich einmischen? Musste ich mich heraushalten? Nein, ich durfte Doro nicht ins Unglück laufen lassen. Aber wie schützte ich sie am besten?

Den Mistkerl auffliegen lassen

Weil mir nichts einfiel, rief ich eine mütterliche Freundin an. „Du musst es Dorothee sagen!“, bestimmte sie. „Und am besten gehst du auch zur Polizei. Wer weiß, wen der Mistkerl sonst noch alles unglücklich machen würde.“ So sah ich das auch. Aber Ulli-Carsten würde garantiert abstreiten, dass er mich damals bestehlen wollte. Und ich konnte leider nichts beweisen. Mir blieb nur, Doro durch Anspielungen hellhörig zu machen. Leider reagierte sie auf nichts, was auch nur entfernt ein negatives Licht auf ihren Freund hätte werfen können. Fragte ich zum Beispiel, ob sie schon bei ihm zu Hause gewesen sei, antwortete sie treuherzig: „Noch nicht. Er hat zurzeit seine kranke Mutter bei sich. Aber sobald es ihr besser geht, besuche ich ihn.“ Wollte ich wissen, wo Mr. Perfekt arbeitete, erklärte meine Freundin: „Er ist selbstständiger Anlageberater und viel unterwegs. Klar, dass ich ihn da nie erreichen kann.“ Ich stöhnte innerlich über so viel Arglosigkeit. Liebe macht anscheinend wirklich blind. Etwa vier Wochen vergingen, ohne dass Doro Zweifel an der Aufrichtigkeit ihres Freundes bekam – egal, was ich versuchte. Ich verging allmählich fast vor Sorge.

Nur die bittere Wahrheit konnte helfen

Deshalb ging ich eines Tages doch zur Polizei. Dort erzählte ich einer Beamtin, was ich mit Ulli-Carsten erlebt hatte und was mich wegen Doro umtrieb. Sie war so nett, mir die Computerdatei mit polizeibekannten Heiratsschwindlern und Hochstaplern zu zeigen. Tatsächlich entdeckte ich den Kerl darin. Drei Anzeigen betrogener Frauen lagen gegen ihn vor. Nun gab es kein Zurück mehr. Doro musste so schnell wie möglich die bittere Wahrheit erfahren. Zuerst glaubte sie mir kein Wort. Doch als sie auf mein Drängen hin ihre Bankunterlagen durchsah, stellte sie fest, dass ihr Sparbuch fehlte. Zunächst war sie starr vor Entsetzen. Dann schrie sie mich an, als sei ich schuld an dieser Entwicklung. Danach weinte sie herzerweichend. Und am Ende erstattete sie zu meiner grenzenlosen Erleichterung ebenfalls Anzeige gegen Ulli-Carsten. Er kommt nun hoffentlich bald hinter Gitter. Heute, über ein Jahr später, hat Doro die Enttäuschung verkraftet und begriffen, dass etwas gesundes Misstrauen auch bei der Liebe sein muss. Entsprechend klug verhält sie sich bei Norman, ihrem neuen Verehrer. Dafür bin ich dieses Mal überzeugt: Er ist der Richtige für sie. Sie wird es bestimmt bald erkennen.“