Lügen in der Beziehung: Wie viel Wahrheit verträgt die Liebe?

Zwei Frauen erzählen ihre Geschichte

Sowohl Lügen in der Beziehung als auch zu viele offene Worte können eine Partnerschaft gefährden. Reden ist Silber, Schweigen ist Gold? Doch gilt das auch für eine Liebesbeziehung? Zwei Frauen erzählen uns ihre Geschichte und regen damit zum Nachdenken an.


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Anke (43) aus Mönchengladbach glaubte schon gar nicht mehr an die Liebe, bis sie Hendrik kennenlernte:

„Er hat mir alles nur vorgespielt“

Als ich Hendrik vor sechs Jahren kennen lernte, schien sich endlich alles zum Guten zu wenden: Nach meiner Scheidung und einem erbitterten Sorgerechtsstreit um meine Tochter Mia dachte ich, ich würde mich nie mehr auf einen Mann einlassen können. Doch Hendrik nahm mich, wie ich war – und behandelte Mia wie sein eigenes Kind. Auch finanziell ging es uns beiden gut, sodass wir zusammen in ein schönes Einfamilienhaus zogen. Ich war Filialleiterin bei einer Modekette, Hendrik saß in der Chefetage einer großen Logistikfirma. Er war ein Arbeitstier, auch zu Hause ackerte er oft noch bis in die Nacht. Umso verwunderter war ich, als seine beiden Computer eines Tages von zwei Männern abgeholt wurden. ,Die spielen mir da nur neue Programme drauf‘, erklärte mir Hendrik. Ich hinterfragte das nicht weiter. 

„Morgens ging er nicht zur Arbeit, sondern angelte den ganzen Tag“

Vor zwei Jahren wollten wir unseren Gartenzaun erneuern lassen. Hendrik meinte zwar, das hätte noch Zeit, aber ich setzte mich durch. Den ersten Teil des Geldes, so besprach ich es mit dem Handwerker, würden wir ihm bar vorbeibringen. Ich hob das Geld von meinem Konto ab, Hendrik wollte es dann weitergeben. Nach drei Wochen rief mich der Handwerker an: Er hatte das Geld nie bekommen. Als ich Hendrik darauf ansprach, verlor er völlig die Fassung. Erst wurde er wütend, dann ganz kleinlaut. Und dann erfuhr ich, was mir im Nachhinein wie ein schlechter Traum vorkommt: Hendrik hatte bereits vor sechs Monaten seinen Job verloren. Er fuhr morgens also seit Monaten nicht etwa ins Büro – sondern an einen See in der Nähe, wo er den ganzen Tag angelte. Von Verwandten hatte er sich Geld geliehen. Ich war entsetzt. Und bitter enttäuscht. Er gab mir das Geld zwar zurück – aber ich habe die Beziehung beendet. Ich konnte ihm dieses Doppelleben einfach nicht verzeihen.“


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Nicole (38) und Michael (39) aus Köln haben schwere Zeiten hinter sich. Letztlich hat sie das aber sogar noch mehr zusammengerschweißt:

„Unsere Familie stand auf der Kippe“

Hätte mir jemand vor ein paar Jahren gesagt, dass wir einmal in so eine Situation kommen, hätte ich ihm nicht geglaubt“, erzählt Michael nachdenklich. Seit 16 Jahren sind er und Nicole ein Paar. Doch im Sommer vor drei Jahren kriselt es zwischen den beiden. In dieser Zeit begegnet Nicole auf einem Klassentreffen ihrer ersten großen Liebe Lars. „Und was soll ich sagen: Wir landeten bei ihm im Bett.“ Als Nicole am nächsten Morgen aus Lars’ Wohnung stürzt, plagt sie das schlechte Gewissen: „Für mich stand fest: Michael durfte niemals etwas davon erfahren. Ich wollte unsere Beziehung trotz der Schwierigkeiten nicht gefährden.“ So schweigt sie. Drei Monate später dann der Schock: „Ich war schwanger. Normalerweise hätte ich Luftsprünge gemacht – aber in diesem Fall gab es ein Problem: Das Kind konnte auch von Lars sein.“

„Nicole war schwanger – aber vielleicht war ich nicht der Vater“

Nicole verzweifelt. Drei Tage lang hält sie es aus, dann sagt sie Michael die Wahrheit. „Für mich brach an diesem Abend eine Welt zusammen“, so Michael. Am nächsten Tag zieht er aus. „Ich konnte ihre Anwesenheit einfach nicht mehr ertragen.“ Doch Nicole kämpft, schafft es nach vier Monaten, Michael von einer Paartherapie zu überzeugen. „Ich habe uns noch eine Chance gegeben. Und es hat geklappt. Heute sind wir glücklich wie nie – und unser Sohn Tim ist zum Glück auch wirklich mein Kind“, strahlt Michael. „Dennoch hat Nicoles Geständnis fast unsere Liebe zerstört.“