Mein Leben mit der Depression: Frauke über ihren langen Leidensweg

So kämpfte sich die junge Frau zurück ins Leben

Vor fünf Jahren beginnt Fraukes Welt, langsam immer dunkler zu werden und sie beginnt sich zu fragen: Wie erkennt man eine Depression? Monate später erhält sie die schockierende Diagnose Depression. Lesen Sie hier ihre bewegende Geschichte über den Weg aus der Krise. Zudem informieren wir Sie über Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten bei einer Depression. 

Die ersten Anzeichen

Wenn ich heute beim Spaziergang im Wald eine Blume entdecke, mich die Sonnenstrahlen im Gesicht kitzeln oder ich meiner Hündin Roxy beim Spielen zuschaue, macht mich das glücklich“, erzählt Frauke (34). Vor knapp fünf Jahren war das für sie undenkbar. „Ich sah damals keinen Grund zur Freude oder zum Lachen. Es gab nichts Lebenswertes mehr um mich herum.“ Als dieser Zustand nicht aufhört, geht Frauke zum Hausarzt und fragt ihn: Wie erkennt man eine Despression? „Nach einem kurzen Gespräch diagnostizierte er mir ein Burnout und schrieb mich eine Woche krank.“

„Der Arzt hörte kaum zu, schrieb mich krank und ließ mich allein“

Doch nun fängt ihr Körper an, zu rebellieren. „Ich hatte ständig Infekte, Magen-Darm-Beschwerden, Fieber und Schlafstörungen.“ Fraukes große Hoffnung: der anstehende Urlaub mit einer Freundin. „Da konnte es ja nur besser werden, dachte ich. Doch es wurde schlimmer. Mich plagten in diesen zwei Wochen sogar Suizidgedanken“, erinnert sie sich. Nach ihrer Rückkehr ist sie nicht in der Lage, zu arbeiten. „Also ging ich wieder zum Arzt. Der verzog keine Miene – und verschrieb mir Antidepressiva. Mit dem Rezept und einer Krankschreibung für zwei Wochen verließ ich die Praxis.“ Zu Hause liest sie den Beipackzettel der Medikamente. „Da stand, dass sich mit der Einnahme Suizidgedanken verschlimmern könnten. Da bekam ich es mit der Angst zu tun.“

Der Weg zum Therapeuten

Frauke sucht den Arzt noch ein weiteres Mal auf und vereinbart mit ihm, sich zusätzlich zur Medikamenteneinnahme einen Psychotherapeuten zu suchen. „Ich rief bei 20 bis 30 Therapeuten an – die meisten hatten Wartezeiten von mindestens sechs Monaten“, so die Dortmunderin. Über die Kassenärztliche Vereinigung bekommt sie eine Liste mit Therapeuten mit einer kürzeren Wartezeit. Sie kriegt nach vier Wochen endlich einen Termin. Hier beginnt Frauke eine tiefenpsychologische Psychotherapie. „Die Behandlung und auch die Medikamente halfen mir, aus dem Tief herauszukommen. Doch nach einigen Monaten merkte ich: Die Therapie brachte mich nicht dauerhaft weiter.“ 

„Heute traue ich mich, anderen zu sagen, wenn mir etwas zu viel wird“

So wechselt Frauke zu einer anderen Therapeutin und fängt eine Verhaltenstherapie an. „Hier habe ich vor allem gelernt, dass ich in meinem Leben endlich Grenzen setzen muss – sowohl beruflich als auch privat. „Heute kann ich anderen Menschen direkt sagen, wenn mir etwas zu viel wird – auch wenn das manchmal unangenehm sein kann.“

Raus aus der Krise

Seit vier Jahren schreibt Frauke nun auch über ihr Leben und ihre Erkrankung. „Das Aufschreiben meiner Gedanken hat mir auch noch einmal geholfen.“ Vor eineinhalb Jahren hat Frauke die Therapie erfolgreich beendet. „Heute geht es mir gut. Doch ich habe verstanden, dass Depressionen eine chronische Krankheit sind. Es wird also immer wieder Tiefs geben – aber ich weiß jetzt, wie ich damit umgehen kann.“

Tipps und Infos zum Thema

„Depressionen sind eine Volkskrankheit“

Eine aktuelle Befragung der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und der Deutsche Bahn Stiftung zeigt, wie wenig wir Deutschen immer noch über Depressionen wissen. Und das, obwohl mehr als vier Millionen Deutsche betroffen sind. Hier die wichtigsten Irrtümer über die Erkrankung:

Das Vorurteil: Ein Fünftel der Befragten denkt, dass Schokolade gegen Depressionen hilft.
Die Wahrheit: Süßes tröstet kurzzeitig bei schlechter Laune, doch Depressionen sind eine Krankheit.

Das Vorurteil: 96 Prozent glauben, dass Depressionen immer durch Schicksalsschläge entstehen. 
Die Wahrheit: Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe weiß: „Die Krankheit hat immer auch biologische Ursachen.“

Das Vorurteil: „Reiß dich doch mal zusammen“, denken 19 Prozent über Menschen mit Depressionen. 
Die Wahrheit: Depressionen haben nichts damit zu tun, dass Menschen wehleidig sind oder sich nur anstellen. Allein eine Therapie kann ihnen helfen.

Drei wichtige Fragen an die Expertin

Birgit Langebartels ist Diplom-Psychologin aus Köln, Leiterin der Kids & Family Research im Rheingold Institut und Referentin zum Thema Depressionen auf dem Women’s Health Day.

Wir leben in einer Gesellschaft der Glücksmaximierung“, sagt Diplom-Psychologin Birgit Langebartels. „Und da scheint eine Depression nicht reinzupassen.“ Aus diesem Grund holen sich Betroffene oft erst spät Hilfe. Wie wichtig die rechtzeitige Therapie jedoch ist, wie sie abläuft und wie es überhaupt zu einer Depression kommt, verrät uns die Expertin im Interview.

Gibt es für eine Depression immer einen Auslöser?

„Ja, den gibt es. Das muss aber nicht unbedingt eine ,ganz große‘ Sache sein – oft ist es einfach der eine Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Meist stellen Betroffene allerhöchste Ansprüche an sich selbst. Doch wir alle erleben Einschränkungen. Bei Depressiven führen diese aber nicht zur Akzeptanz, sondern sie werden durch die Einschränkungen ,lahmgelegt‘, der Alltag wird ihnen gleichgültig, und sie ziehen sich immer mehr zurück.“

Ab wann sollte man sich Hilfe holen?

„Auf jeden Fall dann, wenn der Leidensdruck so hoch ist, dass er die Lebensqualität einschränkt. Generell gilt: lieber früher als später. Erste Anlaufstelle ist der Hausarzt oder ein Psychotherapeut. Und dann heißt es: geduldig sein. Denn es braucht Zeit und Nerven, bis sich die ersten Fortschritte zeigen.“

Wie sieht die ideale Therapie aus?

„Das lässt sich nicht pauschal sagen – jede Depression ist anders. Sinnvoll ist aber in den meisten Fällen eine psychotherapeutische Behandlung. Mitunter kann diese auch zeitweise medikamentös unterstützt werden. Patienten sollten aber sehr vorsichtig sein, wenn sie nur Antidepressiva verschrieben bekommen, ohne begleitende Gesprächstherapie. So werden zwar die Symptome bekämpft, nicht aber die Ursachen.“

Hier finden Sie Hilfe

www.deutsche-depressionshilfe.de
Die Stiftung informiert umfassend über das Krankheitsbild, bietet ein Online-Diskussionsforum für Betroffene und informiert über Hilfsangebote und Anlaufstellen.

www.depressionsliga.de
Die Deutsche Depressions Liga e. V. ist eine bundesweit aktive Patientenvertretung für an Depressionen erkrankte Menschen. Sie ist eine reine Organisation für Betroffene.

Arya App
Die Selbsthilfe-App wurde von der Betroffenen Kristina Wilms entwickelt und ist wie eine Art Gefühlstagebuch angelegt. So lassen sich Verhaltensmuster und Gedanken kontrollieren. Kostenlos für Apple und Android.

EnkaApp
Die App der Robert-Enke-Stiftung bietet den Nutzern schnellen Kontakt zu einer Beratungshotline, eine Gruppenfunktion und einen diskreten SOS-Notruf per Knopfdruck. Kostenlos für Apple und Android.

Not-Hotline Depression: 08 00/3 34 45 33

Das bundesweite kostenlose Info-Telefon Depression soll Betroffenen und Angehörigen den Weg zu Anlaufstellen weisen: Mo., Di., Do.: 13-17 Uhr Mi., Fr.: 8.30-12.30 Uhr.

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