Single über 40 – was, wenn keiner mehr kommt?

Plötzlich musste Bettina ihr Leben ganz neu ordnen

Ihr Mann hat sie verlassen – Bettina ist nun Single über 40 und ihre Träume von einer gemeinsamen Zukunft sind geplatzt. So hatte sie sich das nicht vorgestellt, schon gar nicht in ihrem Alter. Und Bettina muss sich die Frage stellen: Was soll jetzt kommen?

Es war wie ein Schlag ins Gesicht. Roland packte seine Sachen und ging. Zu einer anderen, mit der er glücklicher sei, wie er sagte. Ich war völlig vor den Kopf geschlagen. Es tat weh, verlassen zu werden. Vor allem was sollte jetzt kommen: Partnerbörsen ab 40 oder Single Urlaub?

„Ich wollte doch mit ihm alt werden und habe ihn akzeptiert, wie er ist“

Aber mir war auch klar: Ich hatte mir viele seiner Marotten in den vergangenen Jahren schöngeredet, um sie ertragen zu können. Um ihn ertragen zu können. Auch ich hätte ihn durchaus das eine oder andere Mal verlassen können. Habe ich aber nicht. Zum einen, weil ich dachte: Wir haben uns doch eigentlich gut arrangiert. Und zum anderen, weil ich mir nicht vorstellen konnte, mich noch einmal an jemand Neues gewöhnen zu können. Tja, und jetzt stand ich allein da, als Single über 40. Schaute in die Zukunft, die keinerlei Konturen mehr hatte. Sie erschien plötzlich sehr formlos und verschwommen. Und bei dem Gedanken ,Mist, ich will nicht allein alt werden‘ setzte regelmäßig mein Herzschlag kurz aus.

Alles auf Anfang

Heute, nach einem Jahr, habe ich mich einigermaßen gefangen. Ich lebe jetzt in einer kleinen Wohnung, die als „ideal für Singles“ angepriesen war. Ich stehe mit beiden Beinen im Leben, habe einen Job in der Werbebranche, der mir wirklich Spaß macht. Aber die Abende? Sind oft ein Graus. Meine Freundinnen leben alle in festen Beziehungen. Die wollen was anderes als ich, wenn sie abends ausgehen: einfach etwas Abwechslung. Ich dagegen schaue mich nach Männern um. Aber bislang ist das Fehlanzeige. Früher hatte ich keine Probleme, Männer kennen zu lernen. Aber da war ich in den 20ern. Manchmal frage ich mich auch, ob ich vielleicht noch nicht so weit bin, aber dann sagt mir eine Stimme:

„Wie lange willst du denn noch warten? Du bist nicht mehr die Jüngste.”

Und eines will ich auf keinen Fall: allein alt werden. Nein, ich will jemanden an meiner Seite haben, mit dem ich mein Altwerden teilen kann, und mit dem ich etwas unternehmen kann, und mit dem ich mich auf den Ruhestand freuen kann. Ich will mit 75 mit meinem Liebsten auf einer Gartenbank sitzen und die Sonne genießen. Ich will mich mitteilen können und die Sorgen eines anderen mittragen. Ist das vielleicht zu altmodisch? Gibt es das in der schnelllebigen Zeit heute überhaupt noch? Oder ist es normal geworden, Beziehungen einfach zu beenden, wenn’s nicht mehr ganz rund läuft, weil wir heute viel mehr Möglichkeiten haben? Und was sind dann überhaupt für Männer auf dem Markt? Abgelegte, übrig gebliebene, welche mit riesigen Macken, die von einer Frau zur nächsten ziehen? Ich habe ja selbst Schrullen, die sich – je älter ich werde – immer stärker ausprägen. Muss ich wieder tausend Kompromisse eingehen, um jemanden zu finden? Kann ich das noch? Auch wenn ich mit beiden Beinen im Leben stehe, habe ich mich bis jetzt nicht auf die Dating-Plattformen  oder Partnerbörsen ab 40 gestürzt. Ich mag es einfach nicht, mich so zu präsentieren. Aber da wird wohl kein Weg dran vorbeiführen. Ich habe sogar schon über einen Single Urlaub nachgedacht. Denn meine Angst, dass ich niemanden mehr finde, überwiegt. Meine Freundinnen machen mir immer wieder Mut, dass garantiert jemand kommt. Aber diese Sprüche wirken ziemlich hohl. Beim Sport habe ich jetzt eine Frau kennen gelernt, mit der ich mich wirklich gut verstehe. Sie war in einer ähnlichen Situation und hat neulich abends etwas gesagt, dass mich zum Nachdenken oder vielmehr zum Umdenken gebracht hat.

„Du musst dich nicht anpassen, sondern deine Stärken präsentieren“

Sie meinte, ich solle doch mal eine Bestandsliste machen, was ich alles habe, und mir vielleicht selbst eine Zukunft gestalten. ,Wenn du etwas teilen willst, solltest du wissen, was du selbst mit in den Topf wirfst.‘ Ich gestehe, ich habe immer nur daran gedacht, mich selbst anpassen zu müssen. Meine Liste habe ich jetzt geschrieben. Die liest sich, ehrlich gesagt, gar nicht so schlecht. Und eine Bucketlist habe ich auch angelegt, also eine, auf der die Sachen stehen, die ich in meinem Leben unbedingt noch haben oder machen will. Darauf steht bislang: einen Garten haben. Seitdem sehe ich positiver in die Zukunft. Sie hat wieder Konturen. Ich träume wieder. Und bin gespannt, wer noch kommt – oder besser: Was.“

Single-Dasein in Zahlen:

- Das durchschnittliche Scheidungsalter liegt bei 42.
- Von den 45- bis 55-jährigen Dating-Portal-Nutzern sind 83% männlich.
- In den USA nutzen hingegen genauso viele Frauen wie Männer die Singlebörsen.