Beruf und Familie vereinbaren: Wie klappt das?

Der tägliche Kraftakt, den Frauen zu stemmen haben

Beruf und Familie unter einen Hut bringen: Eine Aufgabe, die leider immer noch vor allem Frauen für sich lösen müssen. Wie gut kann das gelingen?

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie haben mehr als zwei Drittel (68 Prozent) der Eltern in Deutschland Probleme, so eine Umfrage von Kantar Emnid. Nur 29 Prozent gaben an, den Spagat gut hinzubekommen – vor vier Jahren hatten das noch 43 Prozent der Befragten von sich behauptet.

Besonders belastend ist die Situation für Frauen. Mindestens jede zweite von ihnen hat laut einer Umfrage der Krankenkasse DAK das Gefühl, nicht genügend Zeit für sich selbst zu haben. Und: Fast die Hälfte der vollzeitbeschäftigten (48 Prozent) und ein Drittel der teilzeitbeschäftigten Mütter (32,2 Prozent) glauben, womöglich nicht genug für ihre Kinder da zu sein. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist in der Praxis also mehr als schwierig.

Ein Grund, warum sich so viele Mütter zwischen Arbeit und Familie aufreiben: Sie kehren nach der Geburt der Kinder immer früher in den Beruf zurück – meist wegen finanzieller Zwänge. Viele können es sich zudem nicht leisten, ihre Arbeitszeit zu reduzieren, zumal ihnen bewusst ist, dass sie kaum Rentenansprüche erwerben, wenn sie jahrelang in Teilzeit tätig sind.

Der Alltag ist aber aus einem weiteren Grund für Frauen besonders stressig: Auch der Haushalt bleibt überwiegend an ihnen hängen. Zwar beteiligen sich heute mehr Männer an der Hausarbeit und der Kindererziehung als noch vor zehn Jahren. Einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zufolge, kümmern sich Frauen in Deutschland aber noch immer im Schnitt drei Stunden länger pro Tag um Haushalt und Nachwuchs als ihre männlichen Partner – selbst dann, wenn beide in Vollzeit arbeiten.

Kein Wunder also, dass sie beim Versuch, Beruf und Familie zu vereinbaren, an ihre Grenzen stoßen. Wir haben drei Frauen in unterschiedlichen Lebenssituationen und Angestellten- Verhältnissen gefragt, worin die größten Probleme bestehen und wie sie den täglichen Balanceakt bewältigen. Dazu: wichtige Infos und Tipps, die Betroffenen weiterhelfen können.

Anja (34), alleinerziehend, ein Sohn:
„Es geht nur, weil meine Eltern helfen“

„Nach der Geburt meines fast dreijährigen Sohnes Paul wollte ich so schnell wie möglich wieder arbeiten. Zum einen, weil ich als Alleinerziehende auf das Gehalt angewiesen bin, zum anderen, weil ich allen – vor allem mir selbst – beweisen wollte, dass auch Mütter Karriere machen können. Deshalb stieg ich nach einem Jahr wieder in Vollzeit bei meiner Marketingagentur ein. Mein Alltag ist straff durchgetaktet: Vor und nach der Arbeit dreht sich alles um den Kleinen. Abends bin ich total erschöpft. Problematisch wird es, wenn ich nicht pünktlich aus dem Büro komme, die Kita schließt oder Paul krank wird. Dann springen meine Eltern ein, die in Rente sind und zum Glück in der Nähe wohnen. Sie holen Paul aus der Kita ab und erledigen Einkäufe für mich mit. Ohne sie wäre ich aufgeschmissen.“
➜ GUT ZU WISSEN: Arbeitgeber müssen die besonderen Belange Alleinerziehender berücksichtigen, wenn es um Versetzungen, Urlaub oder die Verteilung von Mehrarbeit geht. Alleinerziehende dürfen sich in der Regel 20 Tage im Jahr freistellen lassen, wenn das Kind krank und jünger als 12 Jahre alt ist. Muss die Mutter selbst eine Krankheit zu Hause auskurieren oder sogar ins Krankenhaus, hat sie Anspruch auf eine Haushaltshilfe, wenn das Kind jünger als 12 Jahre alt ist. Außerdem gibt es einen Rechtsanspruch auf eine Mutter-Kind-Kur, sofern sie gesundheitlich erforderlich ist.

Silvana (43), zwei Söhne:
„Eine bessere Kinderbetreuung wäre schön“

„Seit meine Söhne Louis und Max, fünf und drei Jahre alt, geboren wurden, habe ich nicht mehr als Bürokauffrau arbeiten können. Ich wollte auf Teilzeit umsteigen, doch die Firma, für die ich arbeitete, hat nur elf Angestellte – einen Rechtsanspruch auf Teilzeit hat man aber erst, wenn das Unternehmen mindestens 15 Mitarbeiter hat. In Vollzeit weiterarbeiten geht auch nicht, denn in unserem Wohnort in Nordrhein-Westfalen schließt die einzig erreichbare Kita um 16 Uhr. Noch dazu arbeitet mein Mann ebenfalls in Vollzeit. Er pendelt täglich nach Düsseldorf, ist meist nicht vor 19 Uhr zu Hause und kann die Kinder ebenso wenig rechtzeitig abholen. So blieb ein Minijob die einzige Möglichkeit. Ich arbeite jetzt immer am Vormittag im Supermarkt an der Kasse. Zum Glück verdient mein Mann ganz gut, sonst wäre das finanziell schwierig.“
➜ GUT ZU WISSEN: Minijobs auf 450-Euro-Basis ermöglichen die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Studien zeigen jedoch, dass viele Frauen danach Schwierigkeiten haben, wieder in eine reguläre Beschäftigung zurückzuwechseln. Das Problem: Die Rentenansprüche, die sie erwerben, reichen nicht zum Leben. Fragen Sie daher Ihren jetzigen Arbeitgeber, ob er womöglich Ihre Stundenzahl ausbauen und Ihren Minijob in eine sozialversicherungspflichtige Teilzeitanstellung umwandeln kann. Achten Sie auch darauf, dass Depots und Versicherungen nicht nur über Ihren Mann, sondern auch auf Ihren Namen laufen.

Maria (39), zwei Töchter:
„Das Geld ist eigentlich immer knapp“

„Nach der Geburt meiner ersten Tochter Lena stieg ich wieder Vollzeit in meinen Beruf als Hotelfachfrau ein. Dieser Job ist körperlich sehr anstrengend. Ich war in den ersten Jahren ständig krank und fix und fertig. Als ich drei Jahre später mit meiner zweiten Tochter Leonie schwanger wurde, beschloss ich, meine Arbeitszeit auf 75 Prozent zu reduzieren, um für meine Kinder da sein und alles unter einen Hut bringen zu können. Nun hatte ich etwas mehr Zeit, aber das Geld war immer knapp – ganz besonders, als mein Mann wegen eines Bandscheibenvorfalls mehrere Monate nicht arbeiten konnte. Inzwischen sind die Mädchen 15 und fast zwölf Jahre alt, und ich möchte wieder in Vollzeit arbeiten, damit wir endlich nicht mehr jeden Cent zweimal umdrehen müssen. Allerdings hat man zwar einen Rechtsanspruch auf Teilzeit, aber nicht auf Rückkehr in die Vollzeit. Mein Chef ist meinem Wunsch bisher nicht nachgekommen.“
➜ GUT ZU WISSEN: Unternehmen sind zwar nicht verpflichtet, Teilzeitangestellte wieder zu Vollzeitkräften zu machen – sie müssen sie aber immerhin bevorzugt berücksichtigen, wenn sie neue Vollzeitstellen ausschreiben. Für teilzeitbeschäftigte Frauen ist besonders wichtig, privat fürs Alter vorzusorgen, am besten so früh wie möglich. Wer erst später damit beginnt, sollte nicht überstürzt irgendein Vorsorgeprodukt wählen, sondern einen unabhängigen Honorarberater um Rat bitten. Er entwickelt eine passende und individuelle Strategie.