Alleine sein: Wege aus der Einsamkeit

4 Tipps, um neue Kontakte zu knüpfen

Es tut gut, mal alleine zu sein. Doch es kann uns auch belasten, wenn für längere Zeit das Miteinander fehlt. Die Suche nach Wegen aus der Einsamkeit beginnt. Wie wir dann wieder Anschluss finden und neue Bekanntschaften knüpfen, erfahren Sie anhand dieser simplen aber wirkungsvollen Beispiele. 

Schön, wenn wir mal Ruhe haben, um in uns hineinzuhorchen und unsere Bedürfnisse auszuleben. Einmal keine Kompromisse eingehen. Nichts tun, das man sonst nur anderen zuliebe macht. Wir wählen frei, ohne Einfluss von außen, hören dabei nur auf unser Herz. Ja, Alleinsein ist eine wertvolle Erfahrung. Doch wenn uns dauerhaft nette Bekanntschaften zum Reden und Anlehnen fehlen, kann aus Alleinsein Einsamkeit werden, die weh tut.

Woher kommt die neue Einsamkeit?

Wir sind vernetzter als je zuvor. Fast jeder hat unzählige Facebook-Freunde, aber im echten Leben werden Freunde rar. In Bus und U-Bahn starren die Menschen auf ihr Handy – dass zwei sich unterhalten, ist heute eher die Ausnahme. Jeder scheint sich selbst der Nächste zu sein. In den Köpfen dreht sich alles um Arbeit, Profit und Selbstoptimierung. Schneller, höher, weiter – da bleiben oft genug Freundschaften auf der Strecke. So gaben in einer Meinungsumfrage vier von fünf Deutschen an, manchmal einsam zu sein. Besonders betroffen sind Menschen zwischen 18 und 35, fand die britische Wissenschaftlerin Rebecca Nowland heraus. Die Gründe: zwanghafte Selbstoptimierung, hohe Anforderungen im Job, lange Arbeitstage. Einsamkeit ist so gefährlich wie Rauchen, haben die Wissenschaftler festgestellt, sie macht krank und verkürzt das Leben. Und: Einsamkeit ist ein Tabu, man spricht nicht darüber und gibt auf keinen Fall zu, dass man darunter leidet, denn Einsamkeit passt nicht zu Facebook und Instagram. Aber jetzt kommt die gute Nachricht: Einsamkeit ist heilbar. Hier finden Sie Wege aus der sozialen Isolation.

Der Stress-Falle entkommen

Wir alle erleben hin und wieder kräftezehrende Phasen – im Job oder mit der Familie. Aber manchmal wird diese Phase zum Dauerzustand. Betroffene bemerken oft gar nicht, dass sie in der Stress-Falle sitzen. Nach einem Tag im Büro kommt man nach Hause und merkt plötzlich, dass da trotz aller Facebook-Kontakte niemand ist, den man mal für einen längeren Plausch anrufen könnte. Tagsüber hat man das vor lauter Betriebsamkeit gar nicht bemerkt. Wichtig: Um den Stress zu reduzieren, sollte man erst mal herausfinden, wo er überhaupt herkommt. Und ihn dann bekämpfen. Auch mal Nein sagen, nicht ständig Überstunden machen, für die Pflege eines Angehörigen einen Dienst engagieren.
Ein uralter Tipp, der aber immer funktioniert: In einen interessanten Verein eintreten – dort trifft man Gleichgesinnte.

Bewusst etwas für sich selber tun

Eine Auszeit nehmen, mal allein mit sich selbst sein – das hilft auch bei Überbelastung. Und dabei Gutes zu tun, das streichelt die Seele. Gassi gehen mit einem Hund aus dem Tierheim zum Beispiel. Oder Vorlesen im Seniorenheim. Auch in einer Partnerschaft kann man einsam sein – wenn sich der andere nicht für die Gedanken oder Erlebnisse des Partners interessiert. Einsamkeit hat nichts mit der An- und Abwesenheit von Menschen zu tun. Einsamkeit ist das Gefühl, nicht anerkannt, beachtet und nicht gebraucht zu werden. Und das ist gar nicht so selten: Vor allem, wenn die Kinder aus dem Haus sind, leben viele Paare nur noch nebeneinanderher. Dann sollte man Dinge machen, die guttun: einen Yogakurs zum Beispiel oder eine Massage. Und: Auf Online-Plattformen kann man ebenfalls neue Freunde finden.

Nur für eine Person aufwändig zu kochen, lohnt sich nicht?

Doch, und wie! Gönnen Sie sich gerade dann, wenn Sie allein sind, ein schönes Essen. Machen Sie es sich zu Hause richtig gemütlich, verwöhnen Sie sich. Rufen Sie sich dabei Ihre Stärken, Fähigkeiten und Erfahrungen in Erinnerung. Wenn Sie sich selbst wertschätzen und lieben, haben Sie auch gleich eine tolle, noch positivere Ausstrahlung auf andere.

Grenzen ziehen, neu anfangen

Manchmal kommen wir im Leben an einen Punkt, wo wir bemerken, dass Beziehungen zu unseren Mitmenschen nicht das sind, was wir eigentlich wirklich wollen. Es gibt Freundschaften, in denen nur der eine immerzu gibt, sich kümmert, sich sorgt. Der andere lässt sich bedienen, in jeder Art. Zu solchen Menschen sollte man auf Abstand gehen, denn sie neigen auch dazu, einen kleinzumachen, einem nichts zuzutrauen und das Selbstwertgefühl zu unterminieren. Manche boykottieren andere Beziehungen und reden schlecht. Das tut nicht gut. Man sollte sich nur mit Leuten umgeben, die einem das Gefühl von Gemeinschaft geben, die sich öffnen, die zuhören können und mit dem Wissen über andere gut umgehen. Man sollte sich von Menschen trennen, die einen ausbeuten.

Anderen zeigen, dass man offen für Nähe ist

Ein indisches Sprichwort besagt: „Das Lächeln, das du aussendest, kehrt zu dir zurück.“ Vielleicht fühlen Sie sich unsicher, gleich jemanden anzusprechen, um neue Kontakte zu knüpfen. Dann fangen Sie einfach mit einem freundlichen Lächeln an. Ihr Gegenüber wird bestimmt zurücklächeln – ein schöner Auftakt für ein nettes Kennenlernen, aus dem auch schnell mehr erwachsen kann. Nutzen Sie diese Chance, Ihr Mut wird belohnt.

Leichter Sport macht glücklich

Das ist so simpel und so wahr. Denn bei Bewegung schüttet der Organismus Endorphine aus. Und diese körpereigenen Stoffe machen glücklich. Wer zu Hause sitzt und nur den Weg vom Sofa zum Kühlschrank und zurück als Bewegung hat, der wird auf die Dauer krank. Geeignet – vor allem für Anfänger – sind etwa Walken, Schwimmen und Radfahren, sagen die Experten. Man sollte sich aber etwas suchen, was man gern tut, sonst wird es zur Qual, und man hört ziemlich schnell wieder damit auf. Beim Sport kann man auch Leute kennen lernen, die das Gleiche tun. Wunderbarer Nebeneffekt: Sport ist gesund und verlängert nachweislich das Leben.

Wer sich selbst mag, wird gemocht

Es klingt so einfach, aber es ist manchmal gar nicht so leicht: Akzeptiere und liebe dich selbst, so wie du bist. Denn wer sich selbst nicht mag, den mögen andere Menschen meistens auch nicht. Selbstachtung und Selbstliebe sind wichtige Grundpfeiler für das Miteinander. Ein einfacher Trick, um den Tag gut zu beginnen: sich morgens im Spiegel bewusst anzulächeln. Ja, das klingt total banal, aber funktioniert wirklich. Auch hilfreich: sich an fünf Dinge zu erinnern, auf die man richtig stolz sein kann. Falls die innere Stimme mal wieder flüstert: „Das schaffst du ja sowieso nicht“, dann sagen Sie innerlich STOPP. Schon kommen Sie auf andere Gedanken.

Neues zulassen

Nach einer Trennung oder nach dem Verlust des Arbeitsplatzes empfinden Betroffene Trauer, sie sind seelisch ziemlich angeschlagen. Oft ziehen sie sich zurück, um mit der neuen Situation oder dem Verlust klarzukommen. Wer in dieser Situation stecken bleibt, droht, zu vereinsamen, er nimmt am Leben nicht mehr teil. Er fühlt sich oft angegriffen, obwohl das vielleicht gar nicht so gemeint war. Ganz wichtig: rausgehen, Leute treffen, etwas unternehmen. 

Aktiv werden und sich ehrenamtlich engagieren 

Ein Ehrenamt ist gut dafür geeignet, die „Tafel“ zum Beispiel oder das Nachhilfegeben in einer Grundschule. Das gibt Kraft und positive Energie. Welche Tätigkeit begeistert Sie? Wobei blühen Sie richtig auf? Ihre Leidenschaft teilen sicher auch andere Menschen. Schließen Sie sich einem Verein oder einer Gruppe an. Engagieren Sie sich ehrenamtlich für ein Projekt, das Ihnen am Herzen liegt. So helfen Sie anderen und gleichzeitig sich selbst, denn durch Ihr Engagement haben Sie automatisch Gesprächsthemen mit Gleichgesinnten und einen festen Termin, der Sie mit lieben Menschen verbindet.

Offen bleiben und auch das Internet nutzen 

Die sozialen Medien sind ideal, um Kontakte zu knüpfen. Es gibt viele Online-Portale und Facebook-Gruppen, auf denen sich Menschen für Unternehmungen verabreden. Vielleicht finden Sie dort nicht gleich die neue beste Freundin oder einen Traumpartner – aber sicher jemanden, um ein paar schöne Stunden zu erleben. Gemeinsam statt einsam.

Neuer Trend: „Social Cocooning“

Gerade in der kalten Jahreszeit möchte man sich gerne einigeln – und zusammen tut das richtig gut. Ob gemeinsam Kaffee trinken, kochen, Stricken oder lesen: Im Internet finden Sie viele tolle Angebote zum Mitmachen in Ihrer Stadt – oder Sie fragen einfach die nette Nachbarin.

Das Wesentliche erkennen

Der Einsamkeit entrinnen, das bedeutet immer Veränderung. Ohne Veränderung geht es nicht, ohne bleibt man gefangen im Labyrinth der Einsamkeit. Man sollte sich besser von Dingen trennen, die belasten, von Menschen, die nicht guttun. Die Natur hilft, zu regenerieren – ein langer Waldspaziergang kann Wunder wirken. Ein Trip ans Meer oder in die Berge ist auch super, genauso wie Musik und Kunst: Alles ist gut dazu geeignet, den inneren Reichtum wiederzuentdecken. Falls Reisen oder Kulturveranstaltungen aus gesundheitlichen oder finanziellen Gründen nicht möglich sind, holt man sich Pflanzen oder ein Tier einfach in die Wohnung. Hirn-Scans haben gezeigt, dass fast alle Menschen in bestimmten Situationen eine tiefe Harmonie mit sich und ihrer Umgebung entwickeln – beim Blick über einen verschneiten Berggipfel zum Beispiel oder über einen aufgewühlten Ozean.

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