Digitale Medien und deren Einfluss auf die Entwicklung von Kindern

Weniger ist mehr

Die digitalen Medien, wie das Fernsehen, der Computer, das Tablet und heute vor allem auch das Smartphone beeinträchtigen die kindliche Entwicklung. Vor allem wenn sie nicht altersgerecht genutzt werden können sie Kindern diverse Schäden zufügen. Welche genauen Auswirkungen der Konsum digitaler Medien auf Kinder haben kann, erläutern wir in diesem Beitrag.

Eine Studie beweist: Digitale Mediennutzung kann Kindern schaden

Die sogenannte, im Jahr 2017 von der Drogenbeauftragten Marlene Mortler vorgestellte, BLIKK-Studie (für: Bewältigung, Lernverhalten, Intelligenz, Kompetenz und Kommunikation), bringt die geistige und körperliche Entwicklung von Kindern und Jugendlichen in Zusammenhang mit ihrem Medienkonsum sowie mit dem Medienkonsum ihrer Eltern. Etwa 5500 Eltern und Kinder wurden im Rahmen der Studie von Kinderärzten zum Umgang mit digitalen Medien befragt, während die Entwicklung der Kinder stets dokumentiert wurde. 

Die Ergebnisse dieser in solchem Ausmaß einmaligen Studie sind erschreckend: So konnten die Forscher etwa bei Säuglingen einen messbaren Zusammenhang von Einschlafproblemen und Störungen bei der Nahrungsaufnahme feststellen, wenn Mütter während der Säuglingsbetreuung digitale Medien nutzen. Weiterhin soll es Anzeichen auf Bindungsstörungen geben.

Obwohl die Studie und ihre Autoren als seriös gelten, blieb die BLIKK-Studie vor allem auch aufgrund der Schlussfolgerungen, die aus den Ergebnissen gezogen werden, nicht kritikfrei. Es wurde kritisiert, dass es wissenschaftlich unpräzise sei, aus Zusammenhängen auf Ursachen zu schließen. Die Medienpsychologin Astrid Carolus warnt davor, Medien jeglicher Art mit zu viel Angst zu begegnen. 

Dennoch sollten Eltern aus der BLIKK-Studie Denkanstöße bezüglich des Medienkonsums ihrer Kinder mitnehmen und zumindest über mögliche Auswirkungen dieses Konsums Bescheid wissen.

Körperliche Folgen von Fernseh- und Computernutzung

Hinsichtlich Konsumdauer und Verbreitung steht das Fernsehen noch immer an erster Stelle wenn es um Massenmedien in der heutigen Zeit geht. Zwar sind Tablets, Smartphones und Computer mit Internetzugang eine große Konkurrenz und werden das Fernsehen eines Tages vielleicht sogar ablösen, derzeit jedoch konsumieren immer noch viele Menschen täglich das Angebot, das im TV ausgestrahlt wird. Der Großteil dieses Angebots dient der Unterhaltung, Bildungsfernsehen bildet dagegen eine Nische und findet sich immer nur vereinzelt und zu speziellen Zeiten statt. Weiterhin ist das Angebot aufgrund gewalttätiger, pornografischer oder einfach auch schon zu komplexer und unverständlicher Inhalte oftmals nicht für Kinder geeignet. Es lohnt sich daher zunächst einmal, die Frage zu stellen, ob und ab welchem Alter Kinder vor dem TV sitzen sollten. Die Bundesregierung etwa empfiehlt, Kinder erst ab 3 Jahren Fernsehen zu lassen, der Konsum sollte vorher ganz tabu sein. Letztlich müssen Eltern oder Erziehungsbeauftragte jedoch selbst entscheiden, wie sie dies handhaben. Wichtig ist nur, dass sie beispielsweise auch die potenziellen körperlichen Folgen der Fernseh- und Computernutzung kennen.


Wenn schon digitale Medien im Sitzen konsumiert werden, dann bestenfalls in Anwesenheit eines Erwachsenen. Dieser kann zumindest die möglichen negativen Auswirkungen auf die Psyche minimieren. fotolia.de © Photographee.eu (#207142861)

Diese erschließen sich im Grunde schon durch Verbildlichen der Situation: Wenn Kinder lange Zeit vor dem Fernseher oder dem Computer sitzen, bewegen sie sich weniger. Alleine dieser Umstand kann in einigen Fällen zu Gewichtsproblemen gegenüber Kindern führen, die weniger Zeit im Sitzen und mit den digitalen Medien verbringen. Wichtiger jedoch ist die Tatsache, dass vor allem ausgiebiger Fernsehkonsum oftmals mit pausenlosem Essverhalten vorwiegend süßer und fettiger Lebensmitteln einhergeht. 

Der Bewegungsmangel kann abseits von Übergewicht allerdings noch weitere Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung haben. So können sich bereits bei Kindern Haltungsschäden durch sowohl zu viel, als auch durch falsches Sitzen zeigen. Weiterhin beeinträchtigt zu wenig Bewegung die Alltagsmotorik, die Körperwahrnehmung, als auch die allgemeine körperliche Leistungsfähigkeit. Auch auf die gefühlsmäßige Entwicklung und auch die kindliche Psyche kann Bewegungsmangel sich in negativer Weise auswirken.

Auswirkungen digitaler Medien auf die kindliche Psyche

Die kindliche Psyche jedoch wird von den digitalen Medien auch noch in ganz anderer Weise und viel direkter als nur durch körperliche Auswirkungen beeinflusst. Dabei müssen nicht nur die Qualität der Medienangebote und etwa „gute“ oder „schlechte“ Sendungen in den Blick genommen werden. Es sollten stattdessen alle Einflussfaktoren beachtet werden. Dazu gehören auch:

•    Alter und Entwicklungsstand des Kindes
•    das Umfeld des Kindes
•    die momentane Lebenssituation
•    die bisherigen Erfahrungen des Kindes mit jeglichen digitalen Medien
•    die Tatsache, ob das Kind ein Mädchen oder ein Junge ist

Da jedes Kind, selbst wenn es im gleichen Alter wie ein anderes Kind ist, mit den digitalen Medien anders umgeht und sich in seiner Entwicklung vielleicht schon ein Stück weiter oder zurück befindet, sollten auch hier wieder die Erziehungsbeauftragten entscheiden, welche Medien und wie lange das Kind diese konsumieren darf. Gerade auch die momentane psychische Situation des Kindes sollte dabei genau eingeschätzt werden. 

Hat das Kind derzeit Ängste oder Sorgen? Hat es Probleme Freunde, bzw. Anschluss etwa in der Schule zu finden? Zieht es sich oft ins Zimmer zurück und geht nicht gerne nach draußen?

Je nachdem, wie Eltern ihr Kind einschätzen, kann es phasenweise ratsam sein, den Medienkonsum einzuschränken, oder Einschränkungen wieder zu lockern. Generell sollte bedacht werden, dass Kinder durchaus auch beispielsweise eine Computersucht entwickeln können, bei der Aggressivität und Schulschwänzen zu den typischen Folgen gehören. Experten sprechen von einer regelrechten Besessenheit, die nur verhindert werden kann, indem Eltern geregelte „Medienzeiten“ für Kinder einführen, die streng eingehalten werden müssen. 

Merken Eltern, dass Kinder das Gesehene, Gehörte oder Gelesene beschäftigt, sollten sie, um negative Folgen auf die Psyche durch die Unfähigkeit einer gesunden Verarbeitung zu verhindern, jederzeit als Ansprechpartner, Tröster und Fürsorger zur Verfügung stehen. Außerdem sollte immer die Möglichkeit bestehen, Fragen über das in den digitalen Medien Aufgeschnappte zu stellen. Gerade bei kleinen Kindern ist es wichtig, bei deren Medienkonsum mit anwesend zu sein, damit in bestimmten Fällen direkt über das Gesehen gesprochen und aufgeklärt werden kann. 

Von Strahlung, Licht und Schlaf

Immer wieder heißt es hier und da, dass die Strahlung von Smartphone, Computer, Tablet & Co. sich negativ auf die Gesundheit auswirkt. Es gibt dazu allerdings nur wenige klinische und kaum Langzeitstudien, weshalb diese These nicht bewiesen ist. Auch ob Kinder empfindlicher auf elektromagnetische Felder reagieren, als Erwachsene, ist nicht erforscht – nach dem derzeitigen Kenntnisstand der Wissenschaft gibt es keine Hinweise hierfür. Allerdings leiden viele Menschen, die täglich gerade in einer Büroumgebung mit mehreren digitalen Medien umgeben sind unter diversen Symptomen. Diese können auch bei Kindern und übermäßigem Medienkonsum auftreten. Dazu gehören unter anderem:

•    Störungen des Nervensystems: Depressionen, Beklemmung, Reizbarkeit, usw.
•    Allergien
•    Bluthochdruck
•    Schlaflosigkeit
•    Augenbeschwerden
•    Konzentrationsprobleme, Schwindel
•    Migräne
•    Hauttrockenheit
•    Erschöpfung
•    Autoimmunkrankheiten
•    Arrhythmie 

Ein weiteres Problem der Nutzung digitaler Medien sind die Auswirkungen auf den Schlaf des Kindes. Gerade wenn Kinder im eigenen Zimmer einen Fernseher oder einen Computer stehen haben, gehen sie im Durchschnitt etwas später schlafen und sind infolgedessen tagsüber merklich müder als Gleichaltrige ohne die entsprechenden Geräte im eigenen Kinderzimmer. Vor allem die Verarbeitung von Gewaltszenen oder Horrorfilmen kann dazu führen, dass Kinder zum Einschlafen erstens länger brauchen und zweitens schlechter oder unruhiger schlafen, da die gesehenen Bilder sie plagen oder sich zumindest ins Gedächtnis gebrannt haben. 

Ganz abgesehen von dem, was Kinder sich über den Computer, das Tablet usw. anschauen, reicht es auch schon, dass sie es kurz vor dem Schlafengehen tun, um ihren Schlaf negativ zu beeinflussen. Denn Geräte mit LED-Beleuchtung sind auf Dauer nicht nur anstrengend und schlecht für die Augen, sie beeinflussen auch den Melatonin-Spiegel, was sich auf den Tag-Nacht-Rhythmus auswirkt und zu Schlafstörungen sowie einer Schwächung des Immunsystems und Verstimmtheiten führen kann. 


Im Bett und vor dem Schlafengehen sollte ein digitales Medienkonsum-Tabu herrschen. Denn das Licht und die aufgenommenen Inhalte stören den erholsamen Schlaf. fotolia.de © andregric (#189976978)

Soziale Vereinsamung

Aus mehr Zeit, die mit den digitalen Medien alleine zu Hause verbracht wird, folgt natürlich weniger Zeit, die dazu bleibt, sich mit Freunden zu treffen. Gerade Kindern, die nach der Schule noch viel Zeit in Hausaufgaben stecken müssen, bleibt in der Freizeit oft gar nicht so viel Zeit für soziale Kontakte. Wenn dann auch noch ein intensiver Konsum digitaler Medien vorliegt, kann es sein, dass sich kaum noch mit Freunden getroffen wird und Dinge „draußen“ unternommen werden. Allerdings muss hier auch wiederum seitens der Eltern, die ein derartiges Verhalten bei ihrem Kind beobachten, genau hingeschaut werden. Denn nicht immer muss die soziale Vereinsamung das Resultat übermäßigen Medienkonsums sein. Im Gegenteil, manchmal resultiert der Medienkonsum als Flucht vor dem Alltag sogar aus dem Umstand, dass das Kind Probleme hat, Freunde zu finden und sich aus dieser Einsamkeit heraus mit Computerspielen oder Fernsehserien ablenkt.