Aus Wir wird Ich: Wenn der langjährige Partner im Alter stirbt

Oft deuten Krankheiten schon darauf hin. Manche trifft es ganz ohne Vorwarnung und der Chance, sich emotional darauf vorzubereiten: Der Partner stirbt und auf einmal ist man allein. Aus dem jahrelangen Wir wird ganz plötzlich ein ich, das lernen muss mit dem Verlust umzugehen und vor der Herausforderung steht, das Leben neu zu ordnen. 

Oft ist Sie das Ich 

Oft sind es Frauen, die sich in einer solchen Situation wiederfinden. Grund dafür: Frauen leben länger – im Schnitt fast fünf Jahre. So das eindeutige Ergebnis der neuesten „Welt-Gesundheits-Statistik“ der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Gründe für das weibliche Lebenszeit-Plus ist zum Einen der gesündere Lebensstil. Frauen ernähren sich bewusster, trinken weniger Alkohol und rauchen seltener. Sie vermeiden zudem häufiger Situationen, in denen sie extremen Risiken, wie beispielsweise schnellem Autofahren, ausgesetzt sind. Zum Anderen vermuten Forscher, dass Frauen durch das zusätzliche X-Chromosom einen biologischen Vorteil haben. Defekte könne der Körper ausgleichen, vor Krankheiten sei er besser geschützt. 
Gesunde Ernährung, Risikovermeidung, Biologie: All das hält fit, bewahrt Frauen jedoch nicht vor der intensiven Trauer- und Schmerzerfahrung, die der Verlust des Lebenspartners im Alter oft mit sich bringt. So individuell wie die geführte Beziehung, ist auch der Umgang mit dieser Herausforderung. 

Trauerphasen: Intensiv und individuell 

Abschiednehmen ist etwas sehr Persönliches und Individuelles. Dennoch lässt sich der Prozess in mehrere Phasen untergliedern. Um sich selbst in der eigenen Trauer zu verstehen und Andere besser zu unterstützen, ist es hilfreich, die Trauerphasen zu kennen: Dem anfänglichen Nicht-Wahrhaben-Wollen folgt eine Welle aufbrechender Emotionen. Wut, Schmerz, Angst und Traurigkeit bahnen sich ihren Weg an die Oberfläche und suchen ein Ventil. Aus der Hilflosigkeit und der Sehnsucht nach Begegnung heraus, beginnt im Anschluss eine ständige Suche: In fremden Gesichtern erkennt man plötzlich die vertrauten Gesichtszüge des Partners, Gewohnheiten werden übernommen. Realisiert man, dass diese schmerzlich-schönen Lückenfüller den Partner auf Dauer nicht ersetzen können, folgt eine depressive Tiefphase. Zurück bleibt Verzweiflung.

Wie lange die einzelnen Abschnitte dauern, lässt sich nicht pauschalisieren. Die Phasen können unterschiedlich gewichtet sein, einige von ihnen komplett wegfallen. Eines haben jedoch alle Trauerprozesse gemein: Bis zur letzten Phase, der Akzeptanz, ist es ein harter Weg. Rückschläge geben Betroffenen das Gefühl der Hilflosigkeit, sie befinden sich gefühlt in einem tiefen Loch aus Trauer und Einsamkeit. 

Unweigerlich führt der Verlust auch dazu, dass man mit der eigenen Zukunft konfrontiert wird. Und auch wenn Verdrängung der erste Impuls ist, lohnt es sich, den Blick auf sich zu richten und vorzusorgen. Angehörige sehen sich direkt im Anschluss an den Tod mit einer Reihe an Aufgaben konfrontiert: die Bestattung muss arrangiert, Kosten aufgebracht werden. Eine Bestattungsvorsorge kann helfen und Hinterbliebenen im Todesfall eine finanzielle Absicherung bieten.

Hilfe bei der Trauerbewältigung – Überforderte Tröster 

Papa hätte bestimmt nicht gewollt, dass du deine Zeit allein verbringst! Such dir doch mal ein neues Hobby! Lenk dich ab! Häufig möchten Betroffene nichts von Ratschlägen hören, die zwar vielversprechend klingen und mit Sicherheit gut gemeint sind, jedoch in der Umsetzung scheitern. Selbst mit der Situation überfordert helfen aufheiternde Worte nicht weiter. Meist hilft ein ernst gemeintes „Ich bin da, wenn du mich brauchst“ kombiniert mit einem offenen Ohr und Geduld viel mehr als ein unrealistisches „Alles wird gut“. 

Oft ist das gesamte Leben mit der verstorbenen Person verknüpft, ein gemeinsames Haus, eine Familie entstanden. Auch alltägliche Kleinigkeiten, und vielleicht ganz besonders diese, machen den Verlust spürbar: Die gemeinsamen Spaziergänge nach dem Mittagessen, der Lieblingskuchen, den Sie zu besonderen Anlässen vorbereiteten und seine nervige Angewohnheit immer direkt nach dem größten Stück zu greifen – Solche Erinnerungen machen nicht nur das gemeinsame Leben, sondern auch Sie aus. Das Wir bleibt bestehen und ist Teil des neuen Ichs, das jetzt entstehen darf.
 

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