Bauratgeber Einfamilienhaus: Wieviel Wohnraum brauche ich?

Wünsche nach persönlichen Bedürfnissen realisieren

Der persönliche Platzbedarf richtet sich nach zahlreichen unterschiedlichen Kriterien Einbauschränke sorgen für mehr Stauraum und Platz Schrägen können und sollten optimal genutzt werden

Mit dem Bau eines individuellen Einfamilienhauses lassen sich die persönlichen Bedürfnisse und Wünsche immer noch am besten realisieren. Doch neben der Wahl der passenden Bauform oder der Planung der Finanzierung sollte zunächst eines festgelegt werden: Wie groß soll das Haus überhaupt werden und welchen Platzbedarf gilt es zu berücksichtigen?

Wie groß ein Haus werden soll, wie viele Zimmer benötigt werden oder wie umfangreich diese dimensioniert sein sollten, hängt von den unterschiedlichsten Kriterien ab. Verschiedene Punkte können dabei helfen, den persönlichen Bedarf herauszufinden. Dabei ist es sinnvoll, nicht nur die aktuelle Situation zu betrachten, bei einer langfristigen Investition wie einem Einfamilienhaus sollte auch schon an später gedacht werden.

Die wichtigsten Kriterien zur Ermittlung des Flächenbedarfs

Als einer der wichtigsten Punkte zählt die Anzahl der künftigen Bewohner und Nutzer. Ein kinderloses Paar wird weitaus weniger Platz benötigen, als eine Familie mit einer ganzen Rasselbande, selbst wenn etwa ein dauerhafter Arbeitsplatz im Haus vorgesehen ist. Vor allem wenn Kinder größer werden, ist es heute üblich, dass jeder ein eigenes Zimmer zur Verfügung hat. 

Ein behagliches Wohnzimmer als zentraler Aufenthaltsraum und Treffpunkt hat bei den meisten heute eine große Bedeutung und wird meist dementsprechend groß dimensioniert. Darüber hinaus gewinnen jedoch auch die (Wohn-) Küche oder ein großzügiges Bad an Bedeutung.

Wer Platz für Gäste, ein bestimmtes Hobby oder auch einen separaten Arbeitsraum (Home Office) benötigt, sollte auch hier den notwendigen Platzbedarf ermitteln. 

Ein oft unterschätzter Faktor ist das Thema Stauraum. Platz oder eigene Räumlichkeiten zum Unterbringen von Gegenständen sind ein wichtiges Kriterium für gute Wohnqualität. Über die Jahre sammelt sich in der Regel eine Menge Dinge an, die bei einem Mangel an Stauraum die Wohnfläche drastisch einengen können. Nicht immer sind dafür eigene Zimmer notwendig. Bei einer geschickten Planung können auch Nischen, Dielen, Flurenden oder Einbauschränke sinnvoll genutzt werden. Wer auf ein Kellergeschoss verzichtet, sollte diesen Punkt besonders berücksichtigen. Auch eine Garage kann hier zusätzlichen Stauraum bieten.

Ansonsten kann der Dachboden zum Aufbewahren genutzt werden. Soll dieser zusätzlich als Wohnraum dienen, können Kniestöcke verkleidet und die Schrägen sinnvoll als Stauraum eingeplant werden.  

Auch einer oder mehrere Hauswirtschaftsräume sind unter Umständen sinnvoll. Ein Platz zum Unterbringen von Waschmaschine oder Trockner, zum Aufhängen von Wäsche oder auch zum Unterstellen von Putzutensilien und dem Staubsauger sind sehr praktisch. In manchen Fällen kann hierfür ein Kellerraum genutzt werden oder es ergeben sich Möglichkeiten die verschiedenen Punkte in andere Zimmer klug zu integrieren.

Soll das Haus mit einer eigenen Energieversorgung ausgestattet werden, ist hier oftmals zusätzlicher Platz für die oft umfangreiche Haustechnik vorzusehen.

Unterschiedliche Grundrisstypen und ihre Möglichkeiten bei der Raumaufteilung

Auch die Grundrissform und letztendlich auch der Haustyp müssen schließlich in die Überlegungen miteinfließen, denn sie erlauben jeweils ganz andere Aufteilungsmöglichkeiten. Hier spielt vor allem das potentielle Grundstück eine wichtige Rolle. Ein Bungalow erfordert eine größere Grundstücksfläche und auf einem schmalen Baugrund muss eher in die Höhe gebaut werden.

Anregungen für eine sinnvolle Raumaufteilung finden sich bei Recherchen im Internet. Anbieter von Fertighäusern oder standardisierten Massivhäusern bieten hier einen guten Überblick und zahlreiche Variationsmöglichkeiten. Durch langjährige Erfahrung sind die Grundrisse dabei ausgeklügelt und spiegeln die unterschiedlichsten Bedürfnisse wider. 

In der letzten Zeit sind offene Grundrisse, die ein loftähnliches Wohnen ermöglichen, immer populärer geworden. Durch das Weglassen von Wänden wirken auch kleinere Räume großzügig und es kann beispielsweise mehr Licht in die Tiefe geholt werden.  Allerdings hat eine solche Bauweise Vor- und Nachteile:

  • Durch die offenen Grundrisse werden die Kommunikation und das Zusammenleben im Haus positiv beeinflusst. Vor allem gemeinschaftlich genutzte Räume wie Küche, Wohn- und Esszimmer können zusammengelegt werden und dienen als großzügiger zentraler Aufenthaltsort.
  • Bei wenig verfügbarer Baufläche kann der Platz so optimal genutzt werden. Flexible Raumteiler oder eine geschickte Möblierung grenzen die einzelnen Zonen untereinander ab. Die Wohnfläche kann leichter an wechselnde Anforderungen angepasst werden.
  • Offenes Wohnen ist nicht für alle Raumarten gleichermaßen gut geeignet. Schlafzimmer, Sanitärräume und andere Rückzugsorte bieten mehr Intimität und Ruhe, wenn sie durch Wände und Türen vom Rest abgetrennt sind. Bei offenen Wohnküchen ist eine leistungsfähige Dunstabzugsanlage sehr sinnvoll um die Geruchsbelästigung in Grenzen zu halten.   

Quadratische Grundrisse, wie sie etwa bei den modernen Stadthäusern sehr beliebt sind, bieten eine größtmögliche Flexibilität bei der Raumaufteilung. Die Anzahl der Geschosse spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Ein Bungalow benötigt zwar eine größere Grundfläche, bietet jedoch große Vorteile beim Stichpunkt Barrierefreiheit. Bei mehreren Stockwerken ist zudem Fläche für ein Treppenhaus notwendig.

Bei sehr kleinen Grundflächen müssen meist Kompromisse gefunden und Flächen mehrfach genutzt werden. Hier lassen sich durch eine geschickte Inneneinrichtung Räume und unterschiedliche Funktionszonen voneinander abgrenzen, Schiebetüren sparen zusätzlich Platz.  

Heute schon an morgen denken

Kinder werden nicht nur größer und es verändern sich dabei ihre Bedürfnisse und Anforderungen an den Wohnraum. Irgendwann werden sie auch ausziehen. Aber auch unsere eigenen Interessen und Lebensumstände bleiben nicht immer gleich. Dies sollte bei der Planung eines Hauses berücksichtigt werden.

Zu Beginn brauchen kleine Kinder nur wenig eigenen Platz, mit zunehmendem Alter wird ein privater Rückzugsbereich immer wichtiger. Zu gegebener Zeit kann dafür etwa das Dachgeschoss ausgebaut werden. Auch ein zweites Bad kann sehr sinnvoll sein. Sind die Kinder später einmal aus dem Haus, bleiben die Zimmer oft noch eine Weile als Übernachtungsmöglichkeit bestehen. Eine Umnutzung als Gästezimmer, Hobby-, Arbeits- oder größerer Hauswirtschaftsraum ist ebenfalls denkbar.

Offene Grundrisse bieten ein großes Maß an Flexibilität. Eine spätere Änderung der Raumaufteilung ist hier mit relativ niedrigem (finanziellen) Aufwand möglich. Werden einzelne Räume von Anfang an etwa gleich groß geplant, erlauben sie später ebenfalls leichter eine andere Nutzung.

Wer einen Teil des Hauses später als Einliegerwohnung nutzen oder vermieten möchte, sollte auch dafür sinnvoll vorplanen und dies bei der Raumaufteilung beachten. Wichtig sind dann eigene Sanitärräume, zusätzliche Installationsmöglichkeiten für eine Küche oder auch eine separate Zugangsmöglichkeit. Wird das Haus direkt oder zu einem späteren Zeitpunkt von mehreren Generationen genutzt, bekommt die Trennung der verschiedenen Wohnbereiche oft noch einen größeren Stellenwert. Ein zentraler Flur oder ein Treppenhaus können dann einzelne „Flügel“ voneinander abgrenzen und gleichzeitig als akustischer Puffer dienen.  

Wenn statt des Dachgeschosses der Keller als Wohnraum genutzt werden soll, ist es notwendig, verschiedene Punkte bei der Planung zu beachten. Dann muss nämlich eine gewisse Raumhöhe eingehalten werden und die Fensterflächen müssen eine bestimmte Größe aufweisen. Unter Umständen können vorhandene Lichtschächte später umgebaut werden. Durch eine Böschungsabschrägung lassen sich größere Fenster auch überirdisch einplanen.

Wichtig ist, dass die Baugenehmigung eine dauerhafte Nutzung als Wohnraum zulässt. Die Bauordnung des Landes Nordrhein-Westfalen zeigt hier exemplarisch, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen.

An Barrierefreiheit denken

Ein Punkt der heute ebenfalls immer mehr an Bedeutung gewinnt, ist die komfortable Nutzung des Wohnraums im Alter. Durch eine zunehmend eingeschränkte Mobilität ergeben sich nochmals starke Veränderungen bei den Anforderungen. Vor allem Treppenhäuser oder auch einzelne Stufen und Schwellen können später zu unüberwindbaren Hürden werden. Dann ist es vorteilhaft, wenn der gesamte Wohnraum im Erdgeschoss liegt oder anderweitig barrierefrei zugänglich ist. Der Flächenbedarf ist dann meist kleiner, beziehungsweise es wird aktiv weniger Fläche genutzt. Dann ist es sinnvoll, bisherigen Stauraum oder Möbel, die nicht mehr genutzt werden konsequent zu entfernen. So lassen sich Räume zusammenlegen oder auch mehr Platz schaffen, um sich in der Wohnung bequem mit einer Gehhilfe zu bewegen.  

Auswirkungen auf die Grundstücksgröße

Je nachdem wie die Räume im Grundriss aufgeteilt werden sollen, wirkt sich dies auch auf die notwendige Grundstücksgröße aus. Limitierende Vorgaben sind hier Bestimmungen der Bauverordnung, die etwa die maximale Geschossanzahl festlegen. Zudem wird durch die sogenannte Geschossflächenzahl das Verhältnis zwischen Geschossfläche und der Grundstücksfläche definiert. Die Grundflächenzahl spielt ebenfalls eine wichtige Rolle: Sie gibt vor, welche Fläche des Grundstücks insgesamt bebaut werden darf. Dabei sind auch Garagen, andere Nebengebäude oder die Zufahrt zu berücksichtigen. 

Als Richtwert für die Grundfläche eines Einfamilienhauses gilt derzeit etwa eine Größe von 150 Quadratmetern. Für einen Bungalow sind hingegen eher 200 Quadratmeter zu veranschlagen. Hinzu kommen Flächen für Terrassen oder die Garage.