Recycling: Eine Kampfansage an unsere Wegwerfmentalität

Lieber reparieren als wegwerfen

Das Überangebot an Waren – teilweise zu einem günstigen Preis – suggeriert uns, dass Reparaturen nicht nötig sind, weil alles billig nachgekauft werden kann. Oder liegt es daran, dass die Langlebigkeit von verschiedenen Geräten und Gegenständen nicht von der Industrie gewollt ist? Ist der rasante Verfall in der Nutzungszeit eingeplant, weil ständig etwas Besseres auf den Markt kommt? 

Es ist beinahe zum Volkssport geworden, wenn ein neues Handy auf den Markt kommt und in den Geschäften zum Kauf angeboten wird, dass die Menschen, teils tagelang, vor dem Verkaufsstart vor den Geschäften campieren, um ja unter den ersten zu sein, die es dann besitzen.

Selbst wenn die Neuerung nur ein neues Design ist und die Funktionen nur ein wenig besser sind – es „muss“ das neueste Handy sein. Das Alte kann hingegen weg, obwohl es eigentlich noch akzeptabel war. Die Angst, einen Trend zu verpassen, treibt sogar ältere Menschen dazu, sich die neuen Geräte zu kaufen. 

Es besteht noch Handlungsbedarf

Deutschland ist zwar beim Recyceln von Müll ganz vorne mit dabei aber dafür auch beim Produzieren von Abfällen. So konnte zwar Europa im Allgemeinen das Abfallaufkommen um acht Prozent senken aber das Müllaufkommen in Deutschland hingegen ist um neun Prozent gestiegen. Jeder Haushalt trägt mit seinem Nutzerverhalten dazu bei. Natürlich ist die Mülltrennung nach wie vor ein wichtiger Aspekt aber noch wichtiger ist es weniger Müll aufkommen zu lassen. Ein gutes Beispiel sind dafür Plastiktüten. Diese verschwinden immer mehr, was auch gut so ist, da Sie unter Umweltgesichtspunkten ein Problem darstellen

Was geschieht mit dem Müll?

Wir glauben immer noch, dass der größte Teil tatsächlich zum Recyceln kommt. Die Realität ist aber, dass die Mülltrenner Europas so viel ungeeigneten Müll in dem gelben Sack entsorgen, dass die Säcke doch in der Müllverbrennungsanlage landen. Viele Giftstoffe wie Stickoxide, einige Schwermetalle, Feinstaub und CO2 werden in die Umwelt abgegeben. Das vergiftet unsere Luft und der Klimawandel wird dadurch beschleunigt. 

Neue Trends keimen auf

Nicht mehr wegwerfen und entsorgen, sondern recyceln und reparieren liegen im Trend. Bemerkenswerte Beispiele dafür lassen sich auch in der Wirtschaft finden. In Holland gibt es z.B. ein Jeans Abo für den Umtausch von abgetragenen Hosen. In Indien können Plastikflaschen als Granulat für 3-D Drucker verarbeitet werden und auch bei uns in Deutschland finden sich viele gute Beispiele:

Refill der Druckerpatronen

Das ist selbst für Ungeübte und absolute Neulinge die einfache Methode, um Bürokosten strikt zu senken. Nachfüllen von Tintenpatronen, die mit Aufwand hergestellt wurden, ist zudem ein guter Beitrag zum Schutz der Umwelt.

Wiederverwertbare Getränkebehälter

Positiver Trend auf dem Gebiet sind Trinkflaschen zum Nachfüllen. Frei von schädlichen Weichmachern und weiteren bedenklichen Stoffen gehören sie in die Schul- und Aktentaschen für den täglichen Bedarf. Selbst Cafés und der kleine Kiosk nebenan nutzen den neuen Trend mit dem kostenlosen Wasser nachfüllen. Viele haben zwar noch immer Bedenken gegenüber Leitungswasser, dass die Wasserqualität nicht ausreichend sein könnte, aber dem ist schon lange nicht mehr so.

Mitfahrgelegenheiten und Carsharing

Nicht nur unter Studenten eine beliebte Variante von A nach B zu kommen. Mitfahrzentralen bieten Gelegenheiten, seine Route anzubieten oder zu suchen. Carsharing, also sein Auto mit anderen zu teilen, erfreut sich großer Beliebtheit.

Tausch und Gebrauchtkauf

Gebraucht kaufen schont nicht nur den Geldbeuten, sondern ist auch gut für die Nachhaltigkeit. Fotolia.com © Armin Staudt

Börsen und Internetportale sind der absolute Trend. Kaum jemand, der nicht schon ein Schnäppchen auf diese Weise erworben hat. Warum auch nicht? Von Designer Mode bis zum Alltagsgegenstand – alles bekommt ein 2. Leben. Große Anbieter und die beliebten kleinen Basare für Kinderkleidung in der Kita sind dabei. Das schont die finanziellen Reserven und ist nützlich für beide Seiten.

Reparatur schont Ressourcen

Ein gutes Beispiel liefert uns dafür die heimische Waschmaschine, die im ungünstigsten Moment ihren Geist aufgibt. Wieder geht die Diskussion in der Familie los: Was ist zu tun? Ohne die Waschmaschine ist die Familie fast hilflos.

Bevor man jedoch die Maschine gedanklich abschreibt oder einen Fachmann vorbeischauen lässt, sollte man erst einmal selbst auf Fehlersuche gehen. Oft kann man auch als Laie viele Reparaturen selbstständig durchführen.

Ein besonders anfälliges Bauteil ist zum Beispiel die Pumpe, die das Wasser hinausbefördert. Oder der Wasserschlauch, welcher als Verbindungsstück zwischen Maschine und Wassersystem dient. Also Fehlerquellen, die sich auch mit etwas Geschicklichkeit, selber ausmerzen lassen. Auch das Flusensieb, welches seit einiger Zeit nicht mehr gereinigt wurde, kann die Quelle des Versagens sein.

Alles was jedoch mit Fachwissen in der Installation verbunden ist, sollte in die Hände von Experten gelegt werden. Auch ein Blick in die Gebrauchsanweisung kann Wunder wirken. Ganz hinten sind oft die Fehlerquellen aufgelistet und zur Lösung nicht immer Fachleute notwendig.

Ein gutes Beispiel ist auch der Mixer im Haushalt. Ausgerechnet ein solcher Gegenstand, der höchste Beanspruchungen aushalten soll, ist aus Kunststoff gefertigt. Schlimmer noch: Der Kunststoff scheint genau solange zu halten, wie die Garantie läuft. Da eine Reparatur bei einem Anschaffungspreis von ca. 14 € tatsächlich nicht sehr wirtschaftlich erscheint, wird der Neukauf vorgezogen. Mit etwas Glück ist jedoch ganz in der Nähe eine kleine Werkstatt, in der das defekte Gerät noch unter Neukaufpreis repariert werden kann.

Kreative Wiederverwertung von Abfall

In einem anderen Artikel haben wir schon einmal gezeigt, dass alte Dinge überhaupt kein Müll sein müssen – wenn man sie richtig in Szene setzt.

Nur weil Dinge kaputt gegangen sind, müssen sie nicht sofort unbrauchbar sein. Man sollte nie vergessen, dass auch in kaputten Gegenständen wertvolle Rohstoffe stecken, die mit viel Aufwand hergestellt wurden.

Selbst Objekte wie alte Autoreifen oder kaputte Gießkannen lassen sich hervorragend umfunktionieren. Mit ein wenig DIY-Geschick entstehen daraus interessante Deko-Artikel, die z.B. im Garten hervorragend zur Geltung kommen.

Wenn man selbst nicht so gerne bastelt, kann man zudem immer noch einen Freund oder Bekannten fragen, der sich mit Sicherheit über kostenloses Material freut, das für das nächste Projekt verwendet werden kann. Im Zweifel findet sich auch ein glücklicher Abnehmer über Kleinanzeigen auf Internetportalen oder beim nächsten Flohmarkt. So wird man seine alten Sachen los und macht anderen noch eine Freude.

Der Ausblick: Neues Verpackungsgesetz macht Hoffnung

Bis zum Jahr 2022 sollen 63 Prozent aller Verpackung aus Kunststoff im Recycling landen. Fotolia.com © Iren Moroz

Ab 2019 wird ein neues Verpackungsgesetz die bisherigen Vorschriften ändern. Größere Recyclingaufkommen werden gefordert und jeder wird seinen Beitrag dazu leisten. Geplant ist, dass 58,5 Prozent aller Verpackungen aus Kunststoff im Recycling landen. Bis zum Jahr 2022 soll sich das auf 63 Prozent noch steigern.

In den Recyclinganlagen, wo die Arbeitsplätze wirklich nicht zu den leichtesten gehören, wird der Müll aus dem gelben Sack auf Transportbändern verteilt und getrennt. So landet Aluminium in dem dafür vorgesehen Container, Plastik in einem weiteren Container, Kunststoffteile wieder in einem anderen Container usw.

Hat der Jogurt Becher seinen Deckel noch, kann er nicht recycelt werden. Plastik zusammen mit Aluminium geht nicht! Also sind wir selber schuld, wenn in den Verbrennungsanlagen Müll landet, der eigentlich neuer Kunststoff werden sollte. Dies sollte jeder für sich bedenken!

Fazit – unsere Mentalität erzeugt Müll!

Wir reden über Umweltschutz und lassen den benutzten Becher irgendwo liegen. Den wird schon einer wegräumen, es gibt ja den grünen Punkt und den habe ich mitbezahlt.

Großer Fehler! Mitbezahlt ist das Recyclen, nicht das Müll aufsammeln. Hier liegt die Crux im Detail. Der Wissensstand über das System ist gelinde gesagt, mau. Wir alle müssen unser Wissen dazu auffrischen.

Tatsächlich zeigen die Erkenntnisse dieses Artikels aber auch, dass es genug Möglichkeiten gibt, um aktiv etwas gegen die zunehmende Vermüllung zu unternehmen. Sei es nun über Recycling, Instandsetzung oder die kreative Wiederverwertung.