Krisenmanagement im Alltag: Praktische Tipps für den Ernstfall

So meistern Sie kritische Situationen und Katastrophen

In dem einen Moment ist noch alles in bester Ordnung und im nächsten stimmt scheinbar überhaupt nichts mehr. Krisensituationen sind nicht planbar: Sie treffen uns völlig unerwartet und werfen uns mitunter ziemlich aus der Bahn. Beispiele dafür gibt es viele: Das kann die Diagnose einer schweren Krankheit sein, der plötzliche Tod eines geliebten Menschen, das unerwartete Ende einer Beziehung oder die Insolvenz des eigenen Unternehmens.

Dass uns Krisen so heftig treffen, liegt auch daran, dass wir in der heutigen Gesellschaft der Illusion unterliegen, durch Fitness-Tracker, Checklisten und ähnliches sämtliche Lebensbereiche optimieren und kontrollieren zu können. In Krisensituationen wird uns dann wieder schmerzlich bewusst, dass es nach wie vor Dinge im Leben gibt, die völlig unvorhergesehen auftreten und sich damit jeder Kontrolle entziehen.
Jeder Mensch erlebt irgendwann einmal so eine Situation, in der er nicht mehr weiter weiß. Wie also gehen Sie am besten mit Krisen um und wie finden Sie den Weg zurück in ein normales Leben?

Die wissenschaftliche Komponente: So reagieren wir auf Stress

In der Forschung nutzt man zwei verschiedene Ansätze, um Stressreaktionen zu beschreiben: Einerseits den biologischen Ansatz, andererseits den psychologischen Ansatz.
Aus biologischer Sicht sind Stressreaktionen körperliche Reaktionen, die durch Stressoren unwillkürlich in Gang gesetzt werden. Dabei handelt es sich um Reize, die von außen auf den Organismus einwirken.
Die körperlichen Reaktionen ermöglichen es, den Stress nach dem archaischen Muster „Flucht oder Kampf“ zu bewältigen. Dafür setzen sie ein Höchstmaß an Energie frei. Der gesamte Körper ist in Alarmbereitschaft – eben, um entweder zu kämpfen oder zu fliehen.
Der psychologische Ansatz hingegen befasst sich damit, welche Reize als Stressoren wahrgenommen werden. Demnach entsteht Stress dadurch, dass eine Person eine belastende Situation für sich als Stress oder Überforderung erlebt, weil sie nicht weiß, wie sie damit umgehen soll.

Die Kindheit legt den Grundstein

Prägend dafür, wie wir mit kritischen Situationen umgehen, ist unsere Kindheit. Haben Ihre Eltern stets aufgepasst, dass Ihnen nichts passiert, oder durften Sie sich selbst herausfordern und haben aus eigener Erfahrung gelernt, mit Misserfolgen umzugehen?

Bewahren Sie einen kühlen Kopf

Eine Krise erwischt uns eiskalt. Wir sind geschockt und fallen aus allen Wolken. Im ersten Moment wollen wir die Situation nicht wahrhaben, doch früher oder später brechen die Gefühle aus uns heraus. Angst, Zweifel und Hoffnungslosigkeit machen sich breit.
Es ist wichtig, diese Gefühle zuzulassen. Allerdings dürfen sie nicht die Kontrolle über uns übernehmen. Wenn wir uns unseren negativen Gefühlen ausliefern, sind wir machtlos und begeben uns in eine Opferrolle. Das hilft uns aber nicht dabei, die Krise zu bewältigen.
Verfallen Sie also nicht in Panik oder Schockstarre, sondern atmen Sie tief durch und versuchen Sie ruhig zu bleiben. Gezielte Entspannungsübungen und Sport helfen dabei, Stresshormone im Körper abzubauen.
So können Sie Ihre Gefühle bewusst steuern und einen klaren Kopf behalten. Mit klarem Verstand und innerer Ruhe sind Sie in der Lage, die Situation objektiv zu betrachten und mögliche Lösungen zu finden.
Schauen Sie nach vorne und versuchen Sie positiv zu denken, anstatt das Handtuch zu werfen. Je eher Sie die neue Situation akzeptieren, desto besser können Sie damit umgehen.

Durch Resilienz die Krise überstehen

Resilienz beschreibt die Fähigkeit, nach einer starken Belastung in den Ausgangszustand zurückzukehren. Für die menschliche Seele ist das etwa gleichbedeutend mit innerer Stärke und Stressresistenz. Resilienz hilft Ihnen, selbst in turbulenten Phasen einen kühlen Kopf zu bewahren, sich der Situation zu stellen, sie zu bewältigen und gestärkt aus ihr hervorzugehen.
Dieses Verhalten lernen einige bereits in ihrer Kindheit. Wenn Sie nicht zu denjenigen gehören, können Sie sich Resilienz durch bestimmte Übungen antrainieren. Denken Sie aber daran, dass sich alte Verhaltensmuster nicht von heute auf morgen abstellen und durch neue ersetzen lassen. Das ist ein Prozess, der seine Zeit dauert und daher viel Geduld und Ehrlichkeit mit sich selbst erfordert.

Nutzen Sie Notfallpläne

Es fällt wesentlich leichter, eine kritische Situation zu meistern, wenn man sich im Vorfeld erkundigt, was man im Notfall tun kann, um die Lage zu retten oder zumindest Schlimmeres zu vermeiden.
 
Schritt für Schritt: Richtig handeln in Notfällen

Der Haushalt ist der Bereich, für den die größtmöglichen Katastrophen und ihre Folgen allgemein bereits bekannt sind. Die Katastrophen, die den meisten materiellen und finanziellen Schaden anrichten, sind Wasserschaden und Brandfall. Gleichzeitig ist es gerade im Haushalt vergleichsweise unkompliziert, sich für solche Situationen einen Notfallplan zurechtzulegen. Umso wichtiger ist es, bei einem Schaden, schnell und kalkuliert zu handeln. Wer zögert, verliert viel wertvolle Zeit und vergrößert den Schaden nur unnötig. Das kann Ärger mit der Versicherung und dem Vermieter bedeuten.
 
Die ersten Schritte im Falle eines Wasserschadens lautet daher: Sofort die Wasserzufuhr abklemmen, den Absperrhahn schließen, im betroffenen Bereich den Strom abstellen und die Elektrogeräte vom Netz nehmen.
Im nächsten Schritt geht es darum, das Wasser schnellstmöglich loszuwerden – mit Eimer und Lappen oder in besonders schweren Fällen mit Hilfe der Feuerwehr. Dabei sollten Sie Hausrat und Möbel aus der Gefahrenzone bringen oder sie hochbocken, damit sie nicht länger im Wasser stehen.

Auch im Brandfall sollten Sie genau wissen, was zu tun ist. Wenn keine Gefahr für Sie besteht, sollten Sie versuchen, das Feuer zu löschen. Trennen Sie vorher die Elektrogeräte in Brandnähe vom Strom. Schließen Sie die Fenster und Türen und alarmieren Sie die Feuerwehr. Warnen Sie andere Hausbewohner und bringen Sie sich gemeinsam mit ihnen in Sicherheit.

Dokumentieren und melden

In jedem Fall sollten Sie, sofern möglich, vor und während der Schadensbegrenzung von der Schadenstelle und allem, was beschädigt wurde, Fotos machen. Das sind für Versicherungen und Vermieter wichtige Belege dafür, was genau passiert ist und wie groß der Schaden ist. Sie sollten schnellstmöglich über den Vorfall informiert werden.

Handeln Sie proaktiv

Unabhängig davon, welche Krise Sie gerade durchleben: Wichtig ist, dass Sie nicht in eine passive Starre verfallen und sich von der Situation beherrschen lassen. Bleiben Sie stattdessen proaktiv. Treffen Sie bewusste Entscheidungen, finden Sie realistische Lösungen und planen Sie die nächsten Schritte.

Persönliche Ressourcen entdecken

Dabei sind die persönlichen Ressourcen ein wichtiger Faktor. Besinnen Sie sich in Krisensituationen auf Ihre eigenen Fähigkeiten und überlegen Sie: Was kann ich tun? Welche meiner Eigenschaften könnten in der aktuellen Situation hilfreich sein? Denken Sie dabei auch an andere Krisenzeiten zurück, die Sie in der Vergangenheit gemeistert haben.

Holen Sie sich Hilfe

Auch das soziale Umfeld gehört zu den persönlichen Ressourcen, sei es der Partner, eine gute Freundin oder die Eltern. Sie geben den nötigen Halt und machen deutlich, dass Sie trotz allem nicht allein sind. Scheuen Sie sich nicht, mit ihnen über die Situation zu sprechen und Hilfe anzunehmen, auch, wenn es schwerfällt.
Je nach Situation ist es hilfreich, sich mit Menschen auszutauschen, die die gleiche Krise durchlebt haben oder noch durchleben. Sie können Ihnen wertvolle Tipps geben, wie Sie mit der Situation am besten umgehen und was Sie in schlechteren Phasen tun können.
Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie die Situation nicht mehr selbst meistern können, ist es sinnvoll, sich professionelle Hilfe zu holen. Das kann ein geschulter Berater sein oder ein ausgebildeter Psychologe. Im Gespräch mit ihnen finden Sie die Lösungsansätze und Strategien, mit denen Sie aus der kritischen Situation wieder herauskommen.

Machen Sie das Beste aus der Situation

Das geschriebene chinesische Wort „Krise“ setzt sich aus zwei Schriftzeichen zusammen. Das eine steht für Gefahr, das andere für Gelegenheit. Demnach ist eine Krise nicht grundsätzlich nur schlecht.

Die Krise als Chance

So unangenehm und aussichtslos Ihnen Ihre Lage auch erscheinen mag – Lebenskrisen haben in den meisten Fällen auch etwas Positives an sich. Das offenbart sich oft erst im Nachhinein und nicht in der akuten Situation.
Auf lange Sicht gesehen, bieten Krisen und extreme Lebensphasen den Betroffenen die Chance, neuen Denkanstößen zu folgen und sich selbst besser kennen zu lernen. Oft wird uns erst durch Krisensituationen bewusst, was unsere wahren Ziele sind, was wir uns vom Leben wünschen und was für uns wirklich wichtig ist. Wir lernen auch, mehr auf unsere Bedürfnisse zu achten. So kann eine Krise letztendlich auch eine gute Wendung für Ihr Leben bedeuten.

Datum: 08.04.2020

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