Ein kleiner Penis ist keine Ausrede für schlechten Sex!

Zeit für Aufklärung

Er glaubt, sein Penis sei zu klein für richtig guten Sex? Und sie glaubt, der Penis ihres Partners reiche nicht aus, um ihr einen Orgasmus zu bescheren? Es wäre schön, wenn wir hier so schnell einen Schuldigen für die Misere gefunden hätten. Dann wären wir selber fein raus aus dem Schneider. Aber so einfach ist das nun einmal nicht. Ein kleiner Penis ist nicht dafür verantwortlich, wenn es im Bett nicht läuft. Schließlich sind daran immer zwei beteiligt. Oder mehrere. Für 

Was ist denn eigentlich ein „zu kleiner“ Penis? 

Der eine macht sich bei 16 Zentimetern Sorgen und der andere bei zehn. Laut einer internationalen Studie beträgt die Durchschnittslänge im schlaffen Zustand 9,16 Zentimeter und im erigierten 13,12. Durchschnitt bedeutet, dass es genauso viele Männer mit mehr wie auch mit weniger Länge gibt. Männer sind eben höchst unterschiedlich ausgestattet. Bis auf Pornodarsteller. Die haben durchweg große Größen. Aber sie werden ja auch nach ihrem Penis ausgesucht. 

Aber nicht jede Frau steht auf grooooß. Wie es Liebhaber von großen oder kleinen, runden oder birnenförmigen Brüsten gibt, gibt es auch Liebhaberinnen von großen und kleinen, dicken oder dünnen Penes. Letzterer ist übrigens der korrekte Plural für den Penis. Hört sich nur etwas ungewohnt an. Manche Frauen mögen es, wenn ihr Partner mit einem großen Penis ganz fest zustößt und anderen bereitet genau dies Schmerzen. Die einen bevorzugen die festere Stimulation durch einen dicken Penis und die anderen wissen zu schätzen, dass ein etwas dünneres Exemplar leichter in eine andere Körperöffnung passt. ;-)

Auch der kürzeste Penis erreicht die weiblichen Hotspots

Der für den weiblichen Höhepunkt empfindsamste Bereich befindet sich NICHT ganz tief hinten in der Vagina. Auch wenn es Frauen gibt, die die Berührung ihres Muttermundes als ganz besonders erotisch empfinden. Dieser ist jedoch auch nicht unerreichbar. Denn eine Vagina hat eine Länge von ungefähr 6,5 bis 12,5 Zentimetern. Nein, wenn es um den Orgasmus geht, ist immer noch die Klitoris die wichtigste Ansprechpartnerin

Als herausragend dabei ist die Klitorisperle zu erwähnen. Die befindet sich mit ihren unschlagbaren 8000 Nervenenden sicht- und fühlbar am Beginn der inneren Lippen. Aber da geht noch mehr. Denn mit ihren beiden nicht sichtbaren Schenkeln zieht sie sich bis zum Scheideneingang und in den Körper hinein. Hier im Inneren befindet sich auch der G-Punkt. Dieser Bereich ist eine Ansammlung von Drüsen, die sich ähnlich der männlichen Prostata um die Harnröhre schmiegen. Bei Erregung füllen sie sich mit Flüssigkeit und sind dann auch mit dem Finger in etwa vier bis fünf Zentimetern Entfernung zum Scheideneingang an der zur Bauchdecke gelegenen Seite tastbar. Dieser ganze Bereich kann ebenfalls zu einer sehr empfänglichen Zone werden. Also, null problemo. 

Kann eine Frau einen Penis tatsächlich nicht spüren?

Es gibt Frauen, die meinen, einen kleineren Penis gar nicht richtig zu spüren. Zumindest habe ich das schon häufiger gehört. Und leider auch so mancher Mann. Dann wird die Schuld schnell auf den armen Penis geschoben. Der kann aber vermutlich gar nichts dafür. Klar, ein wesentlich größeres Exemplar macht mehr Krach. Und wenn man Hochleistungssport mit Rekordtiefen erwartet, mag das auch besser sein. Dann stellt sich mir allerdings die Frage, warum das sein muss. Spürt eine Frau sich selber vielleicht so wenig, dass sie diese Stöße braucht? Fühlt sie sich begehrter, je tiefer der Mann zustößt? Hat sie das so im Porno gesehen? Das sind nur einmal so Denkanstöße. Ein schönes Wort in diesem Zusammenhang …

Wie soll das gehen, einen Penis nicht zu spüren?

Die Vagina ist keine offene Röhre. Sie ist ein Schlauch, dessen Seiten dicht aufeinander liegen. Selbst ein kleiner Tampon muss hindurchgeschoben werden. Wenn wir erregt sind, füllen sich die Gefäße mit Blut und genau dieser Scheideneingang schiebt sich noch enger zusammen und umschließt damit auch jeden Penis. Bei Erregung nehmen wir auch jede Berührung viel intensiver wahr. Wenn wir hingegen nicht wirklich erregt sind, spüren wir tatsächlich weniger. Das bedeutet ordentlich Kopfkino, Vorspiel oder was auch immer wir brauchen, um in Stimmung zu kommen! 

Sich selber anzufassen und zu spüren ist übrigens auch ganz wichtig. Durch die Stimulation der Druckrezeptoren in der Vagina verbindet sich dieser oft vernachlässigte Körperteil viel besser mit unserem Gehirn. 

Gemeinsam haben beide mehr davon

Sie sehen also, ein kleiner Penis ist tatsächlich keine Ausrede für schlechten Sex. Wenn es nicht so gut läuft, spielen fast immer auch andere Faktoren eine wichtige Rolle. Zum Sex gehören eben immer zwei. Und es ist nicht so, dass der eine macht und die andere genießt. Nein, der eine kann schauen, ob er etwas an seiner Bewegung verändert und sich bewusster um die Vulva und den Eingang der Vagina kümmert. Und die andere lässt sich bitte nicht bedienen, sondern sieht zu, dass sie sich so bewegt, dass auch sie zu ihrem „Recht“ kommt. Und beide zusammen spielen mit ihrer Erregung und warten so lange, bis beide startklar sind. Dann macht das Ganze sowieso mehr Spaß. Egal, wie groß der Penis nun ist.

Darauf kann er beim Sex achten, wenn der Penis eher klein und/oder dünn ist

Wie erwähnt, liegt der empfindsamste Bereich einer Frau am Scheideneingang. Und diesen Bereich erreicht man auch mit kurzen Exemplaren. Wenn Ihre Liebste erregt ist, schwillt das äußere Drittel der Vagina so stark an, dass sich der Durchmesser des Scheideneingangs halbiert. Das bedeutet, dass auch Ihre Partnerin richtig in Fahrt sein sollte, bevor Sie überhaupt in sie eindringen. Statt der üblichen Rein-Raus-Bewegung könnt Sie eher kreisende, rührende Bewegungen mit dem Penis machen. Damit massieren Sie den empfindsamen Scheideneingang und sorgen für mehr Berührungspunkte. 

Wenn Frauen sagen, sie spürten nichts, kann das daran liegen, dass sie nicht richtig erregt sind und ganz einfach die Lust fehlt. Und wenn sie nicht erregt sind, erwacht diese wunderbare erogene Zone auch nicht zum Leben. Also empfinden sie auch viel weniger. Vielleicht hatte sie eine andere Erwartung, vielleicht waren Sie einfach zu voreilig gewesen. Davon sollten Sie sich aber nicht beeindrucken lassen. Denn Sie haben davor jede Menge Möglichkeiten zu zeigen, welch großartiger Liebhaber in Ihen steckt! Und dann ist die Penisgröße wirklich nicht mehr ausschlaggebend.

Für Sie sind Stellungen geeignet, bei denen Sie tiefer eindringen könnt:

  • Auch hier gibt es eine Reiterstellung. Im Kamasutra wird diese die stolze Königin genannt. Sie liegen auf dem Rücken und Ihre Liebste setzt sich mit dem Gesicht in Richtung Ihrer Füße auf Sie. Sie können sich dabei an ihren Oberschenkeln festhalten und sie fest auf Ihren Penis ziehen. 
  • In der Hündchenstellung knieen Sie hinter Ihrer Partnerin und könnt auf diese Weise besonders tief in sie eindringen. 
  • Beim Big Mountain stützt sich Ihre Partnerin nicht auf den Oberarmen ab sondern auf einem vor ihr aufgebauten Kissenberg. Das ist gleich etwas bequemer. Oder Sie treiben es in der Küche oder im Esszimmer und sie legt sich mit dem Oberkörper auf die Sitzfläche eines Stuhls. 
  • Wie wäre es mit dem Schmetterling? Dazu brauchen Sie kein Bett sondern einen stabilen Tisch. Sie stehen vor dem Tisch, Ihre Liebste legt sich mit dem Becken am Tischrand auf die Tischfläche und legt ihre Beine über Ihre Schulter. Da haben Sie auch gleichzeitig noch einen ganz wunderbaren Ausblick! Vermutlich muss Ihre Liebste das Becken noch etwas heben. Wem das zu anstrengend ist, legt einfach noch ein Kissen darunter. Oder zwei. 

Analsex? Wunderbar mit einem dünnen Penis! Des einen Freud, des anderen Leid ☺

Anja Drews – Diplom-Sexualpädagogin für ORION

Datum: 04.092020