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Hormonfrei verhüten mit dem Kupferball

Was steckt hinter der Verhütungsmethode?

Hormonfrei verhüten liegt im Trend. Neben der natürlichen Verhütungsmethode durch das Temperaturmessen kommen auch die Kupferkette und der Kupferball immer häufiger zum Einsatz. Was hinter dem Verhüten mit dem Ball steckt und welche Risiken es gibt, erklärt unsere Expertin Anja Drews.

„Wer regelmäßig meine Beiträge liest, hat vielleicht schon mitbekommen, dass ich hormonellen Verhütungsmitteln nicht kritiklos gegenüber stehe. Immerhin wurden Pille, Verhütungspflastern oder der Hormonspirale bereits etliche gravierende Nebenwirkungen nachgewiesen: 

•    Depressionen
•    Lustlosigkeit
•    Erhöhte Gefahr für Thrombosen. 

Das alles muss nicht auftreten, kann es aber. Und trotz dieser Möglichkeit war die Pille über Jahrzehnte das Verhütungsmittel Nummer Eins. Und sie ist es heute noch. Wir sind so sehr daran gewöhnt, dass wir oft gar nicht auf die Idee kommen, uns nach hormonfreien Alternativen umzusehen. Und wenn doch, dann stoßen wir auf natürliche Methoden wie das Temperaturmessen und die Beobachtung des Zervixschleims oder mechanische Verhütungsmittel wie das Diaphragma. 

Einfach geht auch ohne Hormone

Diese Methoden setzen jedoch voraus, dass wir uns etwas Zeit für uns nehmen, planen und vor allem unseren Körper ganz genau beobachten. Hm, lieber nicht, viel zu aufwändig, mag sich jetzt manche Frau denken. Und sich womöglich noch selber in die Vagina fassen zu müssen, bringt die nächste um den Verstand. In diesem Fall scheint das Schlucken einer kleinen Pille eindeutig der bessere Weg zu sein. Immerhin haben einige Präparate ja auch gute Nebenwirkungen wie das Ausmerzen jeglicher Hautunreinheit. 

Die Vorteile liegen also durchaus auf der Hand. Dennoch sollten Frauen oder Paare sich überlegen, ob sie den weiblichen Körper, die weibliche Psyche und die gemeinsame Lust dauerhaft mit den oben genannten Nebenwirkungen belasten möchten. Es ist also zu begrüßen, wenn hier weiter geforscht wird. Mittlerweile gibt es gute Alternativen, die wie die Kupferspirale oder die weniger bekannte Kupferkette über Kupfer statt Hormone wirken. Ebenfalls über Kupfer wirkt nun auch der Verhütungsball. 

Kupfer ist bei der Verhütung auf dem Vormarsch

Der Verhütungsball, Kupferball oder auch Intrauterinball (IUB) ist das modernste der in die Gebärmutter eingesetzten Verhütungsmittel und hat dieselbe Wirkungsweise wie die Kupferspirale oder die Kupferkette. Das Kupfer hemmt hier wie dort die Spermien in ihrer Beweglichkeit. Und wer nicht zum Ziel kommt, kann keinen Treffer landen. Der große Unterschied besteht vor allem in der Form. Denn die Kupferperlen liegen tatsächlich als ballförmiges Gebilde mit einem Durchmesser von 12 bis 18 Millimetern in der Gebärmutter.

Jetzt fragen Sie sich vielleicht, wie denn so ein Ball in die Gebärmutter kommen soll. Das hört sich ja zuerst einmal etwas kompliziert an. Immerhin hat der Muttermund nur eine schmale Öffnung. Es ist aber gar nicht so schwierig. Denn hier hat man sich etwas Besonderes ausgedacht:

  •  Schon länger werden bei verengten Blutgefäßen sogenannte Stents verwendet. Das sind kleine Röhrchen, die aus einem Drahtgeflecht des Materials Nitinol bestehen und dafür sorgen, dass sich die Gefäße nicht schließen können. Die Tauglichkeit dieses Materials wurde also schon millionenfach bestätigt. Und es hat ein Formgedächtnis. Das bedeutet, dass es sich beliebig formen lässt, aber immer wieder in seine ursprüngliche Form zurückkehrt. Stellen wir uns eine Büroklammer vor, die wir gedankenverloren auseinander ziehen und die sich anschließend wieder in ihre ursprüngliche Form zurückdreht. 

Nach demselben Prinzip funktioniert der Verhütungsball. Das Material, auf dem sich siebzehn Kupferperlen befinden, wird langgezogen und über ein schmales Röhrchen in die Gebärmutter geschoben. Am Ziel angekommen rollt es sich wieder zu einem Ball auseinander. Genauso wird dieser auch über das Rückholbändchen entfernt. Das Einsetzen und Herausholen sollte während der Menstruation erfolgen, da in dieser Zeit der Muttermund leicht geöffnet ist.

Die Vorteile auf einen Blick

•    Wie bereits erwähnt, fallen hier die Hormone weg. Die Wirkung entfaltet sich über das Kupfer.
•    Der Verhütungsball kann bis zu fünf Jahren in der Gebärmutter bleiben und sorgt ebenso lange für einen wirksamen Verhütungsschutz
•    Der Pearl Index wird mit 0,3 bis 0,8 angegeben. Der Pearl Index besagt in diesem Fall, dass 3 bis 8 von 1000 Frauen, die ein Jahr mit dem Kupferball verhüten, schwanger werden. Die Pille hat dazu im Vergleich einen Pearl Index von 0,1 bis 0,9. 
•    Der Verhütungsball ist gut verträglich und hat keinen Einfluss auf die Knochendichte. Letzteres kann bei der Dreimonatsspritze der Fall sein. Hier wird dem Knochen durch den Östrogenmangel Calcium entzogen und es kann einer Osteoporose kommen.
•    Es ist keine Fixierung in der Gebärmutterwand nötig wie bei der Kupferkette.
•    Schonung der Gebärmutterschleimhaut.
•    Der Verhütungsball ist besser verträglich als Spiralen.
•    Wichtig für die Lust: Die Libido wird nicht beeinflusst und dicker werden wir auch nicht.
•    Der natürliche Zyklus findet ganz normal statt und somit auch der Eisprung.
•    Sobald der Verhütungsball entfernt wurde, kann eine Frau wieder schwanger werden. Bei der hormonellen Verhütungsmitteln kann das auch schon mal bis zu einem Jahr und noch länger dauern
Es wäre jetzt zu schön, wenn es keine Nebenwirkungen gäbe. Aber die gibt es natürlich auch. In der Anfangszeit kann es zu Unterleibsschmerzen kommen, dazu gesellen sich möglicherweise leichte Blutungen oder stärkere Menstruationsblutungen. Aber wir sind Frauen. Wir schaffen das .

Was kostet der Verhütungsball?

Natürlich wollen Sie jetzt wissen, was das Ganze kostet. Wenn Sie planen, in nächster Zeit schwanger zu werden, lohnt sich diese Anschaffung sicherlich nicht. Denn Sie müssen schon mit 400 bis 500 Euro zuzüglich der jährlichen Kontrolluntersuchungen rechnen. Aber nicht vergessen, der Ball kann fünf Jahre lang in der Gebärmutter liegen bleiben. Und damit liegen die Kosten pro Jahr bei 100 bis 120 Euro. Jetzt können Sie ausrechnen, was Sie die Pille kostet und noch einmal über deren Nebenwirkungen nachdenken.“

Anja Drews – Diplom-Sexualpädagogin für ORION

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