Klingt gut, bringt nix: Wenn die Paartherapie nicht sinnvoll ist

Einige machen bei einer Paartherapie schlechte Erfahrungen

Wenn die Liebe vorm Aus steht, gehen viele zur Paartherapie. Aber ist das Gespräch unter sechs Augen immer von Erfolg gekrönt? Und wenn die Paartherapie nicht sinnvoll ist, was ist daran schuld?

Liebe ist nichts, was man sich vornehmen kann. Sie passiert einfach. Das Herz pocht schneller, wir schweben wie auf Wolken. Dieses Gefühl ist einmalig. Es zu bewahren, ist eine echte Kunst. Kriselt es, ist Hilfe von Paartherapeuten nicht selten die letzte Möglichkeit, das Ruder noch einmal herumzureißen. Nur, hilft eine Paartherapie denn auch immer?

Ratschläge in einer Paartherapie, die nicht sinnvoll sind:

Über den eigenen Schatten springen. Das liegt nicht jedem …

Wenn es Streit gegeben hat, muss einer die Größe haben, die Hand auszustrecken. Psychologen sagen: Das sollte nicht immer der Gleiche sein, sonst herrscht ein Ungleichgewicht. Nur: Wenn einem von beiden dies von Natur aus leichter fällt, warum sollte er diesen Part nicht übernehmen? Der andere bringt dafür vielleicht als Erster Probleme zur Sprache.

Sich gegenseitig spiegeln. Oder der Papagei lässt grüßen …

Therapeuten raten gerne dazu, das, was der andere sagt, zu wiederholen. Wie ein Pilot, der alles quittiert, was ihm der Tower durchgibt. Das so genannte Spiegeln soll vermeiden, dass man aneinander vorbeiredet. Was die Profis dabei vergessen: In hitzigen Diskussionen ist das kaum umzusetzen. Abgesehen davon fühlt man sich dabei wie ein Papagei. Dennoch: Wenn Sie sich nicht hundertprozentig sicher sind, den Partner richtig verstanden zu haben, lieber einmal mehr nachfragen als zu wenig.

Ich-Botschaften formulieren. Schwierig im Eifer des Gefechts …

Der Leitgedanke dahinter: immer schön sachlich bleiben und ohne direkte Kritik die eigenen Gefühle vermitteln. Aber mal ehrlich, wenn Sie stinksauer auf Ihren Partner sind, welcher Satz rutscht Ihnen dann leichter über die Lippen: a.) „Wie kann man nur so blöd sein, die Kamera zu vergessen?“ oder b.) „Schatz, ich ärgere mich, weil ich im Urlaub gerne Fotos gemacht hätte.“ Kritik verpackt sich nun mal nicht immer ruhig und sachlich. Wenn der Puls auf 180 ist, wirken Ich-Botschaften einfach konstruiert. So eine Gesprächskultur bekommt nur hin, wer übt, übt und nochmals übt. Und zwar beide. Nebenbei bemerkt: Brüllen kann auch sehr befreiend sein.

Pauschalisierung vermeiden. Und was, wenn’s stimmt?

Zu gerne poltern sie im Streit aus einem heraus: Wörter, die vermitteln, dass der andere sich „immer“ so oder so verhält oder „nie“ etwas richtig macht. Und was ist, wenn man einen Ehemann hat, der tatsächlich NIE den Müll runterbringt? Warum sollte man das Kind dann nicht beim Namen nennen? Womit die Paartherapeuten recht haben: Besser als pauschale Vorwürfe sind konkrete Beispiele. 

Gemeinsame Hobbys finden. Aber bitte nicht auf Biegen und Brechen

Immer wieder findet man in Beziehungsratgebern den Tipp: Suchen Sie sich ein gemeinsames Hobby, das beiden Spaß macht. Wenn’s klappt, wunderbar. Vielleicht gehört Ihr Mann zu den wenigen Exemplaren, die gern einen Tanzkurs besuchen. Aber was, wenn er Fußball liebt und sie Yoga? Die Freizeit eng bemessen ist – gerade wenn man gemeinsame Kinder hat. Ein gemeinsames Hobby kann kein Pflichtprogramm sein. Ist es nicht wichtiger, dass man trotz aller Freizeitaktivitäten noch Zeit für gemeinsame Unternehmungen findet?