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Laut Studie: Sex hilft gegen Prüfungsangst

Unsere Expertin über die schönste Ablenkung

Die meisten Menschen leiden unter Prüfungsangst oder Lampenfieber. Auch Diplom-Sexualpädagogin Anja Drews geht es nicht anders. Laut einer Studie soll aber die wohl schönste Nebensache der Welt Abhilfe schaffen.

Immer wenn ich vor einer Prüfung oder einer prüfungsähnlichen Situation stehe, erscheint sie wie aus dem Nichts: Die Prüfungsangst. Und immer, wenn ich vor Menschen sprechen muss bzw. das ja eigentlich auch möchte, schießt mir das Lampenfieber durch den Körper. Beides fühlt sich ziemlich ähnlich an: Adrenalinausstoß mit Herzklopfen bis Herzrasen, zittrige, feuchte Hände, rote Flecken am Hals. Egal, wie sehr ich mich vorbereite oder wie gut ich mich mit dem Thema auskenne. Auch wenn es immer heißt, ich sähe so gelassen aus, fühlt sich meine innere Lage ganz anders an. Und ich kann nichts dagegen machen. 

Angeblich soll diese ganz spezielle Aufregung ja gut sein, weil wir dann wachsam bleiben und unser Bestes geben. Und am Ende geht es dann ja auch fast immer gut aus. Trotzdem würde ich einiges dafür geben, dass ich mich endlich auch so gelassen fühle, wie ich rüberkomme. 

Wer kennt das nicht?

Ich bin damit ja auch nicht allein. Viele Menschen leiden unter Prüfungs- und Vor-Menschen-sprechen-müssen-Angst. Und einige von Ihnen kennen das sicherlich auch aus eigener Erfahrung. Bei manchen führt die Katastrophe gar ins völlige Blackout. Und wie Sie bestimmt auch, habe ich schon viele sehr unterschiedliche Tipps bekommen:

•    Eine gute Vorbereitung mit rechtzeitigem Lernbeginn und ausreichenden Pausen.
•    Negative Gedanken durch positive ersetzen, indem ich mich auf die Party nach bestandener Prüfung freue. 
•    Direkt vor der Situation ein paar Minuten Treppen rauf und runter- oder um den Block laufen. 
•    Mir eine Situation vorstellen, in der ich total euphorisch bin, z.B. ein Lottogewinn. Und dann in dem Tonfall und in dem Gefühl reden.
•    Mir die Prüfer oder Zuschauer nackt, in Dessous oder in Tierkostümen vorstellen.
•    Mir vorstellen, ich stünde in einem bis zum Bersten gefüllten Fußballstadion und alle jubeln mir zu.

Soweit die herkömmlichen Ideen. Und ich habe wirklich alles ausprobiert. Im Kopf war da nichts zu machen. Gute Vorbereitung? Haha. Keine Chance. Mir alle nackt vorstellen? Lieber nicht. Am ehesten scheine zumindest ich auf der körperlichen Ebene zu reagieren. Denn das Treppensteigen hat mir tatsächlich am meisten geholfen. Da kann ich mich also weiter austesten. Und es gibt auch noch etwas ganz Besonderes, das ich ausprobieren kann. Und Sie auch.

Weniger Stresssymptome, niedriger Blutdruck

Der Psychologe Stuart Brody von der schottischen University of Paisley hat schon vor geraumer Zeit etwas herausgefunden, das alle Liebeswilligen mit Sicherheit erfreuen wird. Allerdings habe ich diese Studie gerade erst entdeckt, sonst hätte ich es schon längst für Sie austesten können. Und vielleicht ist das ja auch wirklich endlich die ultimative Lösung für alle Prüfungsgestressten: Wer vor einer Prüfung Sex mit dem Partner oder der Partnerin hat, geht deutlich gelassener mit dem Stress um, so Brody. Weniger Stresssymptome, niedrigerer Blutdruck. 

Wohlgemerkt, Sex mit dem Partner oder der Partnerin. Selbstbefriedigung oder Sex ohne Reinstecken haben diesen Anti-Stress-Effekt laut Brody leider nicht. Solosex können Sie demnach aber trotzdem weiterhin hervorragend mit einer Lernpause verbinden oder wenn Sie einfach nur auf neue Gedanken kommen wollen.

Leider zählt nur vaginaler Sex

Brody vermutet, dass das Kuschelhormon Oxytocin seine Finger im Spiel hat. Diesem werden Vertrauensbildung und die Förderung sozialer Bindungen zugeschrieben. Und anscheinend wird es vor allem beim vaginalen Geschlechtsverkehr ausgeschüttet. Die stressreduzierende Wirkung hält laut Studie sogar eine ganze Woche an. Theoretisch müssten Sie sich also innerhalb von sieben Tagen vor einer Prüfung oder einer anderen Ausnahmesituation in einem Liebesspiel vergnügen und könnt anschließend wohlgemut zur Tat schreiten. 

Leider entfaltet laut Brody aber eben auch nur der vaginale Sex diese stressmindernde Wirkung, womit dann ja tatsächlich nur heterosexuelle Paare profitieren. Irgendwie blöd. Schwule Männer oder Frauen, die kein Interesse an dieser Sexpraktik haben, werden demnach weiterhin auf konventionelle Stressreduktion zurückgreifen oder ihre Prüfungsangst ertragen müssen. 

Intimität und Bestätigung schaffen Selbstvertrauen

Mit 24 Frauen und 22 Männern ist die Gruppe der von Brody Untersuchten relativ gering und das Ergebnis daher nicht sonderlich aussagekräftig. Deshalb also keine Panik, wer (gerade) nicht die Möglichkeit zum vaginalen Sex hat. Wer weiß, welche anderen Faktoren in dieser kleinen Untersuchung noch eine Rolle spielten. Ich persönlich denke auch nicht, dass es um den vaginalen Kontakt an sich geht. Ich vermute vielmehr, dass die intensive Nähe zum Partner oder zur Partnerin als auch die Bestätigung, die in dieser Begegnung liegt und das Selbstvertrauen, das dadurch entsteht, zum Wohlgefühl beitragen. Und wer so in seiner oder ihrer Persönlichkeit bestärkt wird, geht auch entspannter in Prüfungen.

Anja Drews – Diplom-Sexualpädagogin für ORION

Quelle: https://www.newscientist.com/article/mg18925365-500-sex-before-stressful...

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