Liebesaffäre: „Verona" steht zwischen zwei Männern

Eine verheiratete Frau spricht darüber wie es ist, ein Doppelleben zu führen

03. November 2016

Wie ist es eigentlich, eine Liebesaffäre mit zwei Männern gleichzeitig zu haben? Eigentlich ist Verona, die 46-jährige Frau, die wir auf ihren eigenen Wunsch so nennen, glücklich verheiratet - eigentlich! Denn Verona liebt nicht nur ihren Ehemann...

Liebesaffäre mal zwei: Verona hat ein Geheimnis

Man sieht ihr nicht an, dass sie eine Liebesaffäre mit zwei Männern hat. Darüber ist sie auch froh. Sie möchte auf keinen Fall, dass ihr Ehemann davon erfährt. „Er käme damit nicht klar, und meine Tochter würde sicher nicht akzeptieren, dass ich ihren Papa betrüge“, sagt sie, und damit ist dann auch die Frage beantwortet, ob wir ein Foto von ihr zu der Geschichte zeigen. Natürlich nicht! Wie schwer es ist, ein Doppelleben zu führen, davon erfahren wir später noch.

Fremdgegangen, aber nicht nur ein Mal

Das Geheimnis, das die Lehrerin aus Berlin hütet: Sie hat seit zwei Jahren eine Liebesaffäre mit einem jüngeren Kollegen. „Nein“, stellt Verona gleich richtig. „Michael ist kein flüchtiges Abenteuer, und wenn ich ihn sehe, tanzen die Schmetterlinge im Bauch. Mit ihm fühle ich mich wieder jung und unbeschwert.

Und warum trennt sie sich dann nicht von Ehemann Holger? „Warum sollte ich“, fragt Verona zurück. „Ich liebe ihn. Er ist ein wunderbarer Ehemann, der mir seit 20 Jahren Sicherheit, Geborgenheit und Glück schenkt. Wir verstehen uns ohne Worte, haben viele Freunde, ein Häuschen und ein gemeinsames Kind, auf das wir sehr stolz sind. Aber nach so langer Zeit prickelt es eben nicht mehr zwischen uns. Das ist aber kein Grund, ihn zu verlassen.“ Ein Doppelleben zu führen - für Verone die logische Konsequenz.

Dann liebt Verona also zwei Männer gleichzeitig. Wie geht das? Und überhaupt: Wissen die beiden eigentlich voneinander? „Michael weiß natürlich von Holger und meiner Tochter Mia, aber meine Familie ahnt nichts von ihm“, gesteht sie. „Das soll auch so bleiben. Sonst gäbe es doch nur ein riesiges Gefühlschaos. Ich will meiner Familie nicht weh tun.“

Unrechtsgefühl wegen Liebesaffäre? Fehlanzeige!

Ein schlechtes Gewissen plagt Verona nie. „Ich nehme Holger und Mia doch nichts weg. Im Gegenteil, ich bin lockerer und fröhlicher als je zuvor. Ich bin glücklich, genieße das behagliche Leben mit der Familie und Abenteuer und Erotik mit Michael. Ist das nicht besser als frustriertes Gezicke, Ehestreit und Langeweile?“

Nach Skrupel, dass sie ein Doppelleben führen muss, klingt das nicht. Eher nach Kaltblütigkeit und einer gehörigen Portion konspirativer Energie. Nur kommt sie im Gespräch sehr sympathisch rüber. Humorvoll, sensibel, klug. Irgendwie traut man ihr das Tricksen, Täuschen und Tarnen gar nicht zu. Fremdgegangen sind wir doch schon alle, aber eine richtige Liebesaffäre über mehrere Monate, gar Jahre?

Wie Familie und Liebesaffäre unter einen Hut kriegen?

Aber wie soll man so ein Doppelleben führen? Wie organisiert man die Treffen mit einem ständigen Liebhaber, ohne dass der Ehemann Lunte riecht?

Es funktioniert deshalb so gut, weil Holger als Veranstaltungstechniker viel auf Messen und oft tagelang unterwegs ist“, erzählt Verona. „Was übrigens auch ein Grund dafür war, dass Michael und ich uns überhaupt nahegekommen sind. Ich wollte nicht immer so lange alleine sein.

Vom Kollegen zur ernsthaften Liebesaffäre

Es war vor zwei Jahren, als der 38-jährige Sportlehrer an Veronas Schule kam. „Wir mochten uns von Anfang an. Auch weil wir beide denselben Humor haben. Es gibt nicht viele Menschen, die mit Ironie umgehen können“, sagt sie. „Dazu ist Michael ein offener, vielseitig interessierter Mensch, mit dem man stundenlang über Gott und die Welt diskutieren kann. Und außerdem ist er durchtrainiert und sieht sehr gut aus.“  Erst haben sich die Kollegen nur auf einen Kaffee getroffen, dann auch mal abends zum Essen. Irgendwann landeten sie im Bett. „Und da habe ich gemerkt, dass das mit Michael eben nicht nur eine flüchtige Liebesaffäre ist.“ Sieht er das auch so? „Er will auf jeden Fall nicht, dass ich Holger wegen ihm verlasse. Er weiß, dass ich in meiner Ehe glücklich bin. Und er selbst fühlt sich noch nicht bereit für eine Familie und Verantwortung. Und ich glaube auch, dass er diese Heimlichkeiten sehr reizvoll findet“, erklärt Verona. Denn irgendwo lauert immer die Gefahr des Entdecktwerdens. Obwohl Verona und Michael ihre geheimen Treffen gut organisieren und extrem vorsichtig sind. 

Ist sie wirklich sicher, dass Holger von all dem nichts merkt? Müsste ein liebender Mann nicht intuitiv spüren, wenn seine Frau ihm nicht treu ist? 

Ich glaube, mein Mann traut es mir gar nicht zu, ein Doppelleben zu führen“, meint Verona. „In seinen Augen bin ich dazu nicht fähig.“ Sie erklärt: „Holger ist ein guter Mensch. Bodenständig und echt. Ein Macher, der unser Haus in Schuss hält, der gern mit Freunden um den Grill sitzt, aber Theater und Kunstausstellungen für sehr überbewertet hält. Er lässt sich nie aus der Ruhe bringen und weiß immer, wie man ein Problem in den Griff bekommt. Er ist mein Fels in der Brandung, ohne ihn könnte ich gar nicht mehr leben.“

Schämt sie sich nicht, einen so lieben Mann zu betrügen? Findet sie es normal, vom Lover zum Ehemann ins Bett zu krabbeln?

Verona zuckt nur die Schultern: „Wer weiß, was Holger auf seinen Geschäftsreisen alles erlebt. Wir sprechen nicht darüber. Ich nehme Holger jedenfalls nichts weg, was er haben wollte. Und ich möchte nicht für den Rest meines Lebens ohne Erotik, Kunst und Sinnlichkeit leben. So wie es jetzt ist, bin ich glücklich: mit dem spannenden Wechsel zwischen meinen zwei Welten.“

Verona wird ihr Geheimnis weiter hüten. So lange, bis Holger dahinter kommt oder Michael genug davon hat, nur Nummer zwei zu sein. Es ist ein Spiel auf Zeit.