Mal ehrlich: Ist Sex so wichtig?

Ist Sex ein wichtiger Bestandteil einer Beziehung?

20. Juli 2016

Ist Sex wichtig, fragen wir uns immer wieder. Und dementsprechend werden viele Studien zum Sexleben der Deutschen durchgeführt, dieses Mal vom Kondomhersteller Durex. Wir fassen zusammen: Sex dauert durchschnittlich 23 Minuten und 53 Sekunden. 

In Rheinland-Pfalz sind die Menschen am zufriedensten, in Sachsen nehmen sie sich am meisten Zeit, im Süden wird häufiger Sexspielzeug benutzt. 45 Prozent der Männer geben ihrem Liebesleben die Note gut. Bei den Frauen nur 37 Prozent. Im Durchschnitt haben die Deutschen zwei Mal pro Woche Sex. 61 Prozent der Männer sagen, dass sie immer zum Höhepunkt kommen, aber nur 17 Prozent der Frauen. Und: Frauen ab 55 Jahren kommen häufiger zum Orgasmus als jüngere Frauen. Aber Zahlen beiseite. Was uns am meisten interessiert, sind doch ganz andere Dinge, etwa: Ist Sex wichtig für die Beziehung? 

Ist Sex wichtig für eine gute Partnerschaft?

Sex ist wichtig für die Paar-Bindung. Sex ist nämlich auch Kommunikation. Bevor Menschen sprechen konnten, konnten sie sich bereits anfassen. Beim Sex zeigen die Partner sich gegenseitig, dass sie sich annehmen, dass sie sich berühren möchten, so wie sie sind. Und die Natur hilft mit: Beim Sex wird das Kuschelhormon Oxytocin ausgeschüttet. Das sorgt für Bindung. Fehlt uns das, vermissen wir die geliebte Person.

Ist Sex auch wichtig für die Gesundheit?

Sehr, allerdings könnte ein Paar natürlich auch gemeinsam joggen gehen. Sex macht mehr Spaß, und es schließt sich ja nicht aus. Aber Sex ersetzt kein Sportprogramm, und es gibt auch nichts, was sich aufstaut und raus müsste. Im Gegenteil: Druck von innen und außen, die Selbstoptimierung zum Top-Liebhaber, der Vergleich mit fiktiven oder medialen Vorbildern, das schadet dem Erleben. Für guten Sex braucht es das Gegenteil, nämlich vor allem Entspannung.

Ist Sex wichtig für unsere Seele?

Ja. Sex schwemmt Stresshormone aus dem Gehirn und sorgt mit einem sehr effektiven Hormon-Cocktail für Entspannung, für Zugehörigkeit und für Bindung. Sex ist regenerativ, motivierend, entspannend und inspirierend gleichzeitig. Das bekommt das beste Antidepressivum nicht so hin. Und das ist auch gut so.

Wie oft in der Woche ist eigentlich normal?

Es gibt kein normal, Hauptsache die Partner sind glücklich mit ihrem Liebesleben. Aber natürlich gibt es dazu Statistiken. So haben die meisten Paare nach 7 Jahren Ehe etwa ein bis zwei Mal pro Woche Sex. Glückliche Langzeitpaare sagen, mit den Jahren wäre es zwar weniger, häufig dafür aber besser geworden. Also Qualität vor Quantität. Außerdem gibt es eine neue Studie mit über 30.000 Befragten. Wer mehr als ein Mal pro Woche Sex hatte, bezeichnete die Beziehungszufriedenheit nicht höher als diejenigen, die öfter pro Woche zusammen schlafen.

Erzielt Selbstbefriedigung dieselbe Wirkung?

Nein. Selbstbefriedigung ist eine tolle Sache, aber beispielsweise das Bindungshormon findet kein Ziel, was schade ist. Aber Sex mit dem Partner und Selbstbefriedigung schließen sich nicht aus. Und sollten sich auch nicht ausschließen.

Ist Sex gleich wichtig für Mann und Frau?

Nach den neuesten Forschungen etwa von David Schnarch nicht sonderlich. Doch jede Libido ist anders. Es ist jedem Paar zu wünschen, in seinen Bedürfnissen ähnlich zu sein, damit nicht ein Partner immer wieder zurückgewiesen wird. Geschieht das nämlich nicht respektvoll, dann wird er irgendwann die Initiative nicht mehr ergreifen. Der klinische Sexualpsychologe Professor Ahlers sagte es kürzlich so: „Frauen investieren Sex, um Liebe zu erhalten, Männer suchen Liebe durch Sex.“

Was macht man, wenn es im Bett nicht richtig klappt?

Nur wenn Partner die Wünsche des anderen kennen, können sie diese auch ausleben. Man sollte Sex wie ein gemeinsames Hobby betrachten. Da übt man auch mal, da geht mal was schief, aber es verbindet und euphorisiert selbst nach einem wirklich miesen Tag.

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