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Safer Sex – Das geht uns alle etwas an!

ORION-Sexualexpertin Anja Drews über ein überaus wichtiges Thema

11. Juli 2016

Safer Sex ist den meisten Menschen sicherlich ein Begriff. Aber was bedeutet das nochmal genau? ORION-Sexualexpertin Anja Drews nimmt sich das wichtige Thema noch einmal ausgiebig vor und klärt über wichtige Fakten auf.

Da gibt es doch die lustigen Plakate mit dem Motto Mach’s mit oder Ich mach’s von der BzgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung), die seit vielen Jahren überall in der Stadt hängen. Die Plakate sind aber nicht nur bunt sondern auch gleichzeitig informativ. Ein Gesicht wird mit der persönlichen Botschaft verbunden, wie man sich vor HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen (STI) schützen kann. Sie sollten bislang die Aufmerksamkeit vor allem auf den Schutz mit Kondomen vor HIV und auch insbesondere Syphilis lenken. Unter dem Motto „Wenn’s juckt und brennt, geh’ ich zum Arzt. Ich will einfach wissen, was Sache ist“ wurde der Fokus auf alle STI erweitert. Denn es gibt mehr sexuell übertragbare Infektionen als HIV, Syphilis und Chlamydien. Und seit dem Frühjahr diesen Jahres gibt es wieder eine neue Kampagne: Egal worauf Ihr steht. Benutzt Kondome. Das Schöne daran ist, dass hier alle angesprochen werden, ob hetero, homo oder bi, pansexuell, queer, Frau, Mann, intersexuell oder was auch immer. Denn Safer Sex betrifft uns in bestimmten Lebenssituationen.

STI sind selten auf den ersten Blick erkennbar

Safer Sex betrifft tatsächlich alle, die wechselnde Liebespartner haben, und ist damit nun wirklich keine alleinige Sache schwuler Männer. Das allerdings scheint bei vielen noch nicht angekommen zu sein. Ganz offensichtlich denken immer noch sehr viele Menschen, dass Safer Sex nur etwas für die anderen sei. „Mir kann doch nichts passieren! Ich passe auf mich auf!“ höre ich häufiger. Dabei verzeichnen wir gerade einen Anstieg bei den Neuansteckungen mit Syphilis. Aber auch der Schutz vor HIV hat für viele in den letzten Jahren an Bedeutung verloren. Nicht zuletzt deshalb, weil es heute Medikamente gibt, mit denen ein Leben mit einer Infektion möglich ist. Das Problematische an sexuell übertragbaren Infektionen ist, dass man in der Regel nicht sehen kann, ob jemand infiziert ist oder nicht. Chlamydien als die am weitesten verbreitete STI können beispielsweise völlig symptomlos verlaufen. Die Folgen jedoch sind gravierend: Sie können letztendlich zur Unfruchtbarkeit führen und betreffen laut der BZgA vor allem Jugendliche und junge Erwachsene. Der oder die Infizierte bemerkt nichts von der Infektion, steckt bei ungeschütztem Sex jedoch munter weitere Sexualpartner an. Die Ansteckungsmöglichkeiten mit STI sind mit dem Geschlechtsverkehr allerdings noch lange nicht erschöpft. Und so sind Kondome auch nicht die einzige Möglichkeit, sich vor sexuell übertragbaren Infektion (STI) zu schützen! Safer Sex ist daher wesentlich mehr als nur der Gebrauch von Kondomen. Aber auch das wissen viele Menschen nicht.

Wer sollte sich schützen und wo kann man sich informieren?

Alle, die Sex mit neuen oder mit wechselnden Liebespartnern und Liebespartnerinnen haben – egal ob Anfänger, Fortgeschrittene, Junge, Alte, Männer oder Frauen – sollten dann Safer Sex praktizieren. Das gilt auch ganz besonders für Außenbeziehungen in ansonsten treu gelebten Partnerschaften! Doch nicht jeder fühlt sich auch tatsächlich angesprochen. Ältere Menschen beispielsweise, die sich nach einer teilweise Jahrzehnte andauernden Partnerschaft zum ersten Mal wieder neu verlieben. „Ich war 40 Jahre mit meinem Mann verheiratet. Nun ist er von mir gegangen und ich möchte gern wieder eine neue Partnerschaft eingehen. Muss ich jetzt beim Sex auf irgendetwas achten?“ Das ist eine Frage, die im Gespräch schon einmal aufkommt. Über Safer Sex kann man auch gemeinsam sprechen und herausfinden, welche Methoden bei welchen Praktiken angesagt sind. Wer sich bereits mit einer STI angesteckt hat, sollte dies seinem Sexualpartner unbedingt mitteilen. Und wer sich genauer informieren möchte, hat verschiedene Möglichkeiten: Bei der BzgA oder der Aids-Hilfe finden sich im Internet alle wichtigen Informationen. Mit Glück wird heute auch in der Schule aufgeklärt, finden sich Beratungsstellen in jeder größeren Stadt. Denkt an Eure eigene Sicherheit und an die Eures Partners oder Eurer Partnerin!

Anja Drews – Sexualwissenschaftlerin für ORION