Verliebt, verlobt…und jetzt? 9 Fakten rund um die Verlobung

Geschichte und Infos

Verliebt, verlobt, verheiratet – so lautet ein altbekanntes Sprichwort. Aber was bedeutet Verlobung überhaupt? Hier kommen die spannendsten Fakten zum Thema!

Die Verlobung ist ein faszinierendes Phänomen. Während sie in einigen Kulturen fast ebenso groß gefeiert wird wie die Hochzeit selbst, ist sie anderswo gar nicht üblich. Trotzdem verbreitet sich auch in Deutschland immer mehr der Brauch, die Verlobung zu feiern und zu einem monate-, manchmal sogar jahrelangen Zustand zu machen. Genau genommen, findet damit eine Rückbesinnung auf alte Traditionen statt. Denn die Geschichte der Verlobung beginnt bereits im jüdischen Gesetz und damit vor mehreren Jahrtausenden.

Fakt 1: Die Verlobung ist alt…sehr, sehr alt!

Wann genau sich das erste Paar verlobt hat und ob es sich um eine freiwillige Entscheidung handelte oder nicht, lässt sich natürlich heutzutage nicht mehr nachvollziehen. Durchaus aber, dass die Verlobung seit jeher im Judentum eine wichtige Rolle gespielt hat. Denn damals brauchte es nicht nur einen Rechtsakt, um eine Ehe zu schließen, sondern dieser fand in zwei Schritten statt: Zuerst war da die Heiligung (damals Erusin oder Kidduschin genannt) und anschließend die eigentliche Hochzeitszeremonie namens Chuppin. Dieser erste Schritt, die sogenannte Heiligung, kann mit der heutigen Verlobung gleichgesetzt werden. Es ging also darum, vor Zeugen die Heiratsabsicht zu bekunden. Eine Tradition, welche anschließend von immer mehr Religionen und Kulturen übernommen wurde, beispielsweise durch die Griechen in der Antike. Bis zum sechsten Jahrhundert nach Christus hatte die Verlobung im Judentum diese Ausprägungsform und umfasste einen Zeitraum von etwa einem Jahr. Währenddessen lebte die Braut noch bei ihren Eltern.

Fakt 2: Traditionell vs. liberal(er) – die Verlobung heute 

In gewisser Weise wurden diese Traditionen also bis heute bewahrt beziehungsweise auch in der deutschen Gesellschaft etabliert. Zumindest die Generation Y, welche sich derzeit im typischen Heiratsalter befindet, legt schließlich großen Wert auf ein traditionelles Familienleben und somit gewinnt die Verlobung wieder an Bedeutung. Trotzdem ergibt sich ein Spannungsfeld zwischen alten und neuen Traditionen. Denn, dass die Braut bis zum Hochzeitstag jungfräulich bleibt und bei den Eltern lebt, ist heutzutage eher die Ausnahme als die Regel. Dass die Verlobung rund ein Jahr andauert, ist hingegen geblieben. Dieser Zeitraum dient mittlerweile in erster Linie der Organisation des Hochzeitstages. Doch es gibt auch Paare, die nach der Verlobung sehr schnell (zumindest standesamtlich) heiraten oder über mehrere Jahre hinweg verlobt sind – vielleicht sogar niemals heiraten. Heutzutage ist die Institution der Verlobung also deutlich liberaler. Für die meisten Paare hat sie eher einen romantischen Wert oder sie betrachten diese praktisch, eben als die erwähnte „Planungsphase“ bis zur Hochzeit. Der Glauben, sei er jüdisch, christlich oder in anderer Form, spielt für viele Verlobte hingegen kaum noch eine Rolle. Groß gefeiert wird die Verlobung, zumindest in unserem Kulturkreis, auch nicht – zumindest nicht in großer Gesellschaft. 

Fakt 3: Sich zu verloben, war nicht immer „in“

Dass die Verlobung derzeit wieder „in“ ist, heißt aber nicht, dass die Tradition über die Jahre hinweg immer gleichbedeutend war. Im Gegenteil: Zwischenzeitlich hatte die Verlobung an Wichtigkeit verloren, was zum Beispiel zur Generation der Babyboomers der Fall war. Sich zu verloben, sozusagen mit Ring und allem „Drum und Dran“ war damals sehr ungewöhnlich. Stattdessen wurde die Heirat pragmatisch angegangen – es wurde sozusagen im beidseitigen Abstimmen ein Entschluss gefasst und anschließend schnellstmöglich die Hochzeit abgehalten. Für manche Menschen ist das der Gipfel der Gleichberechtigung, für andere eher ein Verlust an Romantik.  

Fakt 4: Auch Frauen können einen Heiratsantrag machen

Die Rückbesinnung auf die Tradition, dass der Mann per Kniefall sowie mit Ring einen Heiratsantrag macht, wird also von emanzipierten Frauen kritisch beäugt. Was die Einen romantisch finden, ist für die Anderen ein veralteter Brauch. Die gute Nachricht lautet: Heutzutage ist es zwar nicht üblich, aber auch nicht unnormal, dass die Frau den Heiratsantrag macht. Ob sie dabei ebenfalls auf Kniefall und Ring zurückgreift oder ihren Partner einfach auf das Thema anspricht, ist natürlich jeder selbst überlassen. Eine Verlobung kann also durchaus emanzipiert sein.

Fakt 5: Keine Verlobung ohne Verlobungsring?!

Mit dem Ring ist nun schon mehrfach ein wichtiges Stichwort gefallen. Er gilt für viele Paare als Symbol ihrer Verlobung und somit als „Vorgänger“ zum Ehering. Allerdings gibt es zwei erhebliche Unterschiede: Bei einer Verlobung trägt in den meisten Fällen nur die Frau den Ring und dieser fällt oft deutlich üppiger aus als der spätere Ehering. Während letzterer also eher schlicht aus Gold, Platin oder ähnlichen Materialien gewählt wird und in der Regel – wenn überhaupt – nur mit kleinen Diamanten besetzt ist, stellt unter den Verlobungsringen der Solitär den Klassiker dar. Hierbei handelt es sich um einen Ring mit einem einzelnen Diamanten im Brillantschliff. Die Variationen sind hierbei vielfältig und ebenso die Preise. Die sogenannten „5C’s“ bestimmen also darüber, wie der Verlobungsring schlussendlich aussieht und wie teuer er zu Buche schlägt. Zudem ist es natürlich möglich, einen anderen Ring als den Solitär zu wählen. Eine klassische Verlobung mit Heiratsantrag, Kniefall & Co, aber ohne Ring, ist hingegen unüblich. 

Fakt 6: Der Heiratsantrag ist kein „Muss“

Wie bereits erwähnt, gibt es auch Fälle, in denen kein solcher Heiratsantrag erfolgt – muss er auch nicht. Er ist keine Grundvoraussetzung, um die Ehe schließen zu können. Das gilt ebenso für die Verlobung. Theoretisch kann ein Paar also auch spontan zum Standesamt gehen und einen Hochzeitstermin vereinbaren. Dennoch erhöht die Verlobung die Vorfreude und in der Regel geht einer Hochzeit ja eine gewisse Planung voraus. Selbst ohne offiziellen Heiratsantrag oder Ring, sprechen daher viele Paar von einer „Verlobung“, sobald sie sich eben an die konkreten Hochzeitsplanungen machen. 

Fakt 7: Leider ist die Verlobung nicht immer freiwillig

Während in Deutschland quasi jeder Mensch selbst entscheiden kann, ob er heiraten möchte und wen, ist das in vielen anderen Kulturen (noch) nicht der Fall. Arrangierte Ehen sind in zahlreichen Kulturen nach wie vor gang und gäbe. Manchmal wird schon vor der Geburt eines Kindes entschieden, wen er oder sie später ehelichen soll – sozusagen, sobald das Geschlecht feststeht. Auch, wer sich nicht verloben möchte, sollte daher dankbar sein, überhaupt diese Entscheidung aus freien Stücken treffen zu können. 

Fakt 8: Ein Eheversprechen kann nicht eingeklagt werden

Die meisten Personen können hierzulande aber nicht nur frei entscheiden, mit wem sie sich verloben, sondern auch, ob sie dieses Versprechen einlösen möchten. Denn eine Trennung ist trotz Verlobung jederzeit möglich – und gar nicht so unüblich. Viele Paare streiten während der Hochzeitsplanung so häufig und heftig, dass die Verlobung schlussendlich in einer Trennung mündet, anstatt in einer Heirat. Das sogenannte „Verlöbnis“, wie es im Bürgerlichen Gesetzbuch genannt wird, kann anschließend nicht eingeklagt werden. Denn es handelt sich um ein „nicht einklagbares Eheversprechen“. Wer also seine Meinung ändert, muss keine Konsequenzen befürchten. 

Fakt 9: Verlobte gelten offiziell als „verwandt“

Last but not least, gibt es eine weitere rechtliche Frage zu klären. Angenommen, ein Paar ist verlobt und einer von beiden muss vor Gericht. Muss der Partner dann gegen ihn oder sie aussagen? Die überraschende Antwortet lautet: Nein! Obwohl die Verlobung also keinen rechtlichen Status im Sinne eines einklagbaren Versprechens darstellt, gilt das Paar trotzdem als verwandt. Dementsprechend muss es nicht gegeneinander aussagen. Allerdings gelten andere Rechte, die unter Angehörigen üblich sind, noch nicht ohne die tatsächliche Eheschließung. Das gilt zum Beispiel für das Besuchsrecht auf der Intensivstation. Die Verlobung ist also ein rechtlich besonderer und manchmal komplizierter „Zwischenstatus“. 

Fazit

Es ist durchaus interessant, sich einmal mit der Tradition der Verlobung auseinanderzusetzen – mit ihrer Geschichte, ihren Besonderheiten und weiteren spannenden Fakten. Schlussendlich können Sie aber (zum Glück) selbst entscheiden, ob Sie sich verloben möchten oder diesen Brauch bewusst meiden. Zudem können Paare heutzutage auch ohne Eheschließung zusammenleben oder sich verloben und heiraten, obwohl sie in weit entfernten Ländern wohnen. Es sind wohl gerade diese zahlreichen Möglichkeiten, welche das Konzept der Verlobung bei den jungen Generationen wieder so romantisch erscheinen lassen. Denn die Verlobung gibt scheinbare Sicherheit in einer komplexen Welt. Schlussendlich ist sie aber schlichtweg eine schöne Geste und Bräuche gehören ja irgendwie auch untrennbar zu einer Hochzeit – oder nicht?!

Datum: 19.06.2020