Warum Sex immer wieder spannend ist und wir viel mehr ausprobieren sollten

Langeweile im Bett? Keine Chance!

Berührungen beim Sex sind das A und O! Doch wir alle ticken verschieden und reagieren ganz unterschiedlich auf sie. Und unsere Empfindungen oder Lieblingsstellen können sich aber durchaus im Laufe der Zeit verändern. So lohnt es sich doch, immer wieder Abwechslung ins Liebesspiel zu bringen, weiß Sex-Expertin Anja Drews.

Wo gefallen Ihnen Berührungen beim Sex? An der Klitoris oder den Venuslippen? Im Inneren der Vagina? Was ist mit den Brustwarzen, dem Penis oder den Hoden? Am Damm oder am bzw. im Anus? An den Innenseiten der Oberschenkel? Am Hals oder an den Ohrläppchen? Eine Fußreflexzonen-Massage hat schon so manche Frau an den Rand des erotischen Wahnsinns gebracht. Es gibt jede Menge Möglichkeiten und wir alle reagieren unterschiedlich auf Berührungen. Vielleicht ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass manche Körperbereiche nur dann empfänglich für erotische Gefühle sind, wenn Sie erregt sind.

Und manchmal reagieren wir gar nicht so, wie wir es erwarten würden. Nicht bei allen ziehen sich die Brustwarzen zusammen und bei weitem nicht alle mögen die Berührung am Anus. Männer lieben es, wenn ihr Penis im Fokus der Aufmerksamkeit steht. Sind sie jedoch mit etwas ganz anderem beschäftigt, kann auch hier die Berührung eher ungewünscht sein. Und auch im Zustand der Lust verändert sich die Empfindsamkeit noch einmal. Die einen lieben weiterhin die direkte Stimulation der Klitoris und andere empfinden das eher als unangenehm bis sogar schmerzhaft. Es ist also ganz normal, dass sich nichts auf Knopfdruck immer gleich regt.

Alles verändert sich im Leben

Und obwohl wir das alles eigentlich ganz genau wissen, konzentrieren wir uns beim Sex oft auf immer dieselben Stellen. Wenn wir erst einmal länger mit jemandem zusammen sind, reduziert sich zumeist die Zeit, die wir im Liebesspiel miteinander verbringen. Wir haben bald herausgefunden, wo er oder sie am leichtesten zu erregen ist. Und steuern direkt darauf los. Es scheint fast so, als würde unser Körper losgelöst von der Seele agieren. Aber das tut er nicht. Körper und Seele gehören ganz besonders beim Sex zusammen. Das eine wäre ohne das andere nicht denkbar. Und so kann es durchaus sein, dass sich Empfindungen oder Lieblingsstellen ändern oder wir uns im Laufe der Zeit schlichtweg langweilen bei immer derselben Prozedur. So aufregend die auch am Anfang gewesen sein mag. Und dann wundern wir uns zuerst und sind anschließend frustriert.

Do it yourself geht auch anders

Ganz zu schweigen von der Selbstbefriedigung. Wenn wir erst einmal wissen, wie wir am schnellsten zum Ziel kommen, nehmen wir doch meistens auch diesen Weg:

  • Warum sich lange aufhalten mit dem Streicheln des eigenen Körpers? 
  • Warum erkunden, wo Berührungen noch schön sein könnten
  • Welcher Mann befasst sich intensiv mit seinem Damm und der darunterliegenden Prostata, wenn es doch mit einer gezielten Auf- und Abbewegung am Penis so viel schneller geht? 
  • Welche Frau beschäftigt sich bewusst mit ihrem Genital, wenn sie doch weiß, dass der Vibrator oder das Anspannen der Beckenbodenmuskulatur einen schnellen Orgasmus versprechen? 

Hier lässt sich noch so viel entdecken! Was erregt uns? Können wir die Erregung noch steigern, bevor es los geht? Welche anderen Berührungen sind möglich? Können wir mit dem Rhythmus, der Körperspannung oder der Atmung spielen?

Immer wieder neue Wege gehen

Deswegen ist es ganz wunderbar, wenn wir zwischendurch, ob allein oder zu zweit, immer wieder einmal innehalten und eine Art Bestandsaufnahme vornehmen. Was läuft gerade? Womit sind wir zufrieden? Was fehlt uns? Und wie können wir das ändern oder erweitern? Dabei sollten wir ehrlich mit uns selber und offen für die Anregungen unserer Liebsten oder unseres Liebsten sein. 

Wir sind gerade in unserer Sexualität sehr verletzlich und reagieren schnell mit Rückzug, wenn vermeintliche Kritik oder unsensible Verbesserungswünsche an uns gerichtet werden. Wollen wir aber unser Liebesleben abwechslungsreich und befriedigend gestalten, müssen wir vom einfachsten Weg abweichen und uns weiterentwickeln. Denn es kann tatsächlich sehr gut sein, dass wir im Laufe der Beziehung neue Wünsche entwickeln, dass wir auf ganz neue Ideen kommen, dass wir einfach mehr wollen

Liebesrituale entwickeln

Vielleicht wissen wir auch noch gar nicht, was wir noch ausprobieren wollen. Dann können wir uns gegenseitig inspirieren und daraus ein Liebesritual machen. 

  • Einmal im Monat wird nur gestreichelt und der Körper des oder der anderen erforscht. Und das ganz absichtslos ohne konkrete sexuelle Handlungen. Einfach nur genießen, sich nahe sein und darüber austauschen. Welche Berührungen fühlen sich wo gut an? Über die Haut streichen, sanftes Druck ausüben, leichtes Klopfen. Mit den Händen, einer Feder, einem Eiswürfel, einer Saunabürste. Eine halbe Stunde und dann wird abgewechselt. Dabei dürfen Sie beide auch die intimsten Stellen erkunden. Wichtig ist aber immer die Absichtslosigkeit, damit kein Druck entsteht.
  • Jeder Partner darf fünf Karten mit einem Wunsch beschriften. Das kann alles sein, vom romantischen Abend bis hin zur gekonnten Bondage-Fesselung. Seid aber so konkret wie möglich dabei, damit der andere Euch auch versteht. Beschreibt beispielsweise, was genau Sie sich unter dem romantischen Abend vorstellt. Zieht abwechselnd die Karten und lesen Sie sie sich vor. Es besteht kein Handlungszwang. Aber was können Sie sich vorstellen umzusetzen? Und was geht vielleicht in veränderter Form? Vielleicht sind Sie erschrocken, vielleicht sind Sie aber auch erleichtert. Und vielleicht finden Sie sich anschließend beim gemeinsamen Bondage-Kurs wieder.

Spüren Sie in sich hinein und seien Sie ehrlich zu sich selbst und Ihrem Liebsten oder Ihrer Liebsten gegenüber. Nur wenn wir wissen und deutlich machen, was wir wollen, bekommen wir es auch! Und ganz bestimmt entdecken wir zu zweit oder auch allein noch ganz neue erotische Welten!

Anja Drews – Diplom-Sexualpädagogin für ORION

Themen