Ach du Schande, die Handtasche ist weg! Und jetzt?

Wer sein wichtigstes Utensil verliert, hat viel Ärger am Hals

Egal ob XL-Alltagsbeutel oder schicke Abend-Clutch. Wenn die Handtasche verschwunden ist, sind nicht nur einige Euros in Gefahr, sondern noch sehr viel mehr. Schnelligkeit geht dann über alles. Alle nötigen Notfall-Schritte gibt’s jetzt bei uns. 

1. Ist sie wirklich, wirklich weg?

Natürlich ist es obligatorisch, sich zu vergewissern, ob die Tasche wirklich verschwunden ist. Allerdings sei unterstrichen, dass alle folgenden Punkte zwar schnell eingeleitet werden können, aber kaum rückgängig zu machen sind. Also: scharf nachdenken und alle Regeln des Wiederfindens von Sachen anwenden:

  • Wo hat man die Tasche das letzte Mal mit Sicherheit gesehen?
  • War jemand Bekanntes dabei, der sie später nochmal gesehen hat?
  • Wo, wann und in welchem Zusammenhang hat man die Tasche evtl. abgelegt?
  • Gab es unterwegs irgendeine Möglichkeit, sie liegenzulassen? (Taxi, Busfahrt etc.) Wenn ja, kann man dort anrufen?
  • Wurde die Tasche schon mal verlegt? Wo tauchte sie anschließend wieder auf?

Weitere Tricks, wie „eine Nacht drüber schlafen“ fallen bei etwas so Wichtigem aus. Maximal eine Viertelstunde sollte man suchen. Danach wird es unabdingbar, sich selbst zu schützen. Denn in der Tasche steckt buchstäblich Dynamit für monetären und Identitätsdiebstahl.

2. Handy finden

Die gute Nachricht, es gibt, falls das Smartphone in der Tasche war, zumindest eine Chance, alles zu lokalisieren. 

  • Für Android-Handys muss man dazu die Google-Handysuche bemühen und die Kontaktdaten bereithalten, mit denen man sein Smartphone eingerichtet hat. 
  • Für iPhones benötigt man ein zweites Apple-Gerät, mit dessen Hilfe man dann die Suche ausführen kann.

Allerdings sind beide Vorgänge äußerst vage. Wirklich präzise lässt sich der Handy-Standort nur bestimmen, wenn GPS-Verbindung besteht – und das ist in den Tiefen der Handtasche eher unwahrscheinlich. Aber: Auf dem gleichen Weg kann man zumindest das Handy sperren. Damit verhindert man wenigstens, dass jemand damit (weiteren) Unfug anstellt, der einen mitunter viel Geld kosten kann. Bitte nicht auf den Sperrcode des Handys verlassen. Sowas lässt sich auf elektronischem Weg umgehen!


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Der PIN des Sperrbildschirms schützt das Handy kaum. Das kann man mit der richtigen Software spielend leicht überwinden. Gerätesperrung ist also unumgänglich.

3. Karten sperren

In den meisten Handtaschen dürften sich Portemonnaies befinden. Von deren Bargeldinhalt kann man sich schon mal verabschieden. Es kommt immer seltener vor, dass verlorene Handtaschen zurückgegeben werden, ohne dass der Bestand an Scheinen und Münzen geschrumpft ist. Doch das ist nur Bargeld. Mehr als das kann der „Finder“ nicht ausgeben. Bei den Kredit- und Bankkarten sieht es jedoch schwieriger aus – selbst wenn man nicht den Kardinalsfehler beging und sich die PIN-Codes auf Zetteln in der Tasche befinden... 

Zwar ist das Anbahnen einer Kartensperrung relativ einfach – das geht einheitlich über die Sperr-Notrufnummer 116 116. Allerdings ist es dazu notwendig, dass man für die Bankkarte sowohl entweder die IBAN zur Hand hat oder zumindest Kontonummer und BLZ. Generell ist es deshalb notwendig, nun auch noch einen weiteren Schritt zu tun:

4. Zur Polizei

Jetzt müssen die Gesetzeshüter ran – schon damit man, falls mit dem Inhalt der Tasche irgendwelche Käufe getätigt werden, seiner Bank gegenüber Ansprüche anmelden kann. Über die Polizei (und nur darüber) kann dann der KUNO-Sperrdienst informiert werden. Dazu ist es absolut notwendig, Anzeige zu erstatten. Dies bitte in jedem Fall tun, auch wenn man nur glaubt, die Tasche verloren zu haben – wird sie gefunden und ihr Inhalt zweckentfremdet, handelt es sich ebenso um eine illegale Handlung. 

Auch diese Maßnahme sollte allerschnellstens geschehen. Nochmal: Erst wenn die Polizei den Verlust aufgenommen hat, ist man vor finanziellen Folgeschäden abgesichert und bekommt bspw. sein Geld zurück, falls jemand das Konto leerräumt oder mit der Kreditkarte auf Einkaufstour geht. Doch erst ab der Uhrzeit, die auf der Anzeige steht, ist man geschützt. 


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Wegen einer verlorenen Handtasche sollte man nicht die 110 bemühen – dort hat man wirklich Wichtigeres zu tun. Die Anzeige kann auf dem nächsten Revier erstattet werden.

5. Accounts

Je nachdem, wie komfortorientiert man sein Handy nutzte, sind jetzt nicht nur die Login-Daten von Facebook und Co. in Gefahr, sondern auch Amazon, PayPal und viele andere Seiten, bei denen man Identifikations- oder Zahlungsdaten hinterlegt hat – leicht zugänglich im Browser oder der App abgespeichert. 
Deshalb geht es nun folgendermaßen weiter:

1.    Sich an ein internetfähiges Gerät begeben 
2.    eine schnelle Auflistung aller Accounts machen, in die sich ein Finder nun einloggen könnte
3.    Sich auf gmx, mail.de oder einer ähnlichen Seite eine neue E-Mail-Adresse erstellen
4.    Sich für alle Accounts ein neues Passwort ausdenken, das mit dem Alten absolut gar nichts zu tun hat
5.    Sich überall einloggen und sowohl E-Mail wie Passwort austauschen

Auch diese Maßnahme sollte so schnell wie möglich getroffen werden. Um einen Zeitrahmen zu nennen: Von dem Moment, an dem man den Verlust bemerkte, bis hierhin, sollten inklusive Anzeige höchstens zwei Stunden vergangen sein.

6. Schlüssel

Über den Inhalt der Handtasche bekommen dunkle Gestalten die eigene Adresse frei Haus geliefert – samt Schlüssel. So rasch wie möglich sollte nun also zumindest das Haustürschloss ausgetauscht werden. Achtung: Mieterinnen müssen auch ihren Vermieter vom Verlust in Kenntnis setzen. 

Dann nimmt man den Ersatzschlüssel des Autos und fährt den Wagen weit weg. Nicht in die nächste Parallelstraße, sondern im Idealfall quer durch die Stadt – sonst bräuchte der Finder nur langsam ums Haus zu fahren und immer wieder die Entriegelungstaste drücken. Das Auto zeigt ihm ja per Blinker selbst an, wenn er es gefunden hat. 


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Bis man im Auto neue Schlösser hat, sollte der Wagen mindestens einen Kilometer von der Wohnung geparkt werden, sonst ist er leicht zu klauen.

7. Die nächsten Tage

Die gute Nachricht: mit diesen sechs Schritten hat man das elementar Wichtigste erst mal abgehakt. Doch der Verlust ist noch nicht durchgestanden. In den kommenden Tagen liegt so einiges an Arbeit an. Am besten ist es, alles gleich am nächsten Werktag zu erledigen – auch wenn man dafür Urlaub nehmen muss. 

  • Mit Geburts- und Heiratsurkunde, einem biometrischen Passfoto, etwaigem Reisepass und den Papieren der Anzeige aufs Amt fahren, den alten Personalausweis sperren lassen und einen neuen beantragen – schließlich ist es Pflicht, ihn mitzuführen. 
  • Einen neuen Führerschein beantragen. Meist gibt es für ihn und den Personalausweis bei gleicher Gelegenheit vorläufige Dokumente.
  • Den Handyprovider verständigen und eine neue Nummer beantragen. Das ist zwar ebenfalls mit zusätzlicher Arbeit verbunden, aber wiederum für alles notwendig, bei dem man sich mit der alten Handynummer eingeloggt hatte – so hart es klingt, die alte Nummer muss als kompromittiert angesehen werden. Insbesondere wer über die Telefonnummer Onlinebanking betrieb, sollte die Sache nicht auf die leichte Schulter nehmen. 
  • Auf die Bank gehen. Zunächst einmal, um schon mal festzustellen zu lassen, ob es über die Karten in der Handtasche irgendwelche Zahlungen oder Kontobewegungen gab. Alles, was nach dem Verlust passierte, kann mit der Anzeige in Petto von den Bankangestellten rückgängig gemacht werden. Und wenn man schon da ist, müssen alle Karten neu beantragt werden. 
  • Bei der Krankenversicherung anrufen. Auch die Versichertenkarte muss gesperrt werden. Zumindest muss man aber eine neue bestellen. 
  • Auf die Kfz-Zulassungsstelle fahren (unbedingt den großen Fahrzeugbrief mitnehmen), dort die Fahrzeugpapiere als verloren melden und sich neue ausstellen lassen. 
  • Den Arbeitgeber informieren, falls in der Handtasche irgendwelche Zugangskarten oder Schlüssel waren.  
  • Bei der Kfz- und Hausratversicherung anrufen und die Schlüsselverluste melden. Erstere kann u.U. entscheiden, dass am Auto die Schließanlage ausgetauscht werden muss – auf den Kosten von bis zu 3000 Euro wird man allerdings sitzenbleiben. 

Auch hilft es, nun beim Fundbüro eine Telefonnummer zu hinterlegen. Vielleicht gibt ja doch noch jemand die Tasche ab. Ist das allerdings nach einer Woche noch nicht geschehen, kann man anfangen, die Scherben zusammenzukehren. Sprich, Fotos neu auszudrucken, neue Kundenkarten von all den Geschäften zu besorgen, ein neues Handy zu kaufen. Ja, die verlorene Handtasche hat die Wirkung einer Bombe. Deshalb kann man auch nur versuchen, die Schäden zu minimieren.