Aktuelle Trends in Deutschland im Überblick

Von Fitness über Superfood bis Umweltschutz

05. Dezember 2019

Der Zeitgeist bleibt niemals stabil, er ändert sich zumeist ganz allmählich, fast unbemerkt. Derzeit ist allerdings mächtig was los in Deutschland und der Welt – das liegt zum großen Teil an der Digitalisierung und dem schnellsten Informationsfluss, den die Menschheit jemals kannte. Trends schwappen wie Wellen über uns hinweg. Aber einige von ihnen kommen auch, um länger zu bleiben. Was ist los in unserem Land? 

Eine feste Regel gilt immer, wenn sich in einer Gesellschaft wichtige neue Trends ergeben: Vorher kommt irgendeine Art von Bewusstseinsänderung auf, die einen Großteil der Menschen betrifft. 

Gesundheit im Fokus: Superfood-Boom 

Das Thema Gesundheit erhält beispielsweise in den letzten Jahren verstärkt Beachtung, und dabei ganz besonders die gesunde Ernährung. Vielen Menschen ist klar geworden, dass industriell hergestellte Fertigprodukte eben nicht das Gelbe vom Ei sind, sondern unserem Körper oft eher schaden als nutzen. Aus dieser Erkenntnis folgt die Suche nach einer Nahrung, die uns wirklich aufbaut, am besten hoch konzentriert, und voller wichtiger Nährstoffe. Kein Wunder also, dass gerade jetzt die sogenannten Superfoods entdeckt wurden, natürliche Lebensmittel mit herausragenden Eigenschaften. Heidelbeeren mit ihren Anthocyanen und Antioxidantien gehören dazu, ebenso wie Açai-Beeren, Bocksdorn und natürlich die plötzlich allseits bekannten Chiasamen. Mit diesen und anderen Zutaten lassen sich individuelle Müslis gestalten, ganz nach persönlichem Bedarf. Das geht zum Glück ziemlich schnell, sodass die Superfoods sogar in der kurzen Frühstückspause am Arbeitsplatz zum Zuge kommen. 

Fitness für mehr Lebensqualität

Passend dazu erlebt nachhaltige Fitness einen wahren Boom. Hier dreht sich nicht nur alles rund um das Thema gesunden Sport, sondern auch die Ernährungsfragen kommen nicht zu kurz. Ganzheitliche Konzepte sind derzeit gefragt wie nie, denn die Menschen möchten sich rundum gesund und fit fühlen, um ihren Alltag besser zu meisten. Sie wollen Krankheiten und Schmerzen so gut es geht vorbeugen, damit sie ihr Leben auch im Alter noch genießen können. Purer Muskelaufbau rückt in diesem Zusammenhang eher in den Hintergrund, ebenso wie die vor Kurzem noch so beliebten Diäten durch Sport. Lebensqualität zählt aktuell noch mehr als nur das verbesserte Aussehen. Wahrscheinlich haben wir hier einen Gegentrend zum Dauer-Display-Watching vor uns, der uns unseren Körper wieder richtig bewusst macht und uns mahnt, ihn zu pflegen. Teile Deutschlands haben ganz eindeutig zu einer neuen Achtsamkeit gegenüber sich selbst gefunden. 

Auch der Geist will trainiert sein

Doch nicht nur der Körper zählt, sondern auch der Geist – die neue Achtsamkeit richtet sich ganz folgerichtig auch auf das Innere. Die kognitiven Funktionen, das strategische Denken, die generelle, vorwärtsgewandte Ausrichtung: Menschen, die ihr Leben wertschätzen und achten, trainieren diese wichtigen Soft Skills regelmäßig, genau, wie sie auch ihren Körper schulen. Die Lebenserwartung steigt, und darum ist es umso wichtiger, den Kopf auf Trab zu halten, um schlussendlich zu den aktiven Senioren zu gehören, die ihr Leben noch richtig genießen können. Dabei helfen nicht nur Meditationsübungen wie zum Beispiel Yoga, sondern auch klassische Spiele. Schach fördert vor allem das Denkvermögen und die Logik. Und wenn unter Zeitdruck gespielt wird, bessert sich bald auch das Reaktionsvermögen. Blackjack hingegen kann die Konzentration verbessern, da das schnelle Kartenspiel dazu herausfordert, pausenlos den Überblick zu behalten. Wer hier reaktionsschnell ist, begeht auch keine der häufigen Fehler beim Blackjack. Beim nächsten Treffen mit Freunden kann aber auch ein Klassiker wie Memory herausgekramt werden. Das Erinnern der verschiedenen Motive sorgt dafür, dass der Geist auf Trab gehalten wird und sorgt dazu noch für gute Laune.

Podcasts und individuelle Informationen

Kein Wunder also, dass auch Podcasts so sehr im Trend liegen: Sie vereinen ebenfalls die digitale Dimension mit dem analogen Raum, und das auf eine ganz praktische Weise. Während das Smartphone als akustischer Media-Player dient, genießt der Nutzer die Freiheit, zu tun, was auch immer ihm gerade einfällt. Vielleicht übt er seinen Lieblingssport aus, fährt Auto oder putzt die Wohnung. Dank der Bluetooth-Lautsprecher kann es rundherum gern auch etwas lauter zugehen, die Botschaft aus dem World Wide Web bleibt immer noch gut verständlich. Ein gutes Stück weit haben Podcasts mittlerweile das Radio abgelöst, schon allein deshalb, weil die Menschen immer mehr dazu neigen, ihr Programm selbst zu bestimmen und sich nicht mehr undifferenziert berieseln zu lassen. Insgesamt unterstützt das Netz die individuelle Informationsbeschaffung und schafft nebenbei auch die Möglichkeit, seine Vergnügungen ganz persönlich auszusuchen, ohne dabei unbedingt das Haus verlassen zu müssen. 

Greenwashing als Negativ-Trend im Marketing

Gerade aufgrund der wachsenden Individualität ihrer Zielgruppen müssen Unternehmen in Deutschland heute sehr vorsichtig sein. Niemand löst gern mit seiner Marketing-Strategie einen Shitstorm im Netz aus, besser ist es, positiv aus der Rolle zu fallen. Umwelt- und Klimaschutz sind zwei Themen, die den Menschen zu Herzen gehen. Spektakuläre Schritte auf diesem Gebiet sorgen für jede Menge Aufmerksamkeit, das haben auch die professionellen Marketingstrategen für sich entdeckt. Aus diesem Grund hat sich in den letzten Jahren leider das Greenwashing etabliert, PR-Aktionen, die ein grünes Image erzeugen, ohne dass tatsächlich etwas Greifbares dahintersteckt. Greenwashing geschieht aus rein kommerziellem Interesse, der Umweltschutz dient in diesem Fall nur als Feigenblatt. Doch gleichzeitig erhöht sich bei anderen Firmen auch die tatsächliche Bereitschaft, ökologisch sinnvolle Schritte zu unternehmen. So verschwinden bei einer steigenden Anzahl von Produkten reine Plastikverpackungen und werden durch umweltfreundlichere Alternativen ersetzt. Auch Unternehmen können schließlich achtsam sein. 

Der Megatrend Umweltschutz

Bei dem Thema Umweltschutz handelt es sich übrigens um einen Megatrend, der auch international für viel Furore sorgt. In Deutschland gehören sowohl die Energiewende als auch die neue Schwemme von Bio-Märkten dazu – und natürlich auch das ganz individuelle Umdenken jedes einzelnen Konsumenten. Nur wenige Menschen haben allerdings bislang den Punkt erreicht, dass sie (fast) plastikfrei und völlig emissionsarm leben, sondern es handelt sich eher um eine allmähliche Entwicklung, die immer wieder neue Blüten treibt. Um das eigene Leben so ökologisch wie möglich zu gestalten, braucht es trotz aller gesellschaftlicher Bemühungen derzeit noch viel Entschlusskraft und Ausdauer. Dann ist zum Beispiel Fahrrad- statt Autofahren angesagt, der Fleischverzicht naht und der Einkauf beim regionalen Gemüsehändler frisst Zeit und Geld. Individueller Umweltschutz ist also meistens anstrengend und nicht gerade billig zu haben, trotzdem nehmen immer mehr Menschen diese Bürde freiwillig auf sich, um ein gutes Gewissen zu erlangen und andere zu inspirieren. Ein gewisses Sendungsbewusstsein ist dabei sicher mit an Bord, doch auch das gehört zu den derzeitigen gesellschaftlichen Trends. 

Konnektivität verändert soziales Verhalten

Noch ein Megatrend: Die Konnektivität steigt rasant an, jeder ist im Grunde mit jedem vernetzt. Es braucht nur einen mächtigen Mini-Computer namens Smartphone, um mal eben mit Neuseeland in Kontakt zu treten, oder zu erfahren, wie hoch der Benzinpreis in München ist. Die Menschen verabreden sich heute per WhatsApp und sagen vielleicht Minuten vorher wieder ab, weil sie doch keine Lust auf ein Treffen haben. Gleichzeitig bilden sich Freundschaften zwischen Personen, die sich nie zuvor gesehen haben, Paare finden auf digitalen Plattformen zusammen und alte Freunde nehmen nach Jahren wieder Kontakt zueinander auf. Die sozialen Verhaltensmuster haben sich aufgrund der virtuellen Vernetzung insgesamt stark verändert, so sehr, dass das Handy manchmal sogar wichtiger als die Person ist, die gerade vor einem sitzt. Und wirklich jeder kann seine Botschaften in die Welt senden, im Bemühen, ein Influencer zu werden, der die Massen bewegt. Hier stoßen wir wieder auf das zunehmende Sendungsbewusstsein einzelner Menschen und Gruppen. Nie zuvor gab es zum Beispiel annähernd so viele Veganer wie jetzt in Deutschland, und das hat höchstwahrscheinlich damit zu tun, wie sehr dieser Lebensstil über das Netz promoted wird. 

Silver Society: Altersstrukturen im Wandel

Die deutschen Baby-Boomer nähern sich rasant dem Rentenalter, die Alterspyramide hat sich umgekehrt. Immer weniger jungen Menschen steht eine wachsende Kohorte von Senioren gegenüber, die Silver Society wächst. Alte Menschen bleiben heute tendenziell länger gesund und mobil, sie möchten ihr Leben weiter in vollen Zügen genießen und sich nach Herzenslust entfalten. Der sogenannte "Jugendwahn", der uns in den vergangenen Jahrzehnten noch im Griff hielt, schwindet im Gegenzug dahin. Die Werbung richtet sich mit ihren Bildern auf diesen Wandel ein, ebenso das allgemeine Unterhaltungs- und Urlaubsprogramm. Angebote speziell für Senioren sind alles andere als rar gesät, ganz im Gegenteil: An die ältere Generation haben sich ganze Industrien geheftet, um möglichst viel Profit aus deren Bedürfnissen zu ziehen. Doch die heutigen Senioren geben sich zumeist selbstbewusst und wählerisch, sie sind längst daran gewöhnt, heiß umworben zu werden. Die Individualisierung und zunehmende Achtsamkeit haben auch diese Generation längst erreicht. 

Fakt ist: Wir haben eine völlig andere Gesellschaft vor uns als noch in den 70er oder 80er Jahren. Unsere Zeit ist geprägt von Digitalisierung und Individualisierung, von neuer Achtsamkeit und einem verstärkten ökologischen Denken. Vieles, was heute selbstverständlich ist, war früher noch undenkbar. Ob die Dinge aber besser geworden sind, das ist wie in jeder anderen Epoche auch heiß umstritten.