Arbeitnehmerrechte: Kennen Sie die miesen Tricks der Arbeitgeber

So wehren Sie sich gegen unfaire Methoden im Job

Unbezahlte Überstunden, immer wieder aufs Neue nur befristete Arbeitsverträge, Leistungsdruck oder fristlose Kündigungen: Manche Unternehmen manipulieren ihre Mitarbeiter und umgehen systematisch gesetzliche Vorgaben. Wir haben den Experten Tjark Menssen von der DGB Rechtsschutz GmbH nach den gängigsten Arbeitgeber-Tricks und Arbeitnehmerrechten gefragt. 

1. Gehalt
2. Überstunden
3. Genehmigung von Urlaub
4. Mitspracherecht
5. Befristungen 
6. Kündigung durch Arbeitgeber
7. Abfindungen
8. Arbeitszeugnis
9. Elternzeit
10. Arbeitnehmerrechte bei Hitze

1. Gehalt: Prüfen Sie Ihren Arbeitsvertrag

Manche Arbeitgeber rechnen Lohnbestandteile auf den Mindestlohn an, um auf 8,84 Euro pro Stunde zu kommen. Laut Arbeitnehmerrechten ist das häufig unzulässig.

Urlaubs- oder Weihnachtsgeld dürfen nicht angerechnet werden, wenn es sich dabei um eine Sonderleistung handelt oder die Betriebstreue entlohnt werden soll. Auch Nachtzuschläge dürfen nicht angerechnet werden. Anders kann es bei Überstunden-, Feiertags- und Sonntagszuschlägen sein. Prüfen Sie die Formulierungen im Tarif- bzw. in Ihrem Arbeitsvertrag.

2. Laut Arbeitsrecht müssen Überstunden bezahlt werden

Von Mitarbeitern werden regelmäßig unbezahlte Überstunden erwartet, weil eine entsprechende Klausel im Arbeitsvertrag steht. 

Eine Klausel wie „Erforderliche Überstunden sind mit dem Monatsgehalt abgegolten“ ist unzulässig, weil sie zu weit geht. Generell müssen Sie nur die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit erbringen. Nur in begründeten Ausnahmefällen können Sie zu mehr verpflichtet sein. Und: Überstunden müssen grundsätzlich bezahlt werden. Einen Anspruch auf Zuschläge haben Sie aber nur, wenn ein Tarifvertrag gilt. Verweigert Ihr Arbeitgeber die Bezahlung, müssen Sie beweisen, dass Sie die Überstunden geleistet haben. Lassen Sie sich diese schriftlich bestätigen. Notieren Sie sich, wann, in welchem Umfang und warum sie notwendig waren.

3. Genehmigung von Urlaub

Angestellten wird der Urlaub nicht genehmigt. Einige Unternehmen verlangen zudem, dass Mitarbeiter auch in ihren Ferien per E-Mail oder Telefon erreichbar sind. 

Der Arbeitgeber darf sich vorbehalten, den Urlaub aus betrieblichen oder krankheitsbedingten Gründen nicht zu gewähren. Dann bleibt es aber trotzdem bei einem entsprechenden Abgeltungsanspruch. Was die Erreichbarkeit in den Ferien betrifft, gilt: Urlaub ist die „Freistellung von der Arbeitspflicht“ und dient der Erholung, demzufolge kann der Chef nicht verlangen, dass Sie in dieser Zeit Mitteilungen empfangen oder bearbeiten. Das gilt auch für den Feierabend. Die Ausnahme: Sie haben Bereitschafts- oder Rufdienst.

4. Mitspracherecht

In großen Betrieben wissen Arbeitgeber die gute und notwendige Zusammenarbeit mit Betriebsräten meist zu schätzen. Vor allem kleinere Betriebe, die häufig von Inhabern geführt werden, empfinden sie aber oftmals als Eingriff in ihre unternehmerische Freiheit und versuchen daher manchmal, die Bildung eines Betriebsrats durch Kündigungen zu verhindern oder die Wahl zu boykottieren. 

Die Behinderung der Betriebsratsarbeit oder der Wahl eines Betriebsrats ist strafbar. Das Gesetz bietet Mitgliedern deshalb einen besonderen Kündigungsschutz. Es ist dringend ratsam, eine Wahl zum Betriebsrat nicht ohne die Unterstützung der zuständigen Gewerkschaft durchzusetzen. Sie steht beratend zur Seite und verfügt über ein regionales und überregionales Netzwerk von Betriebsräten und Beschäftigten der Branche. 

5. Befristungen 

Manche Arbeitgeber vermeiden es so lange wie möglich, Mitarbeiter unbefristet einzustellen.

Arbeitgeber dürfen Verträge befristen, wenn ein Grund dafür vorliegt – etwa bei längerer Krankheit oder Elternzeit eines Beschäftigten. War ein Mitarbeiter noch nie zuvor bei dem Arbeitgeber beschäftigt, darf die Befristung auch für zwei Jahre erfolgen, ohne dass ein Grund vorliegen muss. Um diese Zeit auszudehnen, bieten manche Arbeitgeber die Weiterbeschäftigung auf derselben Arbeitsstelle an – der Vertrag wird jedoch mit einem anderen Arbeitgeber geschlossen, etwa einer anderen KG unter demselben Dach. Das ist auch zulässig – die Anschlussbeschäftigung ist nach Ablauf der zwei Jahre nur beim selben Arbeitgeber verboten. Derzeit hoch umstritten ist, ob ein Arbeitgeber einen Arbeitnehmer nach drei Jahren Pause erneut sachgrundlos befristet einstellen darf.

6. Kündigung durch Arbeitgeber

Oft kündigt ein Arbeitgeber auf gut Glück, ohne dass überhaupt ein Grund für eine Kündigung vorliegt. 

Laut Arbeitnehmerrecht sind solche Kündigungen ungültig, es ist aber wichtig, sich umgehend rechtlich beraten zu lassen. Der Arbeitnehmer muss binnen drei Wochen Klage gegen die Kündigung einreichen. Die Frist beginnt nach Erhalt der Kündigung. Sie läuft auch, wenn der Arbeitnehmer im Urlaub ist. Findet er das Schreiben im Briefkasten vor, nachdem die Frist abgelaufen ist, kann er nur innerhalb von zwei Wochen Klage einreichen. Versäumt er diese Fristen, gilt die Kündigung als rechtswirksam. Fristlos darf ein Arbeitgeber ohnehin nur bei besonders schwerwiegenden Umständen kündigen.

7. Abfindungen

Um die Zahlung zu vermeiden, werden oft krankheitsbedingte Gründe vorgeschoben. Oder dem Arbeitnehmer wird angeboten, zu schlechteren Bedingungen weiterzuarbeiten. 

Eine solche Änderung kann man unter Vorbehalt annehmen und bei Gericht prüfen lassen. Sonst gilt: Mitarbeiter haben Anspruch auf Abfindung, wenn ein Betriebsrat mit dem Arbeitgeber einen Sozialplan abgeschlossen hat. Sozialpläne umfassen nur betriebsbedingte Kündigungen, ansonsten wird jede Abfindung frei verhandelt.

8. Arbeitszeugnis

Einige Sätze sollten besser nicht im Zeugnis stehen – auch wenn sie wohlwollend klingen. Denn oft sind sie negativ gemeint. Die Experten von www.karrierebibel.de raten deshalb, auf Doppeldeutigkeiten zu achten. Hier ein paar Beispiele:

  • Er verfügt über Fachwissen und gesundes Selbstvertrauen. Heißt übersetzt: Er überspielte mangelnde Fachkenntnisse und fehlendes Können mit Arroganz. 
  • Sie war bei Kunden schnell beliebt. Heißt übersetzt: Sie machte viele Zugeständnisse und konnte nicht verhandeln.
  • Er bewies immer umfassendes Einfühlungsvermögen in die Belange der Belegschaft. Heißt übersetzt: Er flirtete im Job mehr, als dass er arbeitete. 
  • Seine Geselligkeit trug zur Verbesserung des Betriebsklimas bei. Heißt übersetzt: Der Mitarbeiter hat ein Alkoholproblem.
  • Sie machte sich mit großem Elan an die ihr übertragenen Aufgaben. Heißt übersetzt: Aber frag nicht, wie chaotisch sie dabei war!
  • Er war tüchtig und in der Lage, seine Meinung zu vertreten. Heißt übersetzt: Er kann überhaupt keine Kritik vertragen.
  • Sie verstand es, alle Aufgaben erfolgreich zu delegieren. Heißt übersetzt: Sie war faul und wälzte ihre Arbeit auf Kollegen ab.
  • Wegen seiner Pünktlichkeit war er stets ein gutes Beispiel. Heißt übersetzt: Mehr als Pünktlichkeit hatte er aber nicht zu bieten.
  • Sie zeigte eine erfrischende Art im Umgang mit Kollegen und Vorgesetzten. Heißt übersetzt: Die Mitarbeiterin war frech und hatte keine Manieren.
  • Er war ein umgänglicher und kontaktbereiter Kollege. Heißt übersetzt: Kontaktbereit, aber nicht kontaktfähig. Keiner konnte ihn richtig leiden.
  • Für die Zukunft wünschen wir ihr alles Gute, besonders Erfolg. Heißt übersetzt: Erfolg hatte sie bei uns leider keinen.

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9. Elternzeit

Der Arbeitgeber verweigert Ihnen die Elternzeit? Das ist nicht erlaubt! Auf Elternzeit haben Mutter und Vater einen Rechtsanspruch. Dafür werden sie unbezahlt von der Arbeit freigestellt und erhalten in dieser Zeit das sogenannte Elterngeld vom Staat. 

Die Elternzeit steht ihnen für jedes Kind zu und beträgt für beide Elternteile jeweils 36 Monate. Für den Vater beginnt die Elternzeit frühestens mit der Geburt des Kindes, für die Mutter in der Regel mit Ende des Mutterschutzes. Aber: Der Antrag auf Elternzeit muss sieben Wochen inklusive Dauer vor Beginn schriftlich beim Arbeitgeber beantragt werden. Der Antrag muss dazu handschriftlich unterschrieben sein, ein Fax, E-Mail oder SMS reichen nicht aus. Die brauchen aber nicht die Zustimmung Ihres Arbeitgebers. Die Elternzeit kann auch verlängert werden, wenn Sie bsp. nur zwei Jahre genommen haben. Dazu müssen Sie sieben Wochen vor Ablauf der bestehenden Elternzeit einen schriftlichen Antrag beim Arbeitgeber stellen. Die Verlängerung der Elternzeit kann auch aus wichtigen Gründen verlangt werden wie bsp. Krankheit des Partners oder des Kindes. Mehr Informationen auf www.gansel-rechtsanwaelte.de!

Arbeitnehmerrechte bei Hitze

Ihnen läuft der Schweiß aus allen Poren, der Kopf dröhnt und die Konzentration ist komplett dahin? Bekommen Arbeitnehmer eigentlich Hitzefrei?

Nein, es gibt kein Hitzefrei, wie wir es aus der Schule kennen. „Beschäftigte haben keinen direkten Rechtsanspruch auf klimatisierte Räume oder Hitzefrei“, sagt Kersten Bux, Experte der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) in Dortmund. Das bedeutet aber nicht, dass Angestellte selbst bei Backofentemperaturen weiterarbeiten müssen (außer Bäcker).

Aber: Grundsätzlich sollen die Temperaturen im Büro 26 Grad nicht überschreiten. Dies ist eine Empfehlung. Wenn die 30 Grad überschritten werden, dann muss der Arbeitgeber handeln – das ist tatsächlich Pflicht. Im Idealfall sorgt er dafür, dass die Räume gekühlt werden. Er darf aber auch die Arbeitszeit in den kühleren Morgen verlegen oder sie verkürzen. Natürlich darf er auch freiwillig Hitzefrei geben. Beträgt die Temperatur im Büro mehr als 35 Grad, dann ist dieses nicht mehr zum Arbeiten geeignet. Dies kann aber nur Phasen am Tag betreffen, weshalb man als Arbeitnehmer nicht einfach seine Sachen packen und nach Hause gehen kann. Wenn beispielsweise mittags Höchsttemperaturen im Büro erreicht werden, könnte am späten Nachmittag die Arbeit fortgesetzt werden. Wenn der Arbeitgeber allerdings nicht handelt und die Temperatur so hoch bleibt, darf man die Arbeit zu Recht verweigern. Denken Sie daran: Dies betrifft die Temperaturen im Büro und hat nichts mit den Außentemperaturen zu tun.

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