Das Berufsbild des Hörakustikers - Tipps zur Bewerbung

05. Februar 2020

Akustische Reize sind ein wichtiger Bestandteil der sinnlichen Wahrnehmung eines jeden Menschen. Sie spielen schon für Säuglinge eine entscheidende Rolle hinsichtlich der Entwicklung und des Reifeprozesses. Und wer sprechen lernen möchte, muss auch hören können. Und genau hier setzt die Arbeit eines Hörakustikers an. Er sorgt dafür, dass Schwerhörige die passende technologische Unterstützung bekommen, um wieder vollumfänglich in die Gesellschaft integriert zu werden. Dafür übt er diverse Tätigkeiten rund um das Thema Hörsysteme und Gehörschutz aus.

Schwerhörigkeit heute und die Möglichkeiten der Zukunft

Die Welt wird immer vernetzter, globaler und automatisierter. Damit einher geht auch eine Art akustische Aufrüstung der Gesellschaft. Durch mehr Maschinen und Fortbewegungsmittel nimmt der Umweltlärm zu. Doch nicht nur an den Verkehr, sondern auch an Sport- und Musikveranstaltungen, Demonstrationen, Versammlungen im öffentlichen Raum und ähnliche Dinge ist zu denken. Ständig ist man einer Vielzahl mitunter lauter akustischer Signale ausgesetzt. 

Vor allem viele junge Leute schotten sich mit Kopfhörern ab. Auf diesen wiederum wird aber häufig dann auch mit viel zu hoher Lautstärke Musik gehört. Das alles und vor allem Letzteres kann zu Hörschäden führen. Der Deutsche Schwerhörigenbund unterstreicht in seinem Ratgeber Lärm und die Folgen, dass es "eine deutliche Zunahme der Hörminderungen bei jungen Menschen" gebe, die alarmierend sei. Weiter heißt es: "Hierbei spielen die ständige Begleitung durch Musik sowie die immer druckstärkeren Lautsprecheranlagen bei Konzerten eine große Rolle. Die Gefahr einer Schädigung liegt vielmehr in der permanenten Überbeanspruchung des Gehörs."

Auf die Musik verzichten oder Geräusche ausblenden ist für viele entweder keine Option oder einfach nicht möglich. Die Ohren sind ein permanent aktives Organ. Sie lassen sich nicht mal eben ausschalten. Das führt leider auch dazu, dass die Zahlen zum Thema Schwerhörigkeit drastisch sind: Mehr als 13 Millionen Menschen in Deutschland können nicht richtig hören. Hörakustiker, die in gewisser Weise drei Berufe in einem ausüben, versuchen diesen Menschen zu helfen. Als Hörexperten, Digitalhandwerker und Vertrauensperson, ermitteln sie den Hörbedarf jedes Kunden, programmieren auf den Kunden individuell abgestimmte Hörsysteme und stellen diese auch her. 

Hörakustiker profitieren dabei von rasanten technologischen Entwicklungen im Bereich der Hörgeräte. Es ist davon auszugehen, dass die Möglichkeiten in Zukunft für Hörakustiker noch deutlich zunehmen werden. Das bedeutet aber auch, dass ein hohes technisches Interesse und Lernbereitschaft Voraussetzungen für den Job sind. Doch dazu an späterer Stelle mehr. Zunächst dürfte interessant sein, welche Aufgaben ein Hörakustiker denn genau hat und wie diese im Arbeitsalltag umgesetzt werden. 

Was genau macht ein Hörakustiker?

Hörakustiker haben zunächst die Aufgabe, festzustellen, welche individuelle Schwerhörigkeit bei einem Kunden vorliegt. Es handelt sich dabei um eine genauso interessante, wie verantwortungsvolle Tätigkeit. Schließlich hängt das Potenzial, die Hörfähigkeit des Kunden zu maximieren, davon ab, wie sorgfältig und genau der Hörakustiker arbeitet.

Der Hörbedarf wird durch diverse Hörtests (audiometrische Messungen) und durch Gespräche mit den Kunden jedes Mal aufs Neue individuell ermittelt. Je nach Art, Grad und Ort der Hörstörung im Hörorgan können die Schwerhörigkeiten sich zum Teil stark voneinander unterscheiden.
Auf Grundlage der hieraus gewonnenen Erkenntnisse empfehlen Hörakustiker den Kunden Hörsysteme, die zu den jeweiligen Hörprofilen passen. Die Hörsysteme werden danach vom Hörakustiker eigenständig programmiert und den Kunden etwa zur Erprobung für einige Zeit mitgegeben.

Ist schließlich das passende Hörsystem gefunden, kann ein individuelles Hörgerät angepasst, bzw. auf den Kunden "zugeschnitten" werden. Als Spezialisten im Gesundheitshandwerk sind Hörakustiker die unverzichtbaren Partner für HNO-Ärzte. Denn sie sind nicht nur kompetent in Sachen Elektronik, Anatomie, Audiometrie und Psychologie. Sie beweisen bei der notwendigen, vergleichenden Hörgeräteanpassung auch handwerkliches Geschick und bringen technisches Know-how mit – Dinge, die der HNO neben seiner Arzttätigkeit nicht auch noch leisten kann. 

Der Hörakustiker nimmt vor jeder Hörgeräteanpassung eine Abformung der Ohren des Kunden vor, um eine exakte Passgenauigkeit der individuellen Hörtechnik und Otoplastik sichern zu können. Sowohl dir Ohrpassstücke, als auch die Schalen der Hörgeräte können bei Bedarf und auf Wunsch des Kunden hin immer wieder nachgearbeitet werden.

Auch die Beratung zum Thema Hörschutz gehört zu den Aufgaben des Hörakustikers. Professionelle Otoplastiken, die vom Hörakustiker angefertigt werden, sind nach einer Studie der Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM) der bessere Gehörschutz. Es kann vor einer Beratung durchaus Außeneinsätze geben, bei denen Hörakustiker etwa in Lernbetrieben in der Industrie Schallpegelmessungen durchführen. Hinterher können sie den Betroffenen, bzw. im Betrieb Involvierten passende Hörschutzsysteme empfehlen und diese entwickeln. 

Da auch die subjektiven Aussagen eines Schwerhörigen immer wieder berücksichtigt werden müssen, um die Sprachverständlichkeit auf ein Maximum bringen zu können, bedarf es ständiger Abstimmung der Geräte vor allem mittels Digitaltechnik. Ein Versandhandel kann die persönliche Betreuung daher nicht bieten.  

Gerade diese persönliche Betreuung sorgt auch dafür, dass Hörakustiker immer wieder mit positivem Feedback und sehr dankbaren Kunden konfrontiert sind. Schließlich wird sich deren Hörleistung durch die Technik nur verbessern können, was nicht selten zu mehr Lebensfreude und Zufriedenheit führt, die auf den Hörakustiker zurückstrahlt.

Die Bewerbung

Eigentliches Ziel: Die Bewerbung um den Ausbildungsplatz 

Da es kaum arbeitslose Hörakustiker gibt und kaum ein Auszubildender nicht bald nach seiner Ausbildung eine Anstellung findet, besteht die einzige Hürde darin, Hörakustiker zu werden, im Grunde darin, einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Wir konzentrieren uns also auf die Voraussetzungen, die gegeben sein müssen, um den Erfolg bei der Bewerbung um einen solchen zu maximieren.

Absolute Grundlagen stellen natürlich Dinge, wie die formal korrekte und möglichst fehlerfreie Anfertigung der Bewerbung dar. Über dabei helfende Bewerbungsvorlagen und Ähnliches haben wir aber an anderer Stelle schon genug erzählt. Widmen wir uns also gleich den spezifischen Anforderungen des Fachgebiets.

•    Theoretisch kann eine Ausbildung zum Hörakustiker sogar ganz ohne Schulabschluss angefangen werden. Jedoch ist ein mittlerer Schulabschluss empfehlenswert. Mit einem Fachabitur oder gar einem herkömmlichen Abitur dürften die Chancen auf einen Ausbildungsplatz noch steigen.

•    Bei der Bewerbung tun sich diejenigen besonders hervor, die guten Noten und Kenntnisse in den Fächern Mathematik und Physik mitbringen. Denn gerade im Bereich der Akustik sind beim Auswählen geeigneter Hörsysteme entsprechende Sachkenntnisse, vor allem was das Physikalische angeht, nun einmal notwendig. Beim Durchführen audiologischer Berechnungen und Messverfahren mit verschiedenen akustischen Größen, helfen gute Mathekenntnisse.

•    Da Hörakustiker auch eng mit den Kunden zusammenarbeiten, sind natürlich auch fließende Deutschkenntnisse und eine gewisse Empathie notwendig. Denn die Kunden wollen sich verstanden und gut beraten und umsorgt fühlen. Kommt es zu einem Bewerbungsgespräch um den Ausbildungsplatz ist bei diesem Punkt auch auf ein gepflegtes Erscheinungsbild zu achten. Für Berufe mit Kundenkontakt empfiehlt sich ein Business-Casual-Style und nicht einfach ein T-Shirt mit Jogginghose oder Ähnliches. Hemd oder Bluse, dunkle Jeans, eine Stoffhose oder auch ein mittellanger Rock sind auch schon beim Bewerbungsgespräch angemessen.

•    Handwerkliches Geschick und bestenfalls gute Nachweise in den Fächern Werken und Technik helfen ebenfalls. Denn Hörakustiker passen Ohrpassstücke selbst an, montieren Hörbügel und arbeiten insgesamt viel mit den Händen. 

Der Verlauf der Ausbildung 

Der Beruf des Hörakustikers /der Hörakustikerin ist ein anerkannter Beruf nach der Handwerksordnung mit 3-jähriger Ausbildung. Die Ausbildung ist in einen praktischen und einen theoretischen Teil gegliedert.

Der praktische Teil erfolgt in einem Hörgeräte-Fachbetrieb unter der Verantwortung eines Hörakustik-Meisters. Im ersten Lehrjahr wird eine theoretische und praktische Basis vermittelt. Ziel der weiteren Ausbildung ist es, alle komplexen Vorgänge und Fertigkeiten rund um die akustische Versorgung Hörgeschädigter zu vermitteln. Dass dabei unterschiedlichste Aufgaben vorgenommen werden, die fachspezifische Kenntnisse erfordern, sollte bereits klargeworden sein.

Der theoretische Hintergrund wird in Blockkursen an der für ganz Deutschland zuständigen bundesoffenen Landesberufsschule für Hörakustik in Lübeck erteilt. Die Blockkurse finden genau drei Mal im Jahr für durchgehend 4-5 Wochen statt. Zur Halbzeit der Ausbildung müssen die Auszubildenden eine erste Prüfung ablegen. Die Gesellenprüfung beendet die Ausbildung schließlich nach drei Jahren. Nach sechs Jahren, in denen nicht nur die Berufs-, sondern auch die dreijährige Ausbildungszeit eingeschlossen ist, kann letztlich auch noch eine Meisterprüfung abgelegt werden.

Gut zu wissen: Weitere wichtige Voraussetzungen für den Beruf 

Einige Voraussetzungen, die ebenfalls schon hervorgegangen sein mögen, die wir aber noch einmal betonen möchten, sollten für eine erfolgreiche Bewerbung um einen Ausbildungsplatz zum Hörakustiker ebenfalls gegeben sein:

•    Es ist ein nicht abreißendes, technisches Interesse notwendig, damit auch Neuerungen und Innovationen immer wieder mit Begeisterung als zusätzliches Wissen und Möglichkeit in den Berufsalltag integriert werden. Dieses Interesse sollten Bewerber ausdrücklich bekunden.

•    In diesem Zuge zu nennen ist auch die Bereitschaft, sich intensiver mit dem Umgang mit Feinmechanik und Elektrotechnik auseinanderzusetzen. Nicht jedem ist handwerkliches Geschick in die Wiege gelegt, mit ein wenig Disziplin sind die Aufgaben, die ein Hörakustiker übernimmt aber für jeden zu lernen. 

•    Beim Umgang mit fremden Menschen ist hohes Maß an Einfühlungsvermögen und psychologischem Verständnis notwendig. Ruhe und Ausgeglichenheit gehören genauso dazu, wie Geduld mit dem Gegenüber. Ebenso wichtig ist es, stets aufmerksam und freundlich zu bleiben und ein gepflegtes Äußeres zu wahren. Dass gute kommunikative Fähigkeiten vorhanden sein müssen, sollte außer Frage stehen.

•    Da der Beruf des Hörakustikers abwechslungsreich ist, erfordert er auch an hohes Maß an unterschiedlichen Kompetenzen. Bewerber sollten betonen, dass es ihnen Spaß macht, einerseits nah am Kunden zu arbeiten, dann aber auch wieder einige Stunden am Computer zu sitzen, Daten auszuwerten und Systeme zu programmieren. Und dass schließlich auch die handwerkliche Arbeit an einem Gerät als interessant und spannend empfunden wird.