Sizilien: Zwischen Lava und Zitronen

Auf der Insel im Süden gibt’s Sonne satt!

22. Juli 2016
Traumhafter Ausblick: Vom Teatro Greco-Romano in Taormina schaut man über blühende Gärten hinweg auf den rauchenden Ätna. Der wunderschöne Domplatz bietet die perfekte Kulisse zum Leutegucken Als schönste aller Barockstädte Siziliens gilt Noto, das auch Weltkulturerbe ist.

Es gibt Orte auf dieser Welt, die brennen sich einem ins Herz. Weil sie so schön sind und so atemberaubend sind. Dann spricht man leise ein kleines Dankeschön – an Gott, die gute Fee oder das Universum – und verliebt sich ins Leben. Für mich ist das Teatro Greco-Romano in Taormina auf Sizilien so ein Ort. Durch die geborstene Mauer hindurch, die die Römer einst hinter die griechischen Säulen gebaut haben, schaut man über blühende Gärten hinweg auf den rauchenden Ätna. Und links glitzert die Bucht vor Giardini-Naxos. Siziliens Sehenswürdigkeiten: Ich kann mich kaum daran sattsehen …

Sizilien: Beste Reisezeit im Frühjahr und Herbst

Natürlich gibt es bei aller Pracht auch ein Haar in der Suppe: Viele andere Touristen finden diesen Ausblick auch sehr schön. Im Sommer sind es Tausende. Drum kommt man am besten im Frühjahr oder spät im Herbst in die kleine Stadt, die einst Weltstars wie Audrey Hepburn und Elizabeth Taylor berühmt gemacht haben. Dann kann man wunderbar durch die Gassen und Sträßchen flanieren und auf der Piazza zum Sonnenuntergang einen Aperitif nehmen. Chips gibt’s gratis dazu.

Sizilien ist ein Allheilmittel für die deutsche Seele. Wenn bei uns noch kalter Regen aufs Gemüt drückt, herrschen auf Sizilien milde Temperaturen: Hier pflückt man schon pfeifend die Zitronen vom Baum und aalt sich im Sonnenschein. Auf den Märkten liegt schon das knackige Frühjahrsgemüse und daneben so frischer Fisch, dass er eigentlich noch schwimmt. Glauben Sie nicht? Dann besuchen Sie in Catania mal frühmorgens den Fischmarkt auf der Piazza di Benedetto. In den umliegenden Restaurants kann man dann gleich kosten, was das Angebot hergibt. Danach empfiehlt sich ein Verdauungsspaziergang auf der Piazza Duomo mit seinen Palästen, dem Rathaus, dem Priesterseminar und der Fontana dell’Elefante. Diese Elefantensäule ist das Wahrzeichen der Hafenstadt.

Leutegucken auf dem Domplatz

Ich persönlich habe mich in das rund 65 Kilometer südlich liegende kleine Städtchen Syrakus verliebt. Die Altstadt ist fast vollständig vom Meer umschlossen, auf der Stadtmauer kann man bequem einmal rundherum laufen. Und der halbrund geschwungene Domplatz ist einfach zu prächtig und die ideale Kulisse zum Leutegucken. Zum Einstimmen besorgen Sie sich den Film „Der Zauber von Malèna“ mit Monica Bellucci. Viele Szenen spielen genau hier, einige zeigen die Städtchen Noto und Ragusa. Die liegen gleich um die Ecke.

Als schönste aller Barockstädte Siziliens gilt Noto, das auch Weltkulturerbe ist. Die Straßen sind parallel wie eine Treppe angelegt: Die Via Ducezio ist die unterste und verläuft durch die Viertel des einfachen Volkes, die Via Cavour liegt weiter oben, an ihr wohnten die Handwerker. Und der zentrale Corso Vittorio Emanuele III ist die Prachtstraße mit den teuersten Palästen. Ein Spaziergang treppauf, treppab zum Vergleichen macht eine Menge Spaß.

Und falls Sie sich wundern, dass in den Schaufenstern der Keramik-Läden so merkwürdige Blumentöpfe stehen – nämlich eine Prinzessin und ein schwarzer Mann – hier ist die Geschichte: In der Zeit des Kalifats (10. bis 12. Jh.) lebte in Syrakus eine schöne, junge Frau mit einem wunderbaren Garten. In sie verliebte sich unsterblich ein Mann dunkler Hautfarbe, der allerdings schon Frau und Kinder hatte. Egal – beide frönten in ihrem Garten der Lust. Aber aus Angst, verlassen zu werden, schnitt sie ihm im Schlaf den Kopf ab und stellte ihn als Blumenvase (man nennt ihn hier politisch unkorrekt „Testa di Moro“) auf, damit er immer bei ihr bleibt. 

Auch Goethe war schon auf Sizilien 

Ein schöneres Stück Geschichte und ein echtes Sizilien-Highlight wartet im legendären Valle dei Templi bei Agrigent auf mich – nämlich eine weitläufige Tempellandschaft aus der griechischen Zeit (5. Jh. v. Chr.). Auf einem bezaubernd angelegten Spazierweg kann man von Bauwerk zu Bauwerk schlendern – mit fantastischem Meer-Blick – und dabei die Zeit vergessen. Goethe war übrigens auch schon hier.

Zum Abschied bummele ich gerne noch zwei Tage durch Palermo – früher einmal die schönste Stadt der Welt, heute durch die Baumaßnahmen der Mafia verschandelt. Aber es ist Sizilien als Konzentrat. Mein Tipp: auf die Dachterrasse des Kaufhauses „La Rinascente“ setzen, Palermo von oben genießen und den nächsten Trip hierher planen. Denn Sizilien ist eine Reise wert!

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