„Mach Dir Komplimente – wie Deiner besten Freundin“

Unsere Kolumnistin Barbara Becker über die Versöhnung mit dem eigenen Spiegelbild

Neulich fiel mir ein Foto in die Hand. Ich sah mich selbst, mit 16 Jahren, mitten in der Pubertät. Ich hatte kurz geschorene Haare. Das fand ich schick. Außerdem haben meine Haare nie das gemacht, was ich wollte. Ich sah anders aus als alle Menschen, mit denen ich aufgewachsen bin. Und hatte mit meinem Äußeren durchaus zu kämpfen. 
Heute bin ich überzeugt, dass wir unser Aussehen viel zu wichtig nehmen. Wir sind so streng mit uns: zu dicker Hintern, zu kurze Beine, flache Brust ... Haare, Zähne, sogar die Wimpern passen uns nicht. Meist fallen uns diese „Makel“ aber nur selbst auf. Andere nehmen sie gar nicht wahr.
Ich habe Freundinnen, die als Topmodels arbeiten und sich trotzdem nicht schön genug finden. Andere Freundinnen meiden den Strand, weil sie sich nicht im Bikini zeigen möchten. Dabei verpassen sie die schönsten Momente! Die Menschen sagen häufig: Wenn ich erst so und so bin, dann wird alles anders. Aber das stimmt nicht, weil wir uns ja immer in die Zukunft mitnehmen. Eine meiner Freundinnen auf Instagram hat das auf den Punkt gebracht. sie schrieb: „Ich wünschte, ich wäre so dünn, wie das erste Mal als ich dachte, ich wäre dick.“
Wenn wir schlecht über unser Aussehen sprechen, kann das schnell zur Gewohnheit werden. Dann sagt man Dinge über sich, die man gar nicht so meint. Auf diese Weise setzt sich die negative Meinung über den eigenen Körper im Kopf fest. Dabei finden wir meist gerade die Menschen schön, die nicht unserem Ideal entsprechen. 

„Wir sollten uns so annehmen, wie wir sind“

Natürlich ist es wichtig, dass man sich auch äußerlich um sich kümmert. Aber wir sollten uns vor allem viel mehr so annehmen, wie wir sind. Uns selbst umarmen. Das muss man bewusst praktizieren: Machen Sie sich genau so viele Komplimente wie Ihrer besten Freundin. Akzeptieren Sie Fehler, die Sie anderen Leuten zugestehen, auch bei sich selbst. Und entwickeln Sie die selbstlose Liebe, die Sie für Ihre Kinder empfinden, auch für die eigene Seele und den Körper.
Es ist wichtig, den Blick stärker auf das zu richten, was gut ist. Denn jeder hat versteckte Talente und etwas wahnsinnig Schönes an sich. Gerade das sollte man unterstreichen.
Mit meinem Aussehen im Reinen zu sein – das war auch für mich ein schleichender Prozess. Einiges habe ich früh angenommen, für anderes brauchte ich mehr Zeit. Heute fühle ich mich richtig wohl in meinem Körper. Ich habe mir selber die Hand gereicht und gesagt: Es ist doch perfekt so, wie es ist! Mit einem Schulterzucken und Augenzwinkern. Dadurch empfinde ich viel mehr Lebensfreude. Und ich bin wahnsinnig gerne am Leben. 
Herzlichst, Ihre Barbara Becker

Die Barbara Becker-Kolumne wird präsentiert von der Zeitschrift