Wie lang kann ich geöffneten Wein aufheben?

Wer eine Flasche Wein oder Sekt geöffnet hat, sollte sie ja bekanntlich am besten noch am gleichen Tag austrinken. Was ist zu tun, wenn doch was übrig bleibt?

31. März 2016

Wer kennt das nicht: Der Wein hat gut geschmeckt, aber man hat weder Lust noch ausreichend Durst die Flasche komplett zu leeren. Genauso verhält es sich des Öfteren mit Sekt und Prosecco. Der Abend war lang und schnell bleibt doch die eine oder andere angebrochene Flasche übrig. Was kann man tun? Die Weinspezialisten von vinoa.de geben Ihnen hilfreiche Tipps und Tricks, mit welchen Methoden und wie lang Sie den Rest in der Flasche aufbewahren können!

Grundsätzlich sollte man ja eine Flasche Wein an dem Tag leeren, an dem man sie geöffnet hat. Sobald der Wein einmal offen ist, beginnt er zu atmen. Mit jeder weiteren Stunde Sauerstoffkontakt büßt der Wein in aller Regel an Trinkfreude ein, denn Sauerstoff lässt den Wein oxidieren. Die Konsequenz lautet: Er wird nach einiger Zeit nicht mehr trinkbar. Aus den unterschiedlichsten Gründen kann es jedoch passieren, dass man die Flasche nicht am selbigen Tage leeren kann oder mag. Vom leckeren Candle-Light-Dinner mit dem Partner ist eine halbvolle Flasche bester Rotwein übrig geblieben oder bei der letzten Feierlichkeit zu Hause wurden doch nicht alle Flaschen geleert. Vielleicht befolgt man auch einfach nur den Rat vieler Ernährungswissenschaftler und Ärzte und genießt den Wein nur in Maßen. Selbst wenn nur ein kleiner Rest in der Flasche zurückbleibt, ist er doch zu schade zum wegschütten. Schließlich schmeckt er im Gegensatz zu z.B. Bier am nächsten Tag keineswegs schal.

Generell gilt:

Der angebrochene Wein sollte schnellstmöglich wieder verschlossen und kühl gelagert werden. Je mehr in der Flasche übrig geblieben ist, desto länger wird der Inhalt haltbar sein, sofern er gekühlt aufbewahrt wird. Warum? In einer fast vollen Flasche ist naturgemäß weniger Luft enthalten und somit weniger Sauerstoff zum oxidieren.

Lagerung im Kühlschrank:

Der Grund, weshalb offene Weine nicht so lange aufbewahrt werden können, ohne dass sie geschmacklich mehr oder weniger stark einbüßen, ist wie schon erwähnt der Sauerstoff. Der Prozess der Oxidation kann jedoch bei den üblichen Kühlschranktemperaturen von 4 bis 7 Grad deutlich verlangsamt werden. Daher sollte man angebrochenen Wein grundsätzlich immer im Kühlschrank lagern. Je nach Rebsorte kann ein Rotwein 3 bis 5 Tagen im Kühlschrank halten. Ein Rotwein mit wenig Tannin (z.B. ein Pinot Noir) hält deutlich weniger lang als ein kräftiger Wein mit einem guten Maß an Tannin und Säure (z. B. ein Petite Sirah oder Cabernet Sauvignon). Weißweine können in der Regel 2 bis 5 Tage im Kühlschrank gelagert werden. Leichter Weißwein, Rosé und lieblicherer Weißwein halten sich in einer verschlossenen Flasche ca. 5 bis 7 Tage. Weißweine mit vollem Körper, wie z.B. im Barrique ausgebauter Chardonnay oder Viognier haben oft wenig Säure, was ihre Überlebensdauer verkürzt. 3 Tage sollte solch ein Wein jedoch überstehen können, ohne dramatische Geschmackseinbußen.

Kleiner Tipp: Rotwein sollte ein bis zwei Stunden vor dem Einschenken aus dem Kühlschrank entnommen werden, um sich sprichwörtlich aufzuwärmen.

Einfacher Verschluss:

Zur Verhinderung einer anhaltenden Sauerstoffzufuhr, muss die Flasche möglichst luftdicht verschlossen werden. Der einfachste Weg den offenen Wein haltbarer zu machen ist: Den Korken wieder in die geöffnete Flasche zu stopfen, damit sie dicht ist. Alternativ benutzt man einen handelsüblichen Weinverschluss. Vorteilhaft sind hierbei klar die immer populärer werdenden Schraubverschlüsse oder Glasstopfen. Doch welches Problem bleibt? Die verbliebene Luft in der Flasche – und je leerer die Flasche umso mehr Luft ist drin.

Vakuum- und Gaspumpen:

Die erste Variante, die Luft in der Flasche zu reduzieren ist der Einsatz einer Vakuumpumpe. Dabei wird die Luft aus der Flasche gepumpt und im Anschluss verschlossen. Allerdings teilen sich hier die Meinungen: Manche argumentieren, es handele sich nur um ein partielles Vakuum und der Wein würde weiterhin mit Sauerstoff reagieren. Einige Anwender sind der Ansicht, der Unterdruck schade den Aromen, Verfechter der Vakuumpumpe schwören auf ihre Tauglichkeit. Umfassende Forschungen hierzu existieren derzeit noch nicht.

Eine andere Möglichkeit ist die Verwendung einer Gaspumpe, welche den Sauerstoff durch ein Gasgemisch ersetzt. Allerdings ist solch eine Anschaffung nur sinnvoll, wenn man regelmäßiger angebrochene Flaschen über einen längeren Zeitraum aufbewahren will. Die Anschaffungskosten, wie auch der Nachkaufpreis der Gaskartuschen, sind nicht ganz preisgünstig.

Umfüllen:

Eine sehr wirksame Methode, die jedoch noch nicht jedem bekannt ist. Sie ist sehr einfach und preisgünstig dazu. Entweder direkt nach dem Öffnen der Flasche (wenn man vorher weiß wieviel man trinken möchte) oder nach Genuss des Weines, sollten Sie den restlichen Inhalt der Flasche in eine kleinere Glasflasche (alternativ: ein kleines Glasgefäß) mit Schraubverschluss umfüllen. Somit ist der verbleibende Luftanteil in der kleinen Flasche viel geringer als in der ursprünglichen Weinflasche. Obendrein ist in einer kleinen Flasche bei aufrechter Lagerung die Oberfläche, die mit der restlichen Luft reagieren kann, aufgrund des geringeren Durchmessers nochmal kleiner. 

Einige raten auch dazu den Wein in kleine PET-Flaschen zu füllen und diese so zu drücken, bis kaum noch Luft in der Flasche ist. Klarer Nachteil hierbei: Flüssigkeiten in PET-Flaschen können durchaus Stoffe aus dem Behälter aufnehmen, was auf längere Sicht für den Geschmack des Weines definitiv nicht förderlich ist. Unsere Empfehlung daher: Nehmen Sie kleinere, gut gereinigte Glasgefäße, wenn Sie den Wein länger als eine Woche aufbewahren wollen.

Was Sie noch beachten sollten:

Offene Weine nicht liegend lagern. Dadurch vergrößern Sie die Oberfläche, die mit der Luft in der Flasche reagieren kann.

Vermeiden Sie Kontakt mit Licht und Wärme. Tageslicht ist schon für die geschlossene Flasche nicht vorteilhaft, geöffnete vertragen es noch weniger. 

Übrigens: Auch nicht geöffnete Flaschen können sehr schnell altern, wenn Sie z.B. im obersten Supermarktregal zu viel Wärme und Licht ausgesetzt sind. Daher auch geschlossene Flaschen immer kühl und dunkel lagern.

Sekt & Co.: Silberlöffel im Flaschenhals?

Bei der Methode „Löffel im Flaschenhals“ handelt es sich tatsächlich um einen Mythos. Eine geöffnete Flasche Sekt, Prosecco oder Champagner hält am besten mit einem Sektflaschenverschluss, der die Flasche dicht abschließt. Eine mindestens halbvolle Sektflasche kann damit ihre Kohlensäure im Kühlschrank für gut einen Tag halten. Grundsätzlich empfiehlt es sich jedoch, Sekt & Co. direkt nach dem Öffnen der Flasche zu trinken, denn nur dann haben sie ihr volles Aroma und auch den höchsten Anteil an Kohlensäure.

Fazit:

Nun haben Sie einen guten Einblick erhalten, wie Sie am besten geöffneten Wein & Co. für eine gewisse Zeit lagern können. Am Ende sollten Sie ihn so kurz wie möglich aufbewahren, da er schnell an Geschmack und Qualität verliert. Offen gestanden, werden wohl die wenigsten Weinliebhaber eine angebrochene Flasche allzu lange aufheben wollen. Es sei denn, er schmeckt nicht wirklich. Dann kann man ihn aber auch getrost wegschütten. 

 

 

 

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