Lasst uns über Krebs sprechen! Drei Blogger teilen ihre Schmerzen, Ängste und Hoffnungen

Über das eigene Schicksal sprechen, tut diesen Bloggern gut

Frau mit Glatze Seit Mai 2015 ist Marie krebsfrei! Vanessa aus Schriesheim leidet an einer atypischen Form von Dottersackkrebs Claus Baumann - Digital Art In einem einzigartigen Fotoprojekt zeigt Vanessa alle Seiten der tückischen Krankheit

Ängste, Sorgen, Schmerzen, Freude, Hoffnung und tiefe Trauer — wer die Diagnose Krebs bekommt, dem steht nicht nur körperlich einiges bevor, auch die Psyche leidet unter der Krankheit. Die drei Frauen, die wir Ihnen hier vorstellen, erzählen im Netz von ihrem Leben mit der Krankheit – und machen damit vielen anderen Betroffenen Mut.

Vanessa (39) aus Schriesheim leidet unheilbar an einer atypischen Form von Dottersackkrebs

Durch einen Zufall finden Ärzte im Juli 2015 einen Tumor an Vanessas Nebenniere – und beruhigen sie sogleich: So ein Knoten sei in der Regel gutartig. Bald aber ist klar: Vanessa leidet an Dottersackkrebs. „Der gilt als gut behandelbar, 95 Prozent der Betroffenen werden geheilt“, erzählt sie. Auch bei Vanessa sieht es nach vier Einheiten Chemotherapie gut aus. Doch im Januar finden ihre Ärzte Metastasen an der Nebenniere und an der Leber. Die Produktmanagerin muss drei Hochdosis-Chemotherapien über sich ergehen lassen. Im Sommer 2016 scheint sie den Krebs endlich besiegt zu haben. Bei einer weiteren Operation – der dritten innerhalb eines Jahres – sollen eigentlich nur noch die Reste des Tumorgewebes entfernt werden. „Dabei zeigte sich, dass eine Metastase noch nicht tot war.“ Eine weitere Chemotherapie bricht Vanessa im August ab, nachdem die Ärzte weitere Metastasen im Bauchraum finden. Vanessa weiß jetzt: Ihr Krebs ist nicht heilbar. Sie ist die einzige Patientin weltweit, bei der Dottersackkrebs so atypisch verläuft. In dieser Zeit  beginnt die 39-Jährige offen über ihr Leben mit Krebs bei Facebook zu schreiben. Sie lässt ihre Leser, die sie ihre „Begleiter“ nennt, an ihren Gedanken teilhaben, den positiven wie den traurigen. Sie schreibt über ihre Behandlung, neue Medikamente und Verfahren, mit denen Mediziner ihren Krebs womöglich doch noch entschlüsseln können. Über Nebenwirkungen wie die Empfindungsstörungen in den Händen und den Füßen, an denen sie wegen der kräftezehrenden Therapien leidet. Und über ihre Hoffnung: dass das Wachstum der Krebszellen ein für alle Mal stagniert: „Dann könnte ich auch mit der Krankheit noch viele Jahre leben.“ Vanessa startet auch das Foto-Projekt „Krebs hat ein Gesicht“: 13 Fotografen setzen sie in Szene, geplant ist ein Kalender, der im Oktober 2017 erscheinen soll. Die Einnahmen möchte sie dem Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg spenden. Mehr über Vanessa und ihr Projekt: www.facebook.com/aufeinmalwarerda sowie www.facebook.com/krebshateingesicht

 

 

Julia (49) aus Bern erkrankte vor anderthalb Jahren an Brustkrebs

Den 20. August 2015 wird Julia nie vergessen. An diesem Tag ertastet die Wahl-Schweizerin, von Beruf Anästhesistin, eine Geschwulst in ihrer rechten Brust. Nach vier Tagen voller Bangen ist der Verdacht Gewissheit: Julia hat Krebs. Sie wird noch in derselben Woche operiert. Bald beginnt ihre Behandlung: 16 Infusionen Chemotherapie, dann 33 Bestrahlungen. Ihr Körper wird immer schwächer, zwei Mal muss sie zusätzlich mit einem grippalen Infekt kämpfen. „So krank und elend habe ich mich noch nie zuvor gefühlt“, erinnert sie sich an die schwierige Zeit. Was ihr Kraft gibt? Ihr Mann André – und ihr Blog, den sie von Beginn an schreibt. „So wollte ich Freunde und Verwandte auf dem Laufenden halten, damit wir, wenn wir uns getroffen haben, nicht immer nur über meine Krankheit sprechen mussten“, sagt sie. Doch der Blog ist bald viel mehr als ein Therapie-Protokoll. Julia will anderen Betroffenen auf ganz praktische Weise helfen: „Als Ärztin wollte ich das Mediziner-Deutsch verständlich machen.“ Sie schließt Freundschaft mit anderen Bloggern und mobilisiert ihre Leser, Betroffene wie Nicht-Betroffene, zur Teilnahme an gemeinnützigen Events – etwa dem Race for Life, einer Fahrradtour für den guten Zweck in Bern, bei dem man seine Verbundenheit mit Krebskranken zum Ausdruck bringen kann. Heute arbeitet Julia wieder zu 50 Prozent in ihrem alten Job. Über ihr Leben nach dem Krebs schreibt sie auf www.krebskillerin.net.

Marie (27) aus Maintal bekam als junge Mutter Morbus Hodgkin

Es beginnt mit hartnäckigem Husten. Monatelang geht Marie immer wieder zum Arzt. Bis feststeht, dass Morbus Hodgkin, Lymphdrüsenkrebs, dahintersteckt. Kurz vor Weihnachten 2014 wird eine Gewebeprobe im Brustkorb entnommen, sie erhält eine Chemo, muss vier Wochen in der Klinik bleiben. „Am schlimmsten war, dass ich nicht bei meiner Tochter sein konnte.“ Als ihre Kleine ein Jahr alt wird, rasiert sich Marie ihre ausfallenden Haare ab – nach der Geburtstagsfeier. Noch im Krankenhaus beginnt die gelernte Rechtsanwaltsfachangestellte über ihren Krebs zu schreiben. „Vielleicht kann ich so wenigstens jemandem helfen, wenn ich das schon durchstehen muss“, denkt sie. Seit Mai 2015 ist Marie krebsfrei. Und auf ihrem Blog macht sie anderen Betroffenen Mut: www.mariegegenkrebs.blogspot.de