Gefährliche Medikamente: Wie kann ich mich schützen?

Expertentipps von Dr. Hermann Kortland

11. Juli 2017

Wer krank ist, setzt auf die Arznei, die der Arzt ihm verschreibt. Doch angesichts aktueller Skandale scheint blindes Vertrauen nicht mehr angebracht. Immer mehr gefährliche Medikamente kommen auf den deutschen Markt. Wann muss ich besonders achtsam sein? Wir haben mit Dr. Hermann Kortland, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Arzneimittel-Hersteller e. V. (BAH), gesprochen.

Die Vorstellung ist erschreckend: Arzneimittel sind gepanscht oder gestreckt. Filmemacher Daniel Rettig, der dazu in der Pharma-Brancheüber zehn Jahre recherchiert hat, meint: Mehr als jedes 100. aller Medikamente ist gefälscht. Wie gefährlich ist das für uns? Und wie können wir uns schützen?

Werden die Fälschungen nur im Internet vertrieben?
„Dort vor allem. Der Zoll hat laut Statistik im Jahr 2016 insgesamt 106.880 Arzneimittelpackungen im Wert von 1,78 Millionen Euro beschlagnahmt, die über illegale Vertriebswege nach Deutschland gekommen sind. Diese wurden vor allem über dubiose Internethändler bestellt. Laut der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker hat es 2016 in der legalen Lieferkette nur 14 Verdachtsmeldungen gegeben. Davon hat sich kein einziger bestätigt.“

Wie kann man gefährliche Medikamente erkennen?
„Fälschungen können gegebenenfalls an der Gestaltung der Packungen erkannt werden. Prüfen Sie, ob die Farben auf der Verpackung im Vergleich zu einer vorher bezogenen abweichen. Gibt es Auffälligkeiten beim Verfallsdatum, ist beispielsweise eine Zahl zu viel aufgedruckt? Befinden sich auf der Packung oder in der Packungsbeilage Rechtschreibfehler? Gibt es Auffälligkeiten beim Blister?“

Gibt es eigentlich so etwas wie ein Qualitätssiegel?
„Jedes Arzneimittel, das in deutschen Apotheken verkauft wird, hat zahlreiche Prüf- und Kontrollprozesse durchlaufen und ist behördlich zugelassen, bevor es auf den Markt kommt. Die Zulassungsnummer finden Sie auf der Arzneimittelpackung. Darüber hinaus sind Arzneimittel-Hersteller mit aufwändigen Vorbereitungen für einen zusätzlichen Fälschungsschutz beschäftigt. Ab 2019 werden verschreibungspflichtige Arzneimittel mit einem fälschungssicheren Data-Matrix-Code versehen. Der Apotheker prüft dann anhand dieses Codes jedes einzelne Arzneimittel auf seine Echtheit, bevor er es an die Patienten weitergibt.“

Wo kann ich wirklich sicher sein beim Arzneikauf?
„Patienten, die ein Arzneimittel entweder in der Vor-Ort-Apotheke oder einer zertifizierten Versandapotheke kaufen, können davon ausgehen, dass sie ein echtes und sicheres Produkt erhalten. Eine offizielle Internetapotheke erkennen Sie an dem EU-Sicherheits-Logo. Dieses führt direkt zum Versandapothekenregister des Deutschen Institutes fü Medizinische Dokumentation. Hier brauchen Sie keine Angst haben, an gefährliche Medikamente zu geraten.“

Was mache ich, wenn mir etwas komisch vorkommt?
„Wenden Sie sich sofort an Ihren Apotheker oder an den Arzneimittel-Hersteller. Diese helfen Ihnen weiter und informieren im Verdachtsfall die zuständige Behörde und die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker.“