Neuraltherapie: Spritze gegen Blockaden

Was steckt hinter dem alternativen Heilverfahren

Spritzen sind für die meisten nicht gerade das Mittel der Wahl. Bei einigen Beschwerden bringen Pillen aber nichts, und manchmal weiß die Schulmedizin auch sonst keinen Rat. Dann bieten Ärzte oder Heilpraktiker ein alternatives Verfahren an, das Erkrankungen mithilfe von Injektionen kurieren soll. Doch hilft die sogenannte Neuraltherapie wirklich?

Lokaler Einsatz kann Verspannungen lösen

Rund 100 Jahre ist die Heilmethode alt, die derzeit eine Renaissance erlebt. In den 1920ern fanden die Ärzte Walter und Ferdinand Huneke heraus, dass Spritzen mit dem Betäubungsmittel Procain Migräne und Verspannungen beseitigen können. Kommt das Medikament lokal zum Einsatz, löst es dort Blockaden auf. Die Wirkung wurde wissenschaftlich nachgewiesen, einige Krankenkassen übernehmen die Kosten.

Quaddelung führt nicht immer zum Erfolg

Die Brüder Huneke experimentierten noch weiter und erfanden die „Quaddelung“. Von der Annahme ausgehend, dass die Haut mit bestimmten Organen verbunden sei, wird das Mittel großflächig in die oberen Schichten gespritzt. Die Haut reagiert mit Quaddeln, kleinen Reizungen wie von einem Mückenstich, die jeweiligen Beschwerden lassen sich aber nur unzuverlässig beheben. Deshalb wird das Verfahren nicht von den Kassen bezahlt.

Störfeldtherapie ist bei Medizinern umstritten 

Huneke und Huneke glaubten außerdem daran, dass verschiedene Symptome durch „Störfelder“ ausgelöst werden können. Auf der Suche nach diesen Feldern werden so lange die infrage kommenden Körperpartien gespritzt, bis Erfolg eintritt. Die Anwendung ist langwierig, die Wirkung oft nur vorübergehend. Zudem können dabei versehentlich Sehnen, Muskeln, Organe oder Blutgefäße geschädigt werden. Und Heilpraktiker, die keine Betäubungsmittel einsetzen dürfen, nutzen Ersatzpräparate, von denen abzuraten ist. Ob lokale Therapie oder Quaddelung – die Anwendung sollte deswegen stets fachgerecht von einem Arzt durchgeführt werden, der mit der Anatomie der behandelten Körperbereiche gut vertraut ist.

So funktioniert die Ohr-Injektion

Kombi-Therapie: Bei der Ohr-Akupunktur werden winzige Nadeln an Stellen in die Ohrmuschel gesetzt, denen eine Verbindung mit einem Organ nachgesagt wird. Auch Punkte für „Begierde“ oder „Anti-Aggression“ können getriggert werden. Spritzt der therapeut dort Procain, soll dies die suggestive Wirkung noch verstärken und etwa eine Raucherentwöhnung unterstützen. 

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