Flexible Rente seit Juli: Was ändert sich?

Welche Neuerungen bringt die sogenannte „Flexi-Rente“?

24. Juli 2017

Der Begriff „Flexi-Rente“ ist eigentlich irreführend, da es sich nicht um eine neue Art Rente handelt, sondern um flexiblere Zuverdienstgrenzen für alle, die vor Erreichen der normalen Rente in den Ruhestand gehen. Expertin Marina Herbrich erklärt, was dahintersteckt.

Warum wurden die neuen Regelungen eingeführt?
„Das Ziel ist, den Übergang vom Erwerbsleben in den Ruhestand für Arbeitnehmer flexibler zu gestalten. Daher spricht man auch von der sogenannten flexiblen Rente. Jeder, der vorzeitig in die Altersrente gehen will, soll Teilzeitarbeit und Teilrente besser miteinander kombinieren können.“

Welche Vorteile bringt mir die flexible Rente als Arbeitnehmer?
„Es wird unkomplizierter für Sie, im vorzeitigen Ruhestand nebenher noch zu arbeiten. Sie erwerben außerdem mehr Rentenansprüche, wenn Sie in Teilzeit weiterarbeiten, weil Sie mit den neuen Regelungen bis zur Regelaltersgrenze versicherungspflichtig sind. So erhöhen Sie automatisch Ihre spätere volle Rente. Erst wenn Sie das Regelalter erreicht haben, können Sie frei entscheiden, ob Sie weiter in die Rentenkasse einzahlen wollen.“

Was ändert sich konkret bei der Zuverdienstgrenze?
„Bislang war es so, dass Sie vor Erreichen der Regelaltersgrenze maximal 450 Euro im Monat dazuverdienen durften, plus zwei Mal im Jahr 450 Euro für Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Für jeden Cent mehr Zuverdienst gab es Rentenabschläge. Mit der neuen Regelung können Sie weiterhin 6.300 Euro pro Jahr abschlagsfrei hinzuverdienen, es ist nun aber egal, ob einmalig oder über das Jahr verteilt.“

Was passiert, wenn ich mehr Geld hinzuverdiene?
„Wenn Ihr Jahreseinkommen beispielsweise bei 10.000 Euro liegt, werden davon die 6.300 Euro als Freibetrag abgezogen. Von den 3.700 Euro Restbetrag werden dann 40 Prozent ermittelt und auf 12 Monate umgelegt. In diesem Fall ergibt das 123,33 Euro, die monatlich von der Rente abgezogen werden.“

Kann ich Abschläge jetzt leichter ausgleichen?
„Nicht direkt, aber wenn Sie vor der Regelaltersgrenze eine Rente in Anspruch nehmen möchten, können Sie jetzt eher anfangen, freiwillige Beiträge in die Rentenkasse einzuzahlen, um die Abschläge auszugleichen. Bisher war es ab 55 Jahren möglich, nun bereits ab 50 Jahren.“

Welche Nachteile hat es, früher in Rente zu gehen?
„Erst wenn Sie die Regelaltersgrenze erreicht haben, dürfen Sie unbegrenzt ohne Rentenabzug hinzuverdienen. Gehen Sie vorher in den Ruhestand und arbeiten nebenbei, werden Sie durch die Abschläge also weniger verdienen als vorher. Allerdings gewinnen Sie auch viel an Lebensqualität und Zeit für sich, das ist nicht zu unterschätzen.“

Wo finde ich Unterstützung bei weiteren Fragen?
„Beim Bundesverband der Rentenberater helfen wir gerne weiter. Auf der Website www.rentenberater.de finden Sie über eine Postleitzahlensuche schnell einen unserer Ansprechpartner in Ihrer Nähe.“

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