Glücklich auch ohne Mann: „Ich genieße mein Single-Dasein in vollen Zügen“

Heute ziehen viele Frauen das Alleinsein vor

Immer mehr Frauen sind Single – und das bewusst. Sie wissen: So lebt es sich erheblich besser als etwa mit faulen Kompromissen. Warum sie das Single-Dasein bevorzugen, erzählen diese zwei starken Frauen. Und unsere Expertin erklärt, welche Vorteile das Alleinleben haben kann.

Es wirkt ja fast schon ein bisschen verzweifelt, wie Partnerbörsen immer wieder neue Zahlen auf den Markt werfen, die vermitteln sollen: Ohne Partner ist alles nichts. Erst jüngst verkündete Parship: 82 Prozent der deutschen Singles sehnen sich nach der großen Liebe. Dabei liegt der wirklich spannende Punkt ganz woanders: Inzwischen ist jeder Dritte Single. Und diese Singles sehnen sich vielleicht nacht der großen Liebe (wer tut das nicht – es soll sogar manchen Eheleuten so gehen…), aber bis dahin sind die meisten happy und haben jede Menge Spaß. Nicht nur das – neue Studien, etwa von der Washington State Universität, belegen: Alleinlebende haben eher sinnhafte, erfüllende Berufe, die sie schätzen, und fühlen sich gut aufgehoben im Kreis ihrer Freundschaften, die sie zudem viel intensiver pflegen können als Nicht-Singles. 

Katharina (42) aus Stuttgart: „Ich genieße mein Single-Dasein in vollen Zügen“

„Zehn Jahre waren Stefan und ich zusammen, als er mir eröffnete, dass er sich in eine Kollegin verliebt habe. Natürlich hat mich das erst mal umgehauen. Meine beste Freundin fing mich auf, tröstete mich – und sagte irgendwann: ,Na los, aufstehen, Krönchen richten, weitermachen.‘ Und ich habe kurz gezuckt und dann aber gedacht: Warum eigentlich nicht? Schlimmer wird’s nicht. Am nächsten Samstag haben wir uns aufgebrezelt und sind losgezogen. Wir hatten so viel Spaß! Seitdem lassen wir uns immer wieder tolle Sachen einfallen, die wir unternehmen. Wir fahren übers Wochenende an die See, neulich waren wir im Spa, abends gehen wir oft tanzen. Und natürlich lernen wir auch nette Männer kennen. Manchmal habe ich sogar Dates, die ich einfach nur genieße. Denn etwas Festes will ich gar nicht. Mein neues Motto ist: Männer nur noch ambulant, nicht mehr stationär! Ich liebe mein Single-Leben wirklich sehr. Schon allein, weil ich keine Kompromisse machen und niemandem Rechenschaft ablegen muss. Ich mache, was ich will. Und niemand redet mir rein. Herrlich. Wenn ich mich noch einmal binden sollte, müsste es schon ein absoluter Hammer-Typ sein.“

Margret (64) aus Potsdam: „So lieblos wollte ich nicht weiterleben“

„Es war der Klassiker. Wolfgang und ich haben mit Ende 20 geheiratet, zwei Kinder bekommen, ein Häuschen gekauft, ich gab die Arbeit wegen der Kinder auf, irgendwann fing ich wieder in Teilzeit an, schließlich Vollzeit. Dann waren die Kinder aus dem Haus. Alles wie in tausenden anderen Familien auch. Aber durch ein kleines Ereignis kam bei mir etwas ins Rollen, das mein Leben komplett verändern sollte. Zum 60. Geburtstag schenkte meine Schwester Karin mir einen Restaurant-Besuch. Es war ein toller Abend. Am Nebentisch saß ein Paar so um die 70, das ganz romantisch miteinander turtelte. Wir fanden sie beide so toll! Und dann stellten wir uns gegenseitig die Frage: Wie glücklich sind wir denn mit unseren Partnern? Die Frage ließ mich seitdem nicht mehr los. Ich nahm meine Beziehung mal genau unter die Lupe und erschrak. Wolfgang und ich lebten völlig aneinander vorbei. Wann hatten wir uns das letzte Mal in den Arm genommen? Ich wusste es nicht. Küsse? Gab es nicht mehr. Abendliche Gespräche, wie es dem jeweils anderen geht? Nein. Als ich ihn darauf ansprach, sagte er nur, das sei doch normal nach all den Jahren. Da wurde mir endgültig klar: So wollte ich nicht mehr weiterleben. Als ich auszog, schüttelten viele den Kopf. ,In deinem Alter!’, hörte ich am häufigsten. Aber das war mir egal. Ich zog das durch, und mir geht es heute blendend. Ich hatte sogar schon ein paar Dates. Und ich habe viele tolle Freunde und Bekannte. Lieber werde ich mit ihnen alt als in einer Wohngemeinschaft mit einem Mann, für den ich nicht mehr viel empfinde.“

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Tipps und Infos zum Thema: Alleinleben hat seine Vorteile

Dipl.-Psychologin Dr. Doris Wolf berät oft Paare in Kriesen und hat viele erfolgreiche Ratgeber dazu geschrieben. Die Themen Beziehung und Konfliktsituation, Trennung und Neuanfan sind in ihrer Praxis am häufigsten. Sie ist der Überzeugung: Jeder von uns kann sein Leben ändern, wenn er seine Einstellung ändert. Mehr Infos unter www.partnerschaft-beziehung.de

Warum haben viele Menschen Angst 

„Da gibt es unterschiedliche Gründe. Sie verknüpfen das Single-Dasein mit einem persönlichen Versagen oder haben Angst, im Alter ohne Unterstützung dazustehen. Manche fürchten die Einsamkeit. Sie glauben, einen Partner zu benötigen, um im Leben bestehen zu können. Manche brauchen auch die finanzielle Unterstützung des Mannes.“

Kann die Einsamkeit durch das Alleinleben auch krank machen?

„Das hängt ganz davon ab, wie man das Alleinleben sieht und wie man sein Leben organisiert. Auch in einer Partnerschaft kann man sich einsam fühlen, wenn sie schlecht funktioniert. Einsamkeit macht krank, wenn man sich als Opfer sieht, das nicht liebenswert ist, oder man unfreiwillig alleine lebt. Wer sich Zufriedenheit schenken kann, wird nicht krank vom Alleinsein.“

Woher kommt der Mut der vielen Frauen zum Alleinleben?

„Frauen sind heute wirtschaftlich besser gestellt und oft nicht auf das Gehalt des Mannes angewiesen. Dazu kommt: Frauen sind selbstbewusster, erlauben sich, eigene Bedürfnisse anzumelden und nach eigenen Wünschen zu leben. Sie nehmen sich heute das Recht heraus, alleine aktiv zu werden.“

Was sind denn die größten Vorteile des Single-Lebens?

„Man kann nach seinen eigenen Wünschen und Bedürfnissen handeln, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Man muss keine Kompromisse eingehen oder Rücksicht nehmen und womöglich Rechenschaft ablegen. Diskussionen sind endgültig vorbei, und man kann sich die Menschen aussuchen, mit denen man sich umgibt.“

Wie kann man das Alleinleben denn am besten angehen?

„Indem man sich die Frage stellt: Was möchte ich im Leben, was tut mir gut und macht mich glücklich? Das muss jeder für sich entscheiden. Danach sollte man handeln, einerlei wie die Antwort auf diese Frage ausfällt.“