Patientenverfügung: Warum ist sie so wichtig?

7 Fragen an die Expertin

16. Oktober 2017

Wir alle wünschen uns, möglichst gesund alt zu werden. Trotzdem sollte man rechtzeitig für den Ernstfall vorsorgen. Die Expertin Heike Morris erklärt, warum eine Patientenverfügung so wichtig ist und was es dabei zu beachten gibt. 

 

Heike Morris
Juristische Leitung Unabhängige Patientenberatung Deutschland

 

Wer sollte alles so eine Verfügung aufsetzen?

„Jeder, der gut für sich vorsorgen möchte. Denn darin legt man fest, welche ärztlichen Maßnahmen in einem medizinischen Ernstfall erwünscht sind, wenn man nicht mehr einwilligen kann. So eine Situation kann, zum Beispiel durch einen Unfall, auch bei jungen Menschen ganz unerwartet eintreten.“

In welcher Form muss sie verfasst werden?

„Es genügt die Schriftform, das heißt, sie muss nur eigenhändig unterschrieben sein. Ob man ein Formular ausfüllt, den Text ausdruckt oder mit der Hand schreibt, spielt keine Rolle. Sie muss auch nicht notariell beglaubigt werden.“

Gibt es Vorlagen, die man dafür nutzen kann?

„Im Internet finden Sie zahlreiche Vorlagen und Textbausteine. Besonders hilfreich ist die Broschüre ‚Patientenverfügung‘, die Sie kostenlos auf der Seite des Bundesministeriums für Justiz und Verbraucherschutz herunterladen können.“

Worauf muss ich beim Ausfüllen unbedingt achten?

„Formulieren Sie Ihre Vorgaben zu lebenserhaltenden Maßnahmen, Schmerzbehandlung sowie künstlicher Ernährung so präzise wie möglich. Sie steigern damit die Wahrscheinlichkeit, dass Ihre Vorgaben im Ernstfall berücksichtigt werden – und nicht andere für Sie entscheiden. Allgemeine Angaben wie ‚Ich will nicht an Schläuchen hängen‘ sind nicht konkret genug, sie bieten zu viele Interpretationsmöglichkeiten. Lassen Sie sichauch von Ihrem Hausarzt beraten – schließlich kann man nur das beschreiben, was man versteht.“

Was ist, wenn ich im Ernstfall keine Verfügung habe?

„Dann muss der Arzt versuchen, Ihren Willen mit Hilfe Ihrer Angehörigen und anhand früherer Äußerungen nachzuvollziehen. Ehepartner oder Kinder können in einer solchen Situation nur dann rechtsverbindlich entscheiden, wenn sie als Bevollmächtigte von Ihnen beauftragt oder sie als rechtliche Betreuer eingesetzt sind. Bei Meinungsverschiedenheiten über Abbruch oder Fortsetzung einer Behandlung entscheidet letztlich das Gericht. Mit einer Patientenverfügung stellen Sie sicher, dass Ihre Wünsche berücksichtigt werden. Und Sie entlasten Ihre Angehörigen, die nun nicht mehr an Ihrer Stelle eine Wahl treffen müssen, die über Leben oder Tod entscheiden kann.“

Wie verbindlich ist die Verfügung für andere?

„Ist sie konkret genug, müssen sich Ärzte und alle weiteren Beteiligten zwingend daran halten. Damit keine Zweifel an der Gültigkeit aufkommen, sollte man die Verfügung ungefähr alle 3 bis 5 Jahre prüfen und gegebenenfalls erneuern. Sie können die Verfügung übrigens jederzeit ändern, auch noch im Krankenhaus – solange Sie noch in der Lage sind, Ihren Willen zu bilden.“

Wo sollte ich das Dokument am besten aufbewahren?

„An einem sicheren Ort zu Hause, bei Freunden oder Verwandten. Dort besonders dann, wenn ihnen auch eine Vorsorgevollmacht zur Überwachung der medizinischen Maßnahmen erteilt wurde. Und: Man sollte in einer Brieftasche eine Notiz mit Hinweis auf die Patientenverfügung und den Ort der Hinterlegung bei sich tragen.“