Neues Glück mit 50: Vom Zauber der Gelassenheit

Maria: „Jetzt fängt das Leben an, so richtig Spaß zu machen“

Erst in der zweiten Lebenshälfte erkennt die Lübeckerin, was im Leben wirklich zählt. Diäten, ihr Perfektionismus und die Probleme anderer sind es jedenfalls nicht. So fand Maria mehr Seelenruhe.

 

 

 

„Vor zwei Jahren gab es einen besonderen Moment bei der Arbeit, der mir noch genau in Erinnerung ist: Meine Kolleginnen, die meisten zwischen 30 und 40, sprachen über Klassentreffen, die bei ihnen anstehen. Diese gestandenen Frauen, die ich allesamt als stark und selbstbewusst beschreiben würde, verwandelten sich in den kommenden Wochen in hysterische Hühner. In unseren sonst so geschätzten Pausen ging ich nun alleine essen, während meine Kolleginnen an ihrem Knäckebrot knabberten. 

Und auf einmal wurde mir die Absurdität dieser Situation bewusst, und ich musste laut lachen. Und: Ich war so froh, dass ich nicht mehr eine von ihnen war. Eine von den Frauen, die sich ständig für alle anderen schön und schick machen, die auf Dauerdiät sind, nur um irgendwelchen Männern zu gefallen. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich selbst war ja lange genug auch so. Habe mich verrückt machen lassen von allem und jedem. 

Ich weiß noch, wie ich bei mir mit 28 die ersten Fältchen um den Mund entdeckt habe. Über Tage und Wochen drehten sich meine Gedanken um diese kleinen Linien. An keinem Spiegel konnte ich vorbeigehen, ohne meinem Selbst leise zuzuflüstern: Jetzt wirst du langsam alt, meine Liebe. Heute kann ich darüber nur noch lachen. Meine Falten sind nahezu unzählbar geworden, aber sie gehören zu mir und machen mich nicht mehr fertig. Genauso geht es mir mit ein paar Kilos zu viel. Na und? Ich liebe es, zu kochen und zu essen. Das ist ein großer Luxus, den ich heute viel mehr genießen kann als früher, als ich die Kalorien zählte und mir süße Sünden viel zu oft versagte. 

Gelassenheit im Job

Zugegeben: Ich hatte Glück. Vor einem Jahr wurde ich in eine neue Abteilung versetzt. Innerhalb desselben Unternehmens, aber mit neuen Kollegen und auch einem neuen Chef. Meine Arbeit als Laborantin war immer sehr stressig. Wir müssen uns sehr konzentrieren, und das Pensum ist straff und kaum zu bewältigen. Und: Ich hatte lange das Problem, zu streng zu mir selbst zu sein und nie Nein sagen zu können. Einmal damit angefangen, kam ich aus dieser Spirale nicht mehr heraus. Meine Kollegen und Chefs wussten, dass sie alles mit mir machen können. Tatsächlich hörte ich sogar einmal den Spruch: ‚Frag doch Maria, die sagt sowieso nie Nein!‘ Ich war also dauerhaft gestresst und stand ständig unter Strom. 

Ich wollte etwas ändern, wusste aber nie, wie ich es schaffe, ernst genommen zu werden. Mit dem Wechsel in eine neue Abteilung legte ich nun neue Spielregeln fest. Selbstbewusst sagte ich mir: Warum soll ich eigentlich immer die Dumme sein! Heute trete ich anders auf, nehme mir nicht alles sofort zu Herzen und weiß um meine Qualitäten. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie gerne ich mit dieser neuen Gelassenheit zur Arbeit gehe. Durch meine verkrampfte Art habe ich immer nur mich selbst unter Druck gesetzt – jetzt liebe ich dieses neue Gefühl von Selbstbestimmung und -bewusstsein.

Gelassenheit mit Freunden

Wann immer ein Rat gebraucht wurde, ob von Freunden oder Verwandten, war ich da. Ich fühlte mit jedem mit und versuchte, seine Probleme zu lösen. Rund um die Uhr setzte ich mich mit den Konflikten anderer auseinander – eine große Belastung. Dann gab mir eine Bekannte einen Tipp: Ich solle versuchen, mich abzugrenzen. Mich fragen, was passieren würde, wenn ich einfach mal nichts machen würde. Die Antwort ist meist nicht so schlimm wie gedacht. Viele meiner Freunde mussten sich erst daran gewöhnen, dass ich nicht mehr bei jedem Problem sofort angesprungen kam, aber sie haben es akzeptiert. Ich habe das Gefühl, dass mir diese klare Grenze sogar Respekt eingebracht hat.

Wenn ich heute die Jahre Revue passieren lasse, bin ich dankbar. Dankbar für meine neu gewonnene Gelassenheit und Stärke. Ich muss nicht mehr jedem gefallen, und das ist gut so. Deshalb: Leben, ich liebe dich – immer mehr!

Tipps und Infos: Zufriedenheit im Alter hält gesund

Besonnenheit ist der Schlüssel zur Gesundheit: Eine aktuelle Studie ergab, dass ältere Menschen, die gelassener mit verpassten Chancen umgehen, weniger oft an Altersdepressionen erkranken. Die emotionale Gesundheit hängt demnach eng mit den verpassten Gelegenheiten zusammen.

Das zunehmende Glück der späteren Jahre

Ältere Menschen sind stressresistenter. Das ergab eine Studie von US-Wissenschaftlern. Sie fanden heraus, dass Menschen im Alter zwischen 20 und 30 Jahren besonders deprimiert und gestresst sind. Den Forschern zufolge verbessert sich im Alter das Wohlbefinden, und die Zufriedenheit erhöht sich. Warum das so ist? Ab einem bestimmten Alter erkennen wir, dass das Leben endlich ist. Wir treffen dann weisere Entscheidungen und sind emotional stärker.

Der Stresspegel in der Gesellschaft nimmt zu 

Stress, Stress, Stress. Laut einer Studie stehen immer mehr Menschen in Deutschland unter großem Druck. 80 Prozent der Deutschen zwischen 36 und 45 Jahren fühlen sich besonders gestresst. Experten raten dieser Generation zu mehr Gelassen- und Zufriedenheit und vor allem zur Nachsicht mit sich und anderen.

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